Die Soljanka

Gespeichert von Stephan am Sa., 08.05.2021 - 19:09
Ausgabe
So geht Soljanka….

Martin verrät hier sein Techno Classica-Geheimnis

 

Sie fehlte auf keiner Mitropa-Speisekarte: die "original ukrainische Soljanka". In der Prenzlauer Mitropa köchelte sie in einem 30-Liter-Kochtopf auf einem Hockerkocher täglich vor sich hin. Es gab wohl keinen Tag, an dem es keine Soljanka gab.

Das Geheimnis einer Soljanka ist die ständig wechselnde Zusammensetzung und Konsistenz. Es gibt Zutaten, die braucht man unbedingt, etliches kann man auch weglassen oder durch andere ergänzen oder ersetzen. Ganz wichtig für eine Gaststätte: man kann fast alle Reste von Fleischgerichten verwenden. Durch Zugabe von Wasser und Instant-Brühe kann man die Menge regulieren.

Da es in diesem Jahr nicht möglich sein wird, sich in direkter Begegnung zu treffen und ich Euch daher keine Suppe kochen kann, will ich nun Kund tun, wie man eine gute Soljanka fertigbringt.

Da ich von Zeit zu Zeit einen kranken Freund besuche und mich oft auch für das Abendbrot zuständig fühle, gab es kürzlich einen Anlass, hier in Prenzlau eine gute Suppe zu kochen.

Also habe ich das Wichtigste fotografiert und liefere hiermit das Rezept:

 

Man nehme vorwiegend aus ostdeutscher Produktion:

  • Þ etliche gute Konserven. Saure Gurken, einmarinierten Paprika, in Essig eingeweckte Zucchini, Letscho, Ketchup, allerlei derartige Grillsaucen, Tomaten und Paprikamark, eingedoste oder-tütete Tomaten als Sauce, Ganz, in Stücken, Verquirlt, gewürzt oder anderer konservierter Art. (Bild 1)
  • Þ etliche gute Konserven mit Rindfleisch im eigenen Saft (Bild 2)
  • Þ ein paar Pfund frisches Rindfleisch, wahlweise Filet, Braten, Gulasch, Beinscheibe oder Suppenfleisch. Dazu Margarine zum anbraten (Bild 3)
  • Þ etliche Zwiebeln, Suppengrün, auch kleine Kartoffeln so man möchte (Bild 4)
  • Þ mehrere Sorten Salami, Knacker und Jagdwurst aus Brandenburg, Vorpommern und Mecklenburg Bild 5)
  • Þ frische kleine und große Tomaten, grüne, rote, weiße oder gelbe Paprika und ähnliches aus Südamerika stammendes, passendes Gemüse Bild 6)
  • Þ viele einheimische und exotische Gewürze wie: schwarzer Pfeffer, ganz oder gemahlen, grüner Pfeffer in Lake eingelegt, edelsüßen bis scharfen gemahlenen Paprika, Curry, Kardamom, Muskat, in Körnern Piment und Wacholder, und dann noch Lorbeer, Majoran, Oregano, Estragon, Kräutermischung, die dem Gefühl nach dazu passt und was sich in der Geschmacksrichtung sonst noch im Gewürzregal findet (Bild 7)
  • Þ diverse Getränke wie Vodka, Wasser, Apfelsaft und was der Mensch sonst noch an Bier oder Wein braucht (Bild 8)
  • Þ einen oder mehrere große Töpfe (Bild 9)

 

Man nehme nun etliche scharfe Messer und ein paar Holzbretter und fange an:

  • Þ Jagdwurst, Salami und Fleisch klein schneiden. Davon das nicht verwertbare für den Hund beiseite tun.
  • Þ Zwiebeln und Suppengrün klein schneiden und was noch alles klein zu schneiden ist.
  • Þ Währenddessen kann man schon zu dem ein oder anderen Getränk greifen, denn das dauert, wenn keiner mithilft. (Bild 10)
  • Þ Nun gilt es das Fleisch im großen Topf klassisch in heißer Margarine anzubraten. Wer auf kross gebratenes Fleisch Wert legt, muss eine Pfanne zum Anbraten nehmen und alles in den Topf umfüllen.
  • Þ Jetzt Zwiebeln und Suppengrün zufügen und mit anbraten.
  • Þ Sind die Zwiebeln glasig, kommt die Salami hinzu.
  • Þ Fängt das Fett von dieser an auszulaufen füllt man die Jagdwurstwürfel in den Topf.
  • Þ Immer wieder mit dem großen Holzlöffel umrühren und ggf. etwas Wasser dazu. (Bild 11)

