Schwere Geburt (Signale 73-94)

Hommage an einen 30jährigen: Für Menschen markiert dieses Alter die aktive und selbstgestaltete Phase des Lebens. Bei Kraftfahrzeugen ist es der Eintritt ins Rentenalter und die Oldtimer-Weihen...

30 Jahre Wartburg 1.3 - Wir gratulieren

Der Wartburg 1.3 war, ist und bleibt ein besonderer Meilenstein des Automobilbaus in Eisenach. Zu schwer wog die Enttäuschung, die der erste Viertakt-Wartburg seit Mitter der 1950er Jahre bei den Kunden aus vielen Gründen auslöste.

Wartburg 1.3 im unrestaurierten FundzustandZu sehr ist er mit dem endgültigen Ende der aktiven Produktion des drittältesten Automobilfabrikanten nach Daimler und Benz in Deutschland verbunden.

Ungeliebt und verachtet blieb er ein Ladenhüter neben der neuen Vielfalt westeuropäischer und asiatischer Fahrzeuge nach der politischen Wende. