Pfadnavigation

Urlaub mal anders (Signale 76-97)

Urlaub mal anders (Signale 76-97)

Gespeichert von Stephan am Fr., 04.12.2020 - 20:29
Unser Wartbur gemeinsam mit der Fichtelbergbahn

Urlaub in Zeiten der Pandemie

 In diesem Jahr war alles ein wenig anders. Trotzdem bietet sich unser rostiges Hobby auch zur individuellen Freizeitgestaltung an. Wenn es schon keine Treffen und Messen gibt, können wir wenigstens mit dem Oldtimer in den Urlaub fahren.

Das war zu mindestens unser Plan, als wir im Juli mit Lockdown-Lockerung und vollkommen unklarer Gesamtsituation kurzfristig eine Einladung ins wunderschöne Erzgebirge erhielten.

Mittlerweile fahren wir nur noch zu dritt und der Wartburg bietet jede Menge Platz und Stauraum. Also kein Problem.

Die Fahrt vom Westerwald startete völlig unspektakulär, fand aber ein baldiges Ende, noch bevor die ersten 50 km abgespult waren. Mitten auf der Autobahn gingen plötzlich alle Armaturen aus und auch der Motor stellte sein sonores Brummen plötzlich ein. Mit Glück und schneller Reaktion erreichten wir erst den rechten Fahrstreifen und dann den Standstreifen. Dort holten wir kurz tief Luft und schalteten den „Nato“-Hauptschlüssel im Beifahrerfußraum einfach wieder ein. Ein Fahrgast war nämlich versehentlich an das antike Stück Wartburg-Diebstahlschutz gekommen.

Das erste Problem war damit schnell als gar kein Problem identifiziert und die Reise konnte weitergehen.

Mit ca. 80 km/h lässt es sich auf deutschen Autobahnen wirklich recht entspannt reisen. Mich interessierten die Geschwindigkeitsbegrenzungen und mögliche Blitzer einfach nicht. Auf die zeitliche Kalkulation unseres Navigationsgerätes rechneten wir ca. 6 Minuten/Stunde hinzu und kamen echt entspannt ans Ziel unserer Reise.

Im Erzgebirge selbst reagierten die Verkehrsteilnehmer überwiegend rücksichtsvoll und wohlwollend auf unseren Veteranen.

Eine Gruppe sehr jugendlicher Simsonfahrer grüßte uns sogar einmal sehr enthusiastisch bei einer Begegnung.

An sehr eilige Fahrer und Überholvorgänge vor Kuppen und Kurven ist man ja mittlerweile gewöhnt. Das passiert einem mit Wartburg genauso wie mit jedem modernen Fahrzeug.

Es war ein Vergnügen in unser fast 60 Jahre altes Fahrzeug einzusteigen und mit einem Antippen des Zündschlüssels den Zweitakter zuverlässig losbrummeln zu hören.

Mit Sehenswürdigkeiten und tollen Fotomotiven ist das Erzgebirge reichlich gesegnet.

Auch an Freizeitangeboten für Urlauber mangelt es hier nicht.

Zum Zeitpunkt unserer Reise waren in Sachsen fast alle touristischen Einrichtungen geöffnet, wenn auch mit Einschränkungen.

Ein außergewöhnliches Erlebnis bot uns nur die Stadt Schwarzenberg. Das wunderschöne Städtchen hatte so gut wie alle Geschäfte geschlossen. Die beworbenen Parkplätze für Besucher rund um den Stadtkern waren alle wegen Bauarbeiten geschlossen oder durch Baumaschinen belegt.

Das hübsche Schloß mit Museum durfte jeweils nur von einer Handvoll Menschen besucht werden, obwohl es mehrere Etagen und endlos viele Räume bot.

Alle Attraktionen für Kinder, auf der Homepage beworben, waren nicht vorhanden.

Das bekannte Eisenbahnmuseum hatte geschlossen.

Überall mussten wegen Corona Einschränkungen auferlegt werden.

Fotostopp

Die geschlossenen Geschäfte interessierten uns nur an einem Punkt: Ein Schild auf dem Bürgersteig lud zu einer schnellen Bockwurst im Brötchen ein. Für uns Tagestouristen genau das Richtige. Leider konnten wir im gesamten Umfeld des Schildes weder einen Metzger noch sonst eine Art Verkauf für die angepriesenen Würstchen finden.  Als wir dann endlich den Fleischer gefunden hatten, hatte der über Mittag geschlossen!

Schwarzenberg ist ganz sicher einen Besuch wert. Allerdings erst, wenn wir wieder ein wenig näher am Normalzustand unseres Lebens angekommen sein werden.

Fast schon ein Oldtimertreffen

Insgesamt hat sich unser Wartburg auch auf längerer Strecke wieder bewährt und jede Menge Spaß gemacht. Die Idee, mit dem Oldie in den Urlaub zu reisen war ein voller Erfolg.

Leider blieben wir nicht ganz vom Fehlerteufel verschont. Auf der Heimreise, nur zwei Stunden von Zuhause entfernt, hatten wir unseren ersten Stau. Bei den herrschenden hohen Außentemperaturen, beladen und mit einigen Kilometern auf dem Buckel, war das zu viel. Ein Kühlerschlauch platzte und wir endeten erst im Hotel und anschließend auf dem ADAC-Abschleppdienst.

Zuhause abgeladen, war das Ersatzteil in Minuten montiert und die Panne behoben.

Kein Stress und kein Unglück. Die meisten Fahrzeug, die vorher reichlich am Rand der Autobahn auf Hilfe gewartet hatten, waren Neuwagen…

 

/ Stephan Uske