 

Man nehme nun einen Büchsenöffner, sofern nötig,

  • Þ um die Fleischkonserven zu öffnen. Das Fett und den Brühglibber rauskratzen und schon mal in den Topf tun und unterrühren.
  • Þ Das Fleisch irgendwie aus der Büchse kriegen und auch klein schneiden. Anschließend mit in den Topf, bis zur Bedeckung mit Wasser auffüllen und spätestens jetzt das erste Mal alles richtig aufkochen lassen.
  • Þ Da es während des ganzen Suppengestaltungsprozesses keine extra Mahlzeit gibt, sollte man reichlich von den Zutaten kosten. (Bilder 12-16)
  • Þ Spätestens jetzt darf man sich auch Einen Vodka genehmigen. (Bild 17)

 

Ich hatte Polnischen gewählt. Denn Ukrainischer ist mir nicht bekannt und russische oder sowjetische Soljanka scheint es nie gegeben zu haben. Außerdem sind die Zutaten allesamt nicht unbedingt nur ukrainisch.

 

Man nehme sich nun die einkonservierten Zutaten vor. Anhand der Behältnisse ist zu prüfen, welche Werkzeuge und Stechmittel man braucht, um an den Inhalt zu kommen. Eventuell genügt auch nur Muskelkraft.

Für Unglücke schon mal Fitwasser in die Spüle einlassen und über den Unterbringungsort des Verbandskastens nachdenken.

 

  • Þ Zuerst den Letscho öffnen und in den Topf kippen, umrühren und aufkochen lassen.
  • Þ Dann den Ketchup, das Tomatenmark, die passierten Tomaten, die sonst noch zur Verwendung vorgesehenen konservierten Tomaten öffnen und in den Topf kippen, umrühren und aufkochen lassen.
  • Þ Dann ist der Topf voll, so voll, dass man einen 2. Topf braucht, weil noch so viele Zutaten da sind. (Bild 18)
  • Þ Außerdem sind so viel Fleisch und Wurst im 1. Topf, dass nur wenig Suppe dazu passt. Da das Ganze aber noch etwas köcheln muss, hat man nach mehrmaligem Kosten wieder Zeit für einen Vodka. (auch Bild 18).

 

Man nehme also den zweitgrößten Topf, den man in seinem Haushalt findet und eine Suppenkelle und teile die Grundsubstanz vom 1. Topf im richtigen Verhältnis auf beide Töpfe auf.

  • Þ Dann hat man genügend Platz in beiden Töpfen, um den Inhalt der übrigen Konserven in die Töpfe zu kippen, umzurühren und aufkochen zu lassen.
  • Þ Die Konservierungsbehältnisse immer mit heißem Wasser ausspülen und dieses in den Topf kippen, umrühren und aufkochen lassen.
  • Þ Die Gurken samt ihrer Brühe zuletzt.
  • Þ Da das Aufkochen etwas dauert, hat man zwischendurch immer wieder Zeit, die frischen Tomaten und Paprika klein zu schneiden.
  • Þ Dazu kann man auch Apfelsaft und / oder Wasser trinken. (Bild 19).
  • Þ Wenn es einem so scheint, dass alles einigermaßen gekocht hat, stellt man die Kochhitze erstmal ab und wartet, bis die Suppe aufhört zu blubbern. (Bild 20)
  • Þ Zwischendurch immer wieder kosten.

 

In diesem Prozessabschitt kann man wieder Einen trinken.

 

  • Þ Nun das klein geschnittene Frischgemüse auf beide Töpfe aufteilen und unterrühren. (Bild 21)

 

Man nehme spätestens jetzt die Gewürzsammlung in Augenschein. Übrigens: man braucht kein Salz, denn die Wurst ist salzig genug.

  • Þ Man kann die körnigen Gewürze schon während der Fleisch - Wurst Kocherei zugeben und den Lorbeer schon mit den Konservierten Stoffen. Aber spätestens jetzt kommt alles andere hinzu. Von jedem etwas und in der Menge nach Gefühl.
  • Þ Bei den scharfen und ganz scharfen Gewürzen vorsichtig sein! (Bild 21)
  • Þ Der edelsüße Paprika gibt der Soljanka die schöne Farbe, falls das Auge bis dahin nicht zufrieden sein sollte.
  • Þ Die Gewürze behutsam mit dem großen Holzlöffel unterrühren, bis alles gleichmäßig in den Töpfen verteilt ist. Jetzt die Kochhitze wieder einschalten und alles kräftig aufkochen lassen und gelegentlich umrühren.
  • Þ Dann wieder abschalten, abwarten, bis es aufhört zu blubbern, Deckel drauf und auf der heißen Platte auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

 

Man nehme

  • Þ zu guter Letzt den Abwaschlappen, lasse heißes Fitwasser ins Spülbecken, mache Herd und Fußboden sauber,
  • Þ sortiere gebrauchtes Geschirr und Hilfsmittel in den Geschirrspüler, entsorge das Verpackungsmaterial in die dafür korrekten Abfallbehältnisse,
  • Þ bringe den Mülleimer runter und hinterlasse die Küche so, als ob in ihr in den letzten 4 bis 5 Stunden nichts geschehen wäre.
  • Þ Nochmal kosten und den Letzten Vodka für diesen Tag trinken. (kein Bild mehr)

 

Man nehme am nächsten Tag einen der beiden Töpfe mit in seinen Freundeskreis. Oder die Leute zu sich einladen.

  • Þ In der fremden oder eigenen Küche die Soljanka langsam unter vorsichtigem Rühren erst mit weniger und dann immer mehr Hitze kurz zum Aufkochen bringen.
  • Þ Erst jetzt entfaltet sich das ganze Aroma aller Zutaten.

 

Nur wenn es anders nicht möglich ist, kann man eine Soljanka auch nach dem ersten Koch - und Zubereitungsprozess schon am Tag der Herstellung servieren.

 

Man nehme als Beilage

Weißbrot aller Art in Scheiben geschnitten. Das mildert die etwaige Schärfe, wenn man es dazu isst. Des Weiteren saure oder süße Sahne in kleinen Portionen und aufgeschnittene Zitrone. Damit kann sich der Genießer nach eigenem Geschmack die Soljanka verfeinern.

 Als ungeeignete Getränke gelten süße Weine, süße Spirituosen oder gar Liköre, gesüßtes Bier oder süße Antialkoholika.

 Man sollte vielfältige und sorgfältig ausgewählte trockne bis halbtrockne Weine, vollmundige bis scharfe Spirituosen, kaltes herbes Bier und neutrale Antialkoholika reichen.

 

Man nehme, falls man sich außer Stande sieht, den oben ausführlich beschriebenen Zubereitungsprozess durchzuhalten, ein käuflich erworbenes Fertigprodukt aus einem Glas oder einer Büchse, mache sich das warm und lasse es sich schmecken! (Bild 22)

 

mit vielen herzlichen Grüßen und viel Freude beim Kochprozess, Euer

 

Autor
Bild 01 Zutaten
Bild 02 Noch mehr Zutaten
Bild 03 Noch ein paar Zutaten
Bild 04 Gemüse
Bild 05 Wurstzutaten
Bild 06 Paprikagemüse
Bild 07 Gewürze
Bild 08 Getränke
Bild 09 Großer Topf
Bild 10 Fleisch schnippeln
Bild 11 Umrühren und ggfls. Wasser hinzufügen
Bild 12 zwischendurch reichlich kosten
Bild 13 zwischendurch reichlich kosten
Bild 14 zwischendurch reichlich kosten
Bild 15 zwischendurch reichlich kosten
Bild 16 zwischendurch reichlich kosten
Bild 17 Spätestens jetzt darf man sich auch Einen Vodka genehmigen.
Bild 18 Zweiter Topf wegen Überfüllung
Bild 19 Dazu kann man auch Apfelsaft und / oder Wasser trinken.
Bild 20 Wenn es einem so scheint, dass alles einigermaßen gekocht hat, stellt man die Kochhitze erstmal ab und wartet, bis die Suppe aufhört zu blubbern.
Bild 21 Nun das klein geschnittene Frischgemüse auf beide Töpfe aufteilen und unterrühren.
Bild 22 Man nehme, falls man sich außer Stande sieht, den oben ausführlich beschriebenen Zubereitungsprozess durchzuhalten, ein käuflich erworbenes Fertigprodukt aus einem Glas oder einer Büchse, mache sich das warm und lasse es sich schmecken!
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