Das Museum... (Signale 71-92)

Das Hudson-Museum in Ypsilanti / Michigan

...Das Hudson-Museum in Ypsilanti / Michigan

In der Rubrik „Das Museum am anderen Ende der Welt“ stellen wir normalerweise interessante Museen vor, die sicherlich noch nicht Jeder besichtigen konnte. Einfach weil sie eben nicht ganz so einfach zu erreichen sind.

Dieses Mal verschlägt es uns wieder in die USA nach Michigan in das kleine Städtchen Ypsilanti.

 

Ungefähr 60 km von Detroit entfernt liegt das kleine Städtchen Ypsilanti.

Der 1809 als einfache Handelsstation gegründete Ort hieß ab 1823 Woodruffs Grove. Erst als er 1829 mit dem unmittelbar benachbarten und nur vier Jahre zuvor gegründeten Örtchen Ypsilanti vereinigt wurde, entstand die heutige Stadt Ypsilanti.

Heute wohnen noch nicht einmal 20.000 Menschen im teilweise sehr malerisch angelegten Ort, der seinen Namen von einem griechischen Prinzensohn und späteren Revolutionär namens Demetrius Ypsilanti erhalten hat.

Ab 1920 wurden hier Autos der Marke ACE hergestellt, die heute wahrscheinlich nur wirklich eingeweihten bekannt ist. Nur zwei Jahre später endete diese Episode der Industrialisierung wieder, als die beiden führenden Ingenieure das Unternehmen verließen. Heute ist kein existierender ACE mehr bekannt.

Einige Bekanntheit hat Ypsilanti durch die Entwicklung des Prototypen von Preston Tuckers Torpedo Auto. Tucker und seine Familie waren in Ypsilanti zu Hause und besaßen die Ypsilanti Machine & Tool Company.

Nennenswerte Industrie im Ort war jedoch eine ganz andere Produktionsstätte: Die riesige „Willow Run Plant“ stellte B52-Bomber her.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges kauften Henry J. Kayser und Joseph W. Frazer Willow Run und bauten hier ab 1947 die technisch herausragenden und optisch sehr ansprechenden Autos von „Kayser and Frazer“.

Nach der Übernahme durch Willys-Overland 1953 wurde die Fahrzeugproduktion in Willow Run 1954 vorrübergehend eingestellt.

Erst als GM die Fabrik übernahm und sie zu einer Fabrik für Automatik-Getriebe umbaute, ging die Geschichte des Automobilbaus in Ypsilanti weiter.

Fortan produzierte man hier Automatikgetriebe für 11 verschiedene Autohersteller. Einer der exklusivsten Kunden war Rolls Royce.

Immerhin 82 Millionen Getriebe wurden hier gebaut bis GM 2009 bekanntgab, die Fabrik infolge der weltweiten Finanzkrise,  schließen zu wollen.

Als sich die Werkstore im Dezember 2010 endgültig geschlossen hatten, haben 1364 Mitarbeiter ihren Job verloren.

Doch immer noch wurden komplette Fahrzeuge hier gebaut. In 37 Jahren weit über 7 Millionen Stück.

In der Eaststreet von Ypsilanti baute sich 1896 die Ypsilanti Electric Company ein Haus, das ab 1917 in ein Autohaus für die Marke Dodge umgewandelt wurde. Damit hatte der Inhaber Joseph H. Thompson eine der ersten Dealerships für Dodge in Michigan.

1933 wechselte der Besitzer erneut und nunmehr wurde das Gebäude ein  Autohaus der Marke Hudson mit Werkstattservice.

Die spätere Miller Motor Sales gilt als die letzte Hudson Dealership in der Welt. Immerhin wurde der letzte Hudson bereits 1957 in Kenosha (Wisconsin) produziert.

Miller Motors stellte den Verkauf erst 1 Jahr später ein.  Der Sohn von Carl Miller, Jack Miller  führte jedoch den Service und den Verkauf von Hudson Automobilen bis Mitte der 1990er Jahre weiter. Dann verkaufte er an die Ypsilanti Historical Society  und das original erhaltene und eingerichtet Gebäude wurde in ein Museum umgebaut.

Heute ist das Ypsilanti Automotive Heritage Museum eher eine Geheimadresse. Das hat aber ganz sicher nichts mit den außergewöhnlichen Ausstellungsstücken und der bewegten Automobilgeschichte seines Gebäudes zu tun.

Der Fokus der Ausstellung liegt bei Fahrzeugen, die in der Willow Run Plant hergestellt wurden, wie APEX (ACE), Kaiser-Frazer,  und Corvair, und bei Autos der Marken Hudson und Tucker.

Die Ausstellung umfaßt aber auch eine ansehnliche Zahl von Getrieben der GM Hydra-Matic Serie der Willow Run Fabrik.

Außerdem kümmert sich das Museum um die Restaurierung von Hudson.

Ca. 30 Fahrzeuge kann man heute hier bewundern. Darunter ein 1933er Hudson Terraplane K Series Coach. Das jüngste ist ein echter 1991 Chevrolet Caprice als Polizeiauto, gebaut in Willow Run.

Mein persönliches Highlight war der 1955er Hudson Italia. Ein Auto, wie eine Skulptur: voller überraschender Details in Design und Technik. Die Aluminium-Karosserie wurde in Italien hergestellt. Insgesamt wurden nur 26 Stück dieser Fahrzeuge produziert. Wie immer bei Hudson waren sie übertechnisiert und viel zu teuer für den Markt. Nur 3 Jahre später endete die Marke auch.

Außergewöhnlich ist auch ein weiteres Exponat des Museums: Als 1953 die Kaiser-Frazer-Produktion endete geschah das offenbar so abrupt, dass unter anderem eine für die Lackierung vorgesehene Karosse auf ihrem Rollwagen stehen blieb.

Dieses nie fertig gebaute „Fahrzeug“ kann man hier bewundern.

Bereits in meiner Kindheit für Oldtimer begeistert, hatte ich in einem Buch das Foto eines amerikanischen Sportwagens der 1950er Jahre entdeckt. Dieses Fahrzeug interessierte mich vor allem wegen seiner interessanten Schiebetüren-Konstruktion. Die Türen wurden nämlich nach vorn in den Kotflügel geschoben.

Mit einer jemals produzierten Stückzahl von 435 Fahrzeugen war die Chance eher gering so einem Auto einmal persönlich gegenüber stehen zu können. Im YAHM ist das jedoch möglich. Da steht einer dieser Glasfiber-Roadster mit der dringenden Bitte, die Türen bloß nicht zu berühren.

 

YAHM Ypsilanti Automotive Heritage Museum

100 East Cross Street, Ypsilanti, MI 48197

 

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag: 13:00-16:00 Uhr