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Das Museum... (Signale 76-97)

Das Museum... (Signale 76-97)

Gespeichert von Stephan am Fr., 04.12.2020 - 19:43
Die Burg mit ehemaligem Kloster beherbergt heute das Technische Museum Sloweniens

Neben den interessanten Museen am anderen Ende der Welt gibt es auch in Europa einige Automuseen, die abseits der Haupttouristenrouten liegen, aber es dennoch verdienen erwähnt und auch besucht zu werden, so auch in Slowenien.

Die meisten Besucher zieht es in dem kleinen EU-Land zwischen Österreich und dem Balkan in den Nationalpark am Triglav oder natürlich an die Adriaküste. Aber wer einen Abstecher in die beschauliche, kleine Hauptstadt Ljubljana macht, kommt auf der E61 in Bistra vorbei, wo in einem ehemaligen Kloster- und Burgenkomplex das Technische Museum Sloweniens untergebracht ist.

Hier sollte man einen Stopp einlegen. In der sehr weitläufigen Burganlage in einer malerischen Umgebung mit Park, Fischteichen und viel Wald sind auf 6.000 m² Ausstellungsfläche umfangreiche technische Sammlungen untergebracht. Schon vor dem Haupteingang wird man von einer dampfbetriebenen jugoslawischen Straßenwalze aus dem Jahr 1954 begrüßt. 

Die Spannbreite der durchaus sehenswerten Ausstellungen reicht von der Holzverarbeitung über Elektrotechnik, wassergetriebene Getreidemühlen und Schmieden, einer rekonstruierten venezianischen Brettersäge bis hin  zu einer Stellmacherei, einer Hufschmiedewerkstatt und dem Wagenbau. Ausführlich wird an ausgewählten Exponaten die Geschichte der Drucktechnik in Slowenien dargestellt, aber um alles zu sehen, reicht die Zeit nicht aus.

Die umfangreiche Verkehrsabteilung im Eingangsgebäude ist schon sehenswert. Über mehrere Räume sind unterschiedliche Fahrzeuge aus den Vorkriegsepochen aufgereiht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den 1920er und 30er Jahren, und der Facettenreichtum der ausgestellten Typen ist groß. Glücklicherweise dominieren in dieser Zeitepoche nicht die Ford-Modelle, sondern solche Raritäten wie ein großer Fiat 521 fesseln den Blick. Die Auswahl der leider nur schmucklos hintereinander ausgestellten Fahrzeuge erschließt sich einem nicht so richtig, aber offensichtlich sind vorrangig Automobile ausgestellt, die einst in diesen Breiten Südosteuropas verkehrten. Die heute oftmals bemängelte Ähnlichkeit der Autos hinsichtlich Form und Aussehen hat es aber immer schon gegeben. Ein schönes Beispiel dafür bietet ein blauer Praga-Piccolo von 1934 neben einem ebenfalls blauen Fiat-Ardita aus demselben Baujahr. Beide könnten als Geschwister durchgehen, auch wenn der Praga damals als der „tschechische Mercedes“ bezeichnet wurde. Der Fiat ist ihm durchaus ebenbürtig, und auch geleichwertig motorisiert.

Aus Eisenacher Produktion ist ein kleiner BMW 3/15 PS ausgestellt, der in seinem Leben offensichtlich mit mehrfachen Veränderungen fahrbereit gehalten wurde und mit seinem Kühlergrill vom Austin Seven und seinen „Spezialtüren“ schon etwas gewöhnungsbedürftig aussieht. Man könnte ihn vielleicht freundlich als BMW DA 2 mit „Spezialkarosse“ bezeichnen.

Leider ist nur wenig über die ausgestellten Fahrzeuge zu erfahren, außer dem Hinweis, dass wohl ein Großteil eine Leihgabe des Deutschen Technischen Museums Berlin ist. Wenigstens sind die Ausstellungsschilder zweisprachig und damit auch englisch beschriftet, und an einigen Stellen beginnt man auch die Ausstellung mit Arrangements aufzulockern.

Der eigentliche Highlight der Ausstellung, weswegen ich vor einigen Jahren das Technische Museum Bistra besuchte, ist aber die legendäre Fahrzeugsammlung des einstigen jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito.

In einem schmucklosen und ungeheizten Raum strahlen einem plötzlich 15 Luxuswagen entgegen, die der einstige sozialistische Staatschef selbst benutzte, und der Begriff Staatskarossen scheint angebracht. Tito hatte mit seiner Partisanenarmee den Staat Jugoslawien einst geschaffen, und vor allem die Sowjetunion wollte den selbstbewussten Herrscher immer gern in ihren Einflussbereich bringen. So findet sich unter den Nobelkarossen ein legendärer Horch 951 A – Baujahr 1940, den Tito als Geschenk von der Dritten Russischen Armee erhielt, ebenso wie ein amerikanischer Packard aus dem Jahr 1937, den er vom Sowjetdiktator Josef Stalin persönlich geschenkt bekam. Auch Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow umgarnte Tito und schenkte diesem im Jahr 1954 gleich zwei sowjetische Staatslimousinen vom Typ ZIS und ZIL. Diese soll der Autoliebhaber Tito aber kaum benutzt haben, sondern er ließ sich als selbstbewusster Herrscher des Vielvölkerstaates Jugoslawien weiter hofieren, und die Teilrepublik Slowenien schenkte ihrem Staats- und Parteichef einen 1952er Rolls Royce, während die Teilrepublik Kroatien für ihn einen legendären Mercedes SSK aus dem Jahr 1939 finanzieren musste. Als Staatschef leicht abgehoben verstand es aber Marschall Tito in den Jahren des Kalten Krieges zwischen den großen politischen Blöcken zu lavieren und fuhr ab den späten 1960er Jahren als Repräsentant eines sozialistischen Staates nur noch provokativ amerikanische Nobellimousinen von Chevrolet, Chrysler und Buick. Tito liebte seine Autos und trennte sich Zeit seines Lebens nicht von dieser Fahrzeugsammlung, die bis zum Zerfall Jugoslawiens unter strengem Verschluss gehalten wurde. Offensichtlich ist leider immer noch etwas von diesem Zeitgeist erhalten, denn es besteht in den Räumen bis heute ein Verbot diese Fahrzeuge zu fotografieren, und die Beschriftung ist nur auf Slowenisch. Aber mein Besuch ist auch schon ein paar Jahre her, und vielleicht hat sich das inzwischen gebessert. Denn die ausgestellten Fahrzeuge sind es wert, dass der Besucher auch ihre Rahmengeschichten erfährt. Wer weiß heute noch, dass gerade Tito schon in ganz frühen Jahren vom Automobilvirus befallen wurde und ab 1912 als „Einfahrer“ bei Austro-Daimler in Niederösterreich angestellt war und dort sogar Ferdinand Porsche auf einigen berühmten Rennen als Beifahrer begleitete?

Die Fahrzeugausstellung in Bistra ist nicht nur sehenswert, sondern sie könnte auch noch einige Geschichten mehr erzählen.

Das Technische Museum Bistra ist vom März bis November von Dienstag bis Freitag in der Regel von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Im Winter bleibt es geschlossen, weil ein Großteil der Ausstellungräume nicht beheizbar ist.

Der Eintritt beträgt 4,50 € für Erwachsene, und  Kinder, Studenten und Senioren zahlen 3,00 €.

 

/ Matthias Doht

 Alle Fotos: Matthias Doht