1962 Wartburg

Gespeichert von Stephan am Sa., 08.05.2021 - 18:37
Ausgabe
Ein Thermostat in der Schlauchleitung zwischen Kühler und Motor sorgt für rasche Erwärmung.

Vorstellung des Wartburg 1000 in der DDS

 Im März 1962 berichtete die DDR-Autofahrer-Zeitschrift Der Deutsche Straßenverkehr über den Modellwechsel vom Wartburg 311 hin zum Wartburg 1000.

Diesen, deutlich knapperen Bericht stellen wir dem westdeutschen Text zum DKW F102 gegenüber.

Leider ist das DDS-Archiv der Redaktion nicht lückenlos. Sonst hätten wir gern einen Text aus 1963/1964 zum Wartburg 312 oder lieber noch zum Wartburg 353 gegenübergestellt.

Klar erkennbar bleibt so jedoch, dass der DKW F102 auch 1964/65, zum Zeitpunkt seines Produktionsendes und gegenüber dem Wartburg 312 und auch 353, der modernere Wagen war.

Der Wartburg 353 war gestalterisch 1965 noch auf der Höhe seiner Zeit. Technisch hatte er den Wettlauf bereits klar verloren.

 

 Äußerlich hat der Wartburg seine Form beibehalten. Unter der Motorhaube finden sich jedoch zahlreiche Verbesserungen, die den Charakter des Wagens grundlegend verändern. Der Hubraum wurde in den Zylinderbohrungen von 70 auf 73,5 mm vergrößert, so dass sich bei gleichem Hub ein Gesamthubraum von 991 cm³ ergibt. Die Leistung erhöhte sich dadurch auf 45 P, 4200 U/min. Das maximale Drehmoment stieg von 8,5 kpm auf 9,5 kpm bei 2200 U/min. Da die Übersetzungen im Getriebe und im Achsantrieb unverändert blieben, kommt die Mehrleistung des Motors besonders der Beschleunigung und der Steigleistung des Wagens zugute. Die Höchstgeschwindigkeit wird jetzt vom Werk mit 125 km/h angegeben, lediglich der Kombi-Wagen läuft auf Grund seiner reichlicheren Untersetzung nicht ganz so schnell.

Der 1-Liter-Motor hat statt der Thermo-Syphon-Kühlung seines Vorgängers eine Wasserpumpe erhalten, die für einen schnelleren Kühlmittelumlauf sorgt. Die Wasserpumpe liegt oberhalb der Lichtmaschine und wird vom gleichen Keilriemen getrieben. Ein Thermostat in der oberen Schlauchverbindung zwischen Motor und Kühler leitet Kühlwasser, je nach Betriebswärme des Motors, über eine Nebenleitung zur Pumpe zurück oder zum Kühler. Thermostat und Wasserpumpe sind auf den Bildern zu sehen.

Parallel zum Kühlwasserkreislauf ist über ein Absperrventil ein Warmwasserheizkörper angeschlossen. Bei geöffnetem Ventil sorgt der Heizkörper schnell für die Erwärmung der Frischluft, die vorn links durch den Kühlergrill einströmt. Eine Verteilerklappe leitet die Heizluft je nach Einstellung zur Windschutzscheibe oder in den Fußraum. Ein Gebläse, das auch zur Ausrüstung der Standard-Limousine gehört, sorgt für raschen Luftdurchsatz. Der Gebläsemotor ist oben auf dem Heizungsgehäuse neben dem Scheibenwischermotor zu sehen. Bei gedrosseltem Wasserabsperrhahn, der an der rechten Seite des Kühlers (in Fahrtrichtung) angebracht ist, strömt durch das Heizungssystem wahlweise Frischluft in das Wageninnere. Sowohl der Wasserhahn wie auch die Verteilerklappe für die Heizluft werden vom Armaturenbrett aus stufenlos bedient. Neben der Tastenreihe in der Mitte des Armaturenbretts wurden zwei Schiebehebel für die Heizungsregulierung angebracht.

Durch die Pumpenumlaufkühlung wird natürlich auch das Wasser im Heizungswärmeaustauscher viel schneller erwärmt als bei der bisherigen Thermo-Syphon-Kühlung, so dass die Heizung schon nach sehr kurzer Warmlaufstrecke die erste Warmluft liefert. Damit dürfte einer der entscheidenden Nachteile der alten Ausführung beseitigt sein. Bekanntlich brauchte die bisherige Heizanlage eine relativ lange Warmlaufstrecke, so dass der Wartburg im Kurzstreckenbetrieb bei strengem Frost meistens mit vereisten Scheiben fuhr.

Die Windflügel des Verteilers bestehen jetzt aus einem perlonartigen Kunststoff, der auch bei hohen Drehzahlen wesentlich weniger Geräusche erzeugt als Aluminium. Zur Dämpfung der Ansauggeräusche wurde der großvolumige Dämpfer mit dem Naßfiltereinsatz hinter den Kühler verlegt. In der langen Schlauchleitung zwischen Dämpfer und Vergaser wurde eine weitere Dämpfungskammer eingeschaltet, die ebenfalls zur Beruhigung der Ansaugluft beiträgt.

Das neue Lenkrad des Wartburgs Typ 312 ist vor allem im Radius des oberen Teils etwas größer geworden. Außerdem stört kein Hupenring mehr, wenn man die Hände einmal auf die Speichen legen will. Die Hupe wird vom kombinierten Blinkschalter bedient, der im Prinzip der Ausführung des Trabant entspricht. Beim Ziehen des Hebels in Richtung Lenkrad spricht in Grundstellung die Tonhupe an. Bei Drehung des Hebels um 90 Grad werden auf halbem Wege die Lichthupenkontakte und bei vollem Durchziehen zusätzlich die Tonhupenkontakte geschlossen. Die Lichthupe ist serienmäßig angeschlossen.

Beim neuen Modell hat auch die Standardausführung gepolsterte Armstützen an den Vordertüren und eine zweite Sonnenblende für den Beifahrer. Das Kofferraumschloß hat einen kleinen Handgriff erhalten, mit dem sich der Kofferdeckel bequemer öffnen lässt. Außerdem sind die Wartburg-Limousinen ab Fertigungstermin 1.1.1962 für fünf Personen zugelassen.

 

/ e—p.

Erschienen in Der Deutsche Straßenverkehr 03/1962

Alle Fotos: Der Deutsche Straßenverkehr 03/1962

 

 

 

 

Autor
Titelbild der DDS 03/1962
Die Wasserpumpe liegt oberhalb der Lichtmaschine und wird vom gleichen Keilriemen angetrieben.
Ein Thermostat in der Schlauchleitung zwischen Kühler und Motor sorgt für rasche Erwärmung
Die Schiebehebel links neben den Lichtschaltern gestatten eine stufenlose Regelung der Heiz- und Frischluft.
Sämtliche Wartburg-Modelle haben ein Heizungsgebläse, das für eine rasche Scheibenentfrostung sorgt. Der Gebläsemotor ist auf dem Heizungsgehäuse montiert. Dahinter ist der Scheibenwischermotor zu sehen. Der Bowdenzug neben dem Heizungsgehäuse betätigt die Verteiterklappe
Das Lenkrad ist größer und griffiger, Hupe und Lichthupe werden mit dem kombinierten Blinkschalter bedient.
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