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So kann es gehen

So kann es gehen

Gespeichert von Stephan am Mo., 14.09.2020 - 17:47
Ankunft im Schnee nach einer langen Tour auf der Achse eines offenen Autotransporters. So sehen (teure) "Einzeltransporte" im "geschlossenen Hänger" bei genauerem Hinsehen also aus!

Oder: So teuer wird Schrott gemacht!

Unser Wartburg „Oma“ ist ein Spaßfahrzeug. Kein Note-1-Stehrumchen fürs Museum, sondern ein echtes Automobil—beweglich auf eigenen Rädern.

Dadurch leidet natürlich die Substanz und Erhaltungsmaßnahmen werden unumgänglich.

Da wir längst nicht alle organisatorischen, technischen und handwerklichen Voraussetzungen für solche Reparaturen du Verbesserungen erfüllen, haben wir uns dazu entschieden, die Oma nach Sachsen zu schicken und dort aufarbeiten zu lassen.

Brav haben wir uns in die Warteliste eines kleinen Hobbyschraubers eingetragen, der uns mit Rat, Tat und Equipment zur Seite stehen wollte.

Endlich war es soweit und unser Wartburg sollte in den Wellness-Urlaub vereisen.

Da der Urlaub bekanntermaßen schon mit der Anreise beginnt, es mittlerweile echter Winter (so richtig mit Kalt und Schnee) geworden war, entschieden Dirk und ich uns für einen Transport per Spedition.

Der Preis war echt happig, das Timing sportlich und doch waren wir einverstanden. Der versprochene, geschlossene Einzeltransporthänger holte unser Auto ab. Wir zahlten und los ging der Transport nach Chemnitz.

Oder etwa doch nicht?

Erst mit mehrtägiger Verspätung kam unser Wartburg endlich in Chemnitz an.

Wie groß war aber unser Erstaunen, dass Oma auf einem großen Lkw und auch noch offen unterwegs gewesen war! Keine Spur mehr vom geschlossenen Einzeltransporter und auch keine Rede.

Der Fahrer lud schnell im Dunklen ab  und brauste zum nächsten Kunden davon.

Als Olav und Benny das eben gelieferte Stückgut in die Garage geschafft hatten und im Licht der Neonröhre betrachteten, kam schnell echter Ärger auf.

Natürlich hatten Wetter Salz und ewig langer Transport dem alten Fahrzeug zugesetzt. Zusätzlich hatte uns die Spedition mit einer Vielzahl von Schrammen und Beulen bedacht. Wir waren echt sauer!

Olav handelte schnell und begrüßte unser Eisenacher Schätzchen mit einer gründlichen Rundumdusche.

Wir sind Olav und Benni heute noch unendlich dankbar für ihre schnelle und gründliche Hilfe.

Im weiteren Verlauf wurden die Schäden inspiziert.

Am meisten vielen Beule und Kratzer am Spritzblech unter der vorderen Stoßstange auf und eine verbeulte Radkappe.

Entsprechende Reklamationen beim Spediteur waren ebenso unerfreulich wie ergebnislos.

Getreu dem Motto: „Was ich nicht mehr weiß, bin ich auch nicht gewesen!“, waren dem Speditionsunternehmen auf gar keinen Fall Art des Transports und Beschädigung des Transportguts erinnerlich. Wir hätten unmittelbar vor Ort, beim Abladen reklamieren müssen…

Nun ja, dann hätten wir das Auto auch gleich selbst fahren können. Aber wer wird denn da so kleinlich sein? Vor allem, wenn man dabei auf dem Schaden sitzen bleibt.

Oldtimer-Besitzer sind ja allgemein bekannt dafür, besonders pingelig* bei anderen zu sein und insbesondere Besitzer von Ostschrott wollen sich diesen ja ganz bestimmt nur auf Kosten unschuldiger Dritter vergolden lassen.

Wieder etwas gelernt!

Fachmännisch wurde unser Wartburg nun durch unser fleißiges Helferteam vor Ort weiter untersucht und zerlegt.

Motor und Getriebe kamen raus und auch sonst wurde Oma gründlich untersucht.

Die anschließende Aufarbeitung ließ auch die unangenehmen Erinnerungen an den Transport und alle weitere Problemzonen unseres Wartburgs in Vergessenheit geraten.

Aber dazu an anderer Stelle mehr.

 

 Fotos: Olav Siegert

*pingelig: (Duden: Adjektiv) rheinisch, westniederdeutsche Nebenform von peinlich