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Weniger=mehr - Ein hochaktuelles Rechenexempel (Signale 75-96)

Weniger=mehr - Ein hochaktuelles Rechenexempel (Signale 75-96)

Gespeichert von Stephan am Mo., 14.09.2020 - 17:34
Titelbild der Ausgabe 1975-3

Planmäßig begann am 1. März die Serienfertigung des WARTBURG 353 W. Von dessen Produktion zeigt unser Titelbild einen Ausschnitt. Was in der planmäßigen Eisenacher Automobilproduktion ständig auf der Tagesordnung steht und daß für das 1. Vierteljahr 1975 auch im Blick auf morgen besonders bedeutsam war und ist, skizzieren die SIGNALE-Berichte auf den nächsten beiden Seiten. Außerdem wird in dieser Ausgabe der WARTBURG 353 W mit technischen Bezügen in einen internationalen Rahmen gestellt. Es besteht die Absicht, diese interessante und keineswegs bloß theoretische Darstellung demnächst bei anderem aktuellen Informationsanlaß noch weiter auszubauen und zu kommentieren.

 

Auffallend ist, daß die Verkehrspolizei in letzter Zeit häufiger Geschwindigkeitskontrollen durchführt. Es kann oder muß auch davon ausgegangen werden, daß diese Aktionen, zumal bei dem jetzt erneut angestiegenen Kraftfahrzeugbetrieb, noch verstärkte Fortsetzung finden. Abgezielt wird damit auf zwei Schwerpunktbereiche.

Messungen ergaben, daß etwa jeder sechste Kraftfahrer, auf Autobahnen sogar jeder dritte, die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritt. Aber „unangemessene bzw. überhöhte Geschwindigkeit" ist Hauptunfallursache. Jeder vierte Verkehrsunfall ist darauf zurückzuführen. Um so begreiflicher wird, daß Geschwindigkeitskontrollen — und daß zu schnelle Fahrer „ordnungsrechtlich zur Verantwortung gezogen" werden — ein Teilstück verkehrserzieherischer Maßnahmen sind.

Erhöhte Sicherheit ist jedoch nur der eine Komplex.

Der andere ist, nicht minder zwingend als je zuvor, die Verbrauchsökonomie.

Wirtschaftliches Haushalten mit Energie steht bekanntlich in allen hochentwickelten Industrieländern als brisante Problematik obenan. Auch und erst recht die DDR macht dabei keine Ausnahme. Direkte Einflüsse Fahrtempo/Kraft-stoffverbrauch verdeutlichen Hochrechnungen des Dresdener Instituts für Verkehrssicherheit. Danach entstand allein aus Überschreitungen zulässiger Höchstgeschwindigkeiten, umgerechnet im Republikmaßstab, 1974 ein Jahresverbrauch von zusätzlich etwa 230 Millionen Litern Kraftstoff. Weitere Ökonomie-Faktoren sind die erforderlichen Rohstoffimporte aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet mit geradezu explosiver Kostenentwicklung. Von 1972 zu 1974 stieg der Durchschnittspreis pro Tonne Erdöl auf das Fünffache.

Es kann daher kaum verwundern, daß über Geschwindigkeitskontrollen nun ebenfalls und stärker als bisher ökonomische Belange in den Griff genommen werden.

Tatsächlich wächst der Kraftstoffverbrauch bei höheren Fahrgeschwindigkeiten progressiv an. Das gilt für jedes Automobil. Wie die Verhältnisse konkret für den WARTBURG mit Motor 353.1 aussehen, mag die Grafik vom mittleren Kraftstoffverbrauch in Abhängigkeit vom Fahrtempo veranschaulichen. Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn um 20 km/h kostet — abgesehen u. U. von empfindlichen Strafen, wenigstens für bestimmte Zeit — zusätzlich über 2 Liter Kraftstoff je 100 km.

Aber es geht ja letztlich nicht nur um die persönliche Kasse.

Denn weniger Fahrtempo, das korrekte Ein-halten der Geschwindigkeitslimits bringt auch ein beträchtliches Mehr im gesamten Volkswirtschaftshaus-halt.