Vor 110 Jahren (Signale59-80)

Gustav Ehrhardt, Fabrikdirektor der FFE und Sohn von Firmengründer Heinrich Ehrhardt 1899 am Steuer eines Wartburg-Motorwagen. Foto: Archiv Horst Ihling

endete die Produktion des Wartburgs in Eisenach

Der ein oder andere Leser wird sich vermutlich bei dieser Überschrift die Augen reiben, fuhr doch bekanntermaßen am 10. April 1991 bei der emotionalen Veranstaltung zur Werksschließung der letzte Wartburg vom Band.

Jener rote Wartburg 1.3, der seit dieser Zeit im Museum „automobile welt eisenach“ steht. Aber doch endete schon einmal in Eisenach die Produktion von Wartburg-Automobilen.

Seit 1898 wurden in Eisenach Motorwagen nach einer französischen Lizenz gebaut, die alle den Namen Wartburg trugen.

Doch dann kam es im Jahr 1903 zum Eklat im Aufsichtsrat der Fahrzeugfabrik Eisenach. Firmengründer Heinrich Ehrhardt, der sich zwischenzeitlich als begnadeter Techniker und genialer Erfinder vom mittellosen Waisenkind zum Großindustriellen der deutschen Rüstungsindustrie emporgearbeitet hatte, duldete keinen Widerspruch. Die Fahrzeugfabrik hatte er 1896 zusammen mit einem Bankkonsortium gegründet und betrachtete sie von Anfang an nur als ein Teil innerhalb seines Konzerns unter Federführung der Rheinmetall A.G. Düsseldorf. Da gab er mit fester Hand als Aufsichtsratsvorsitzender unangefochten und weitsichtig die technische und kaufmännische Richtung vor.

In Eisenach lies er im Auftrag des  Kriegsministeriums pferdegezogene  Patronenwagen und Geschützlafetten ebenso bauen, wie Fahrräder für die kaiserlichen Heereskompanien. Mit unternehmerischen Gespür erkannte er früh das Potenzial was in den neu entstandenen Automobilen steckte, brauchte er doch in der sich am Ende des 19. Jahrhunderts abzeichnenden Fahrradkrise einen weiteren Geschäftszweig, um die Eisenacher Fabrik dauerhaft auszulasten. Durch den Kauf der französischen Decauville – Lizenz konnte man bereits 1898 mit dem Bau von Wartburg - Motorfahrzeugen beginnen. Das Geschäftsfeld des Automobilbaus überließ er jedoch von Anbeginn seinem Sohn, dem Ingenieur Gustav Ehrhardt. Dieser war erst 1896 aus den USA nach Deutschland zurückgekehrt und von dort schon offensichtlich mit dem Automobilvirus infiziert. Hier in Eisenach wurde er Fabrikdirektor und Vorstandsvorsitzender der Fahrzeugfabrik Eisenach A.G., s ein Augenmerk und seine Berufung galt aber vorrangig den neu entwickelten Wartburg- Motorwagen. Er betätigte sich fortan selbst als sogenannter Herrenfahrer an Autorennen und kümmerte sich persönlich auf Ausstellungen um den Verkauf seiner Wartburgs. Auch initiierte Gustav Ehrhardt hier in Eisenach 1901 maßgeblich die Gründung des Verband Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller als Lobbyverband um dem Auto auch so weiter zum Durchbruch in Deutschland zu verhelfen.

Dabei muss man wissen, dass die Produktion der Wartburgwagen zur damaligen Zeit noch in handwerklicher Fertigung lief und man Einzelwünschen je nach Bestellung berücksichtigte. Auch folgten laufend technische Veränderungen und konstruktive Verbesserungen der Fahrzeuge. So kann es nicht wundern, dass mit der Automobilproduktion in Eisenach kein Gewinn gemacht wurde. Den gab es in dieser Zeit ausschließlich durch die Rüstungsproduktion. So hatte Heinrich Ehrhardt mit der Erfindung des Preß- und Ziehverfahrens für Kanonenrohre ein Patent angemeldet, dass ihm schließlich Millionen einbrachte und auch dem Eisenacher Werk anfänglich eine hohe Rendite bescherte. Als Anfang des Jahrhunderts Rüstungsaufträge ausblieben gab es im Aufsichtsrat verstärkt Kritik am unrentablen Geschäftszweig Automobilbau. Im Zentrum der Kritik stand Fabrikdirektor Gustav Erhardt, der wohl ein wahrlicher Autonarr war. Dieser war so technikfasziniert und besessen die Wartburgwagen zum Erfolg zu führen, dass er offensichtlich das kaufmännische Ergebnis nicht entsprechend beachtete.  Kritik aber an seinem Sohn konnte Heinrich Ehrhardt als Aufsichtsratsvorsitzender nicht ertragen und nahm dies persönlich. Als gewiefter Kaufmann versuchte er aber auf die bestehenden Verluste zu reagieren und seine drei Werke in Düsseldorf, Sömmerda und Eisenach zu fusionieren um die an allen drei Stellen laufende Kanonenproduktion zu rationalisieren. Diesen Plan verhinderten aber die Aktionäre in Eisenach, die die Selbstständigkeit nicht aufgeben wollten. Da platze Heinrich Ehrhardt der Kragen und sein Sohn musste kurz entschlossen die Fahrzeugfabrik verlassen. Er ging nach Zella-Mehlis in die dortige Heinrich Ehrhardt A.G. Mit ihm gingen alle Patente, Lizenzen und Unterlagen für den Automobilbau. Heinrich Ehrhardt selbst folgte ein halbes Jahr später. In Südthüringen begann man sofort nach der Decauville- Lizenz wieder mit der Fertigung von Automobilen, die fortan von dort als Ehrhardt-Wagen vertrieben wurden.

In Eisenach aber stand der neu eingesetzte Fabrikdirektor Alfred Rauh mit den vollständigen Fabrikationsanlagen für den Automobilbau da und hatte nun kein Recht mehr die Wartburg-Wagen weiter zu produzieren. Man verpflichtete schnell den bekannten Autokonstrukteur Willy Seck und betraute ihn mit der Entwicklung einer neuen Generation von Motorfahrzeugen. Bei der Suche nach einem neuen Namen, ist der Legende nach, eine Beratungsrunde mit dem damals üblichen lateinischen Wort „Dixi“ – zu deutsch „ich habe gesprochen“, beendet worden und der Name war gefunden.

Vor fast genau 110 Jahren, auf der Frankfurter Automobil-Ausstellung vom 19.-27. März 1904 wurden erstmalig die Eisenacher Automobilkonstruktionen von Seck unter den neuen Namen präsentiert und ab diesem Zeitpunkt nur noch als Dixi verkauft. Mit dem Ende der Frankfurter Automobil-Ausstellung endete somit auch die erste Ära der Wartburgautomobile aus Eisenach.

Der Name Dixi wurde für Eisenacher Autos noch bis zur Übernahme durch BMW 1928 weitergeführt. Nach einem kurzen Zwischenspiel des kleinen Rennsportwagens BMW DA 3 „Wartburg“ von 1930-31, entstand dann der Name „Wartburg“ mit dem Produktionsbeginn des Modells 311 im Jahr 1955 bereits das dritte Mal für die Eisenacher Automobile.

 

/ Matthias Doht