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Ein ganz besonderes Jahr (Signale 76-97)

Ein ganz besonderes Jahr (Signale 76-97)

Gespeichert von Stephan am Fr., 04.12.2020 - 20:53
Martins „Genex“-Tourist

Oldtimer-Hobby in der Pandemie

 Liebe Wartburg-Fahrer-Freunde!

 

Das abgelaufene Jahr wird uns wohl in Erinnerung bleiben. Es hat Niemand damit gerechnet, dass ein Virus das gewohnte Leben weltweit verändern würde. Wir werden uns auch darauf einstellen müssen, dass das kommende Jahr ähnlich abläuft.

Es ist daher fraglich, ob es wieder Treffen im gewohnten und mittlerweile sehr vermissten persönlichen Kontakt geben kann. Wenn nicht: Dank moderner Technik gibt es Zusammenschaltungen von Menschen vor ihren Computerbildschirmen. Und wenn es direkt nicht geht, sollten wir uns auf diesem Wege begegnen.

Mir ging da in den letzten Tagen was durch den Kopf: Wenn sich unter uns Jemand findet, der so eine Kommunikationsplattform als Administrator bedienen kann, dann könnte Jeder von uns vielleicht ein Foto von seinem derzeitigen Fahrzeug-Projekt präsentieren oder einen Neuzugang in seiner Sammlung von Zubehör oder Ähnlichem. Vielleicht auch ein Grund, eine aufgeschobene Reparatur auszuführen, um ein Bild vom gelungenen Ergebnis zu präsentieren. Es ließen sich so auch Ausflüge, die man im kleinen Kreis, aber doch mit dem geliebten alten Auto unternimmt, einfach mal darstellen. Das gäbe sicher ausreichend Gesprächsstoff.

Außerdem wäre so auch eine Vereinsversammlung möglich.

Doch hoffen wir, dass es nicht so krass kommt.

Ich hatte im Sommer Besuch! Torsten war an der Ostsee und ist auf ein paar Tage vorbeigekommen. Es gab viel zu erzählen, zu bereden, zu bequatschen. Ich nahm mir Zeit, damit wir einen Ausflug durch die Uckermark machen konnten. Waldspaziergang, Dorfkirchen, Landschaften, altes Schloß im Ort Zichow. Es steht schon seit Jahren zum Verkauf und unter Denkmalschutz. Sogar einen echten Burgturm mit Verlies gibt es dazu. Torsten will es auch nicht haben. Mein Argument, dass er doch genügend Zeit hätte und die Gegend drum rum ganz nett wäre, zog nicht. Seine Freiheit, durch die Welt zu wandern und immer wieder was zu unternehmen, ist ihm wertvoller als alle Schlösser zusammen. Vielleicht sollten wir das Objekt für eine Oldtimer-Rentner WG im Auge behalten. Denn das Gebäude am Eisenbahn-Museum Gramzow ist vergeben. Jürgen und Dirk wissen, was ich meine. Zufrieden kamen wir wieder in Prenzlau an. Mein blauer Wartburg Tourist hatte uns über 100 km gut über die Uckermärkischen Straßen gefahren. Nur eins ist uns passiert: wir alten, vergangenheitsgeprägten Kerle hatten nicht daran gedacht, vor jedem denkwürdigen Örtchen ein Selfie zu machen! Erst Tage später fiel mir das auf. Torsten hat dann auf einer anderen Tour extra einen Abstecher nach Prenzlau für das Garagenbild gemacht. Sylke musste es aufnehmen, da ein Selfie vor lauter Lacherei nicht zustande kam.

Nun ist also die Gelegenheit davon zu erzählen, dass mein blauer Wartburg Tourist seit 10 Jahren Straßenabstinenz mit frischem TÜV wieder unterwegs ist, oder besser war. Im September musste ich mich im Berliner Randgebiet an einem viel befahrenen Kreisverkehr in den Rückstau einreihen und nach einer halben Stunde Halt und stückchenweise Weiter, kurz vor dem Rondell gab es einen Knall und Wasserdampf aus dem Motorraum. Mit Restschwung schaffte ich es auf eine Auffahrt.

Torsten Lukas und Martin Völz beim Garagen-Gespräch.

Mit etwas Unruhe hatte ich schon beobachtet, dass die Motortemperatur stieg. Der Kühler war zerborsten. Vermutlich Zylinderkopfdichtung defekt, dadurch Druck aufs Kühlsystem und Peng!

Erst jetzt ist mir bewusst, dass die Frontkühler aus Alu sind und die Wasserkästen aus Kunststoff. Beides ist miteinander verpresst. An einer Stelle hat diese Verpressung dem Druck nicht mehr Stand gehalten. Leider ließ sich in dem Ort kein Wartburg-Enthusiast finden, der einen Kühler gehabt hätte. Ein Freund hat mich dann mit einem Schlepphänger abgeholt.

Bisher hatte ich aber noch keine Lust, die Reparatur vorzunehmen. Doch davor gab es ein paar schöne Fahrten, wie die mit Torsten, oder einen Ausflug mit Sylke zum Mohnfeld fotografieren.

Auf der Fahrt nervte nur das verdreckte Sieb an der Benzinzufuhr des Jikov-Vergasers.

Aus den für dieses Jahr beabsichtigten langen Reisen ist nun nichts geworden. Dafür passierte etwas Anderes: Entschleunigung. Zeit haben. Längere Spaziergänge. Bücher lesen. Besuche intensiver erleben. Anderes fehlt: Konzert- und Theatererlebnisse. Unbeschwerte Begegnung. Eine schöne Fete feiern. Wirtschaftlich habe ich keine Beeinträchtigungen. Das Bauhandwerk ist nach wie vor gefragt.

Sylke und mir geht es gut. Wir sehen uns vor, so gut es geht. Obwohl es schon Infektionen in unserem Bekanntenkreis gegeben hat.

So wünsche ich Euch allen, dass es niemanden trifft. Seid achtsam, damit es wieder Begegnung in alter, schöner Runde geben kann!

Allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Jahreswechsel. Stärke und Freude für das kommende Jahr.

Es grüßt Euch herzlich, verbunden mit dem Wunsch für Wohlergehen, Euer  

 

/ Martin Völz