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Wiederauferstehung IV (Signale 75-96)

Wiederauferstehung IV (Signale 75-96)

Gespeichert von Stephan am Mo., 14.09.2020 - 17:41
Wer kennt sie nicht: Kunst im Wohnraum. Auch wir haben uns für lange Zeit eine attraktive Skulptur in unserem Wohnzimmer gegönnt. Und spannenderweise entwickelte sich das Werk im Laufe der Zeit immer weiter...

Mittlerweile war die MZ TS 150 schon fünf Monate bei uns zu Hause, als wir im Juli 2017 wieder einen deutlich erkennbaren Fortschritt bei der Restaurierung erzielen konnten. Ganz zum Schluss seiner Reinigung hatte sich der Tank als etwas inkontinent erwiesen. Zum Glück kannte Jochen Graeve einen Spezialisten, der sich die Reparatur nicht nur zutraute, sondern sie auch fachgerecht ausführte. Vielen Dank dafür!

Nun, im Juli kamen der geschweißte Tank und der rechte Seitendeckel, der einen Riss hatte, endlich wieder repariert zurück zu uns. Sofort wurden alle Blechteile verpackt und zum Lackierer geschafft. Ich hoffte sehr, dass das nun mittlerweile einige Monate alte Gesamtangebote noch gültig wäre und hatte auch dieses Mal wieder Glück.

Der nächste große Abschnitt konnte beginnen.

Mittlerweile hatten wir die Räder demontiert. Die Speichen waren total verrostet und wurden gegen neue ersetzt. Zu diesem Thema können ganz viele Leute ganz viel sagen. Haben sie auch. Wir haben uns letztlich für eine Restaurierung  dicht am Original entschieden: Alu-Felgen und Chromspeichen. Die Speichen kauften wir aus deutscher Produktion von Kleeblatt, die einen guten Ruf haben.

Felgen und Radnaben hingegen sollten aufgearbeitet werden. Der Hauptständer auch.

Alle Teile wurden zu einem lokalen Betrieb, der auch Glasperlenstrahlen anbietet, gegeben.

Innerhalb kurzer Zeit und zu einem kleinen Entgelt konnten die Teile wieder abgeholt werden und sahen nun wieder „strahlend“ schön aus.

Die Oberflächen waren wieder sauber und verströmten einen neuwertigen Eindruck.

Leider sah man jetzt noch deutlicher, dass beide Felgen einen Schlag hatten.

Deshalb wurden die gesäuberten Felgen eingelagert und neue gekauft. Natürlich wieder aus Aluminium.

Bis die Räder allerdings fertig waren, sollte es noch viele Monate dauern.

Zwischenzeitlich kümmerten Wir uns um die Montage der anderen gestrahlten Teile: Die Lenkung wurde zusammengebaut. Entsprechend unseren eigenen Vorgaben wurden dazu neue Lager montiert und anschließend die Lenkung. An dieser Stelle muss ich einen Fehlschlag zugeben. Um die Montage des Lenkungskopfes im neuen Lenkungslager zu erleichtern habe ich den Kopf für ein paar Stunden in den Tiefkühlschrank verfrachtet.

Die Montage gestaltete sich auch wirklich recht einfach und angenehm. Leider bildete sich am frisch gestrahlten Metall des frisch aufgetauten und montierten Lenkungskopfes Schwitzwasser und etwas Oberflächenrost.

Das war etwas enttäuschend, da sich das Teil sehr dicht an anderen Teilen der Lenkung und des Rahmens befindet und kaum noch effizient korrigiert werden kann. Vor allem nicht mit Rostreiniger und Lack. Die Lösung sollte ein Reinigungsöl sein.

Ob sich das als dauerhaft gute Idee erweist, wird die Zukunft zeigen müssen.

Der Zusammenbau schritt schnell voran. Die Telegabel wurde zusammengesetzt. Auch hier kam ein Reparatursatz zum Einsatz, der alle Verschleißteile ersetzte.

Hierbei kamen die schwarz lackierten Lampenhalterbleche zum Einsatz. Telegabel und auch die Lampenhalterbleche waren Teile, die unglaublich viel Recherche erforderten. Zur Montage der Telegabel gab es keine echten Informationen. Zwar war es einfach festzustellen, welche Teile dazugehörten, aber in welcher Reihenfolge montiert werden musste blieb unklar. Schließlich half uns hier eine Reparaturanleitung der ETZ 150, die ein Reihenfolge der Teilemontage erahnen ließ. Die Lampenhalter kenne ich sowohl in Rahmenfarbe, als auch in Tankfarbe. Auf Fotos des Werkes, aus den frühen 1980er Jahren überwog die Rahmenfarbe leicht. Wir haben uns dazu entschlossen. Es gibt aber nahezu gleich viele Bilder, mit Lampenhaltern in Tank-Lackierung.

Bei den Restaurierungen ist ebenfalls kein echter Trend zu erkennen.

Überhaupt blieb die Recherche nach Details der aufwändigste und gleichzeitig spannendste Teil der Restaurierung.

Viele Kleinigkeiten mussten aufwändig ermittelt werden. Ein wirklich passendes Beispiel dazu sind u.a. die Massepunkte der TS-Elektrik am Rücklicht. Auf so gut wie keinem Foto war das zu erkennen. Oder die Befestigung des Zündschlosses im Lampentopf. Selbst Museen helfen da nur sehr bedingt weiter. Denn oftmals stehen die Fahrzeuge mit der Front zum Betrachter oder im Hintergrund eines aufwändigen Displays eng zwischen anderen Maschinen. Im Fall des Zündschlosses gab es keine hilfreichen Fotos im Internet und alle Museumsexponate sind i.d.R. schön zusammengeschraubt…

Alle diese Probleme haben wir letztendlich lösen können. Immerhin ist so eine MZ kein Hexenwerk und die Szene unglaublich nett und hilfsbereit.

Aber dazu in späteren Artikeln  mehr und ausführlicher.

Foto:Stephan Uske