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Filmabend (Signale 75-96)

Filmabend (Signale 75-96)

Gespeichert von Stephan am Mo., 14.09.2020 - 17:44
Auch so kann eine Garage genutzt werden: Als privater Vorführraum. Statt Popcorn werden hier historische Filmschätze „serviert“.

Das Automobilwerk Eisenach kümmerte sich auch um die Dokumentation wichtiger Ereignisse per Bild und auch per Film.

Auf 8mm, 16mm, 35mm Filmen und auch auf Videokassetten und Tonbändern liegt der Stiftung Automobile Welt Eisenach ein Schatz vor, der um weiteres Material aus dem Nachlass von Michael Stück ergänzt wird.

Die Wintermonate 2019/2020 verbrachte Enrico Martin, vom Allgemeinen Wartburgfahrerclub Eisenach (AWE) in seiner Garage. Dort nämlich hat er sich mit seinem Tesla „gemütlich“ eingerichtet. Enrico und Tesla? Na gut, es handelt sich hierbei keinesfalls um ein Kraftfahrzeug von Elon Musk, sondern vielmehr um einen Filmprojektor „Tesla Meopta“! (Entschuldigung, aber ich konnte einfach nicht widerstehen.)

Meopta ist ein alteingesessener tschechischer Hersteller von Kameras und Filmprojektoren, der in den Zeiten des Kalten Krieges überwiegend für das Militär des Warschauer Paktes produzierte.

Mit diesem Equipment filmt Enrico jeden Abend, nach Einbruch der Dunkelheit den Filmschatz des VEB AWE in HD-Qualität ab.

Die Filme sind u.a. Lehrvideos für Servicetechniker, Dokumentationen wichtiger Ereignisse, wie der Besuch eines Ministers, oder aber auch von Sportevents.

Auch ein Film über die Transafrika-Expedition des Wartburg 311 aus den 1950er Jahren ist mit dabei.

Natürlich dürfen auch Themen des DDR-Alltags nicht fehlen. Darunter auch ein Film über eine Übung der Kampfgruppe des VEB AWE oder über die Produktion des Wartburg.

Zum Zeitpunkt, als dieser Text entsteht, hat Enrico schon 200 Projekte aus dem 600 Rollen großen Konvolut an 16mm-Filmen abgearbeitet.

Häufig wurde das Bildmaterial eines Filmes mehrfach verwendet und mit anderem Ton in verschiedene Sprachen transponiert.

So gibt es Wartungsanleitungen des Werkes in Schwedisch, Dänisch, Finnisch, Spanisch oder auch Ungarisch u.v.m..

Wie Enrico der Thüringer Allgemeinen im Januar berichtete, fand sich sogar ein Film mit dem durchaus verheißungsvollen Titel „Verbotener Film“ unter den unzähligen Dosen.

Leider hält der Inhalt nicht, was der Titel zu versprechen scheint. Statt streng geheimer Aufnahmen von ungenehmigten Fahrzeugentwicklungen zeigt der Film, wie richtig gemessen wird.

Wozu ist der ganze Aufwand aber eigentlich gut?

Zum einen, um den Erhalt des historischen Materials abzusichern. Die Filme sind viele Jahrzehnte alte. Zum Anderen, um heutigen Nutzern einen Zugang zu den Inhalten mit aktuellen technischen Möglichkeiten zu erlauben. Wer hat sonst noch einen der raren und mittlerweile echt nicht ganz billigen Projektoren zu Hause stehen? Aber auch für Forschung und Dokumentation sind diese Filme von außerordentlicher Bedeutung.

Enrico hat bereits klare Vorstellungen: Die Filme können im Rahmen von öffentlichen Vorführungen gezeigt werden, teilweise als DVD verkauft werden, um damit das Museum und die Stiftung als dessen Träger in der Arbeit zu unterstützen und auch die fremdsprachigen Filme sind ein willkommenes Präsent für die vielen Aktiven im Ausland, die sich unermüdlich für und um den Wartburg engagieren.

Wir können uns also jetzt schon freuen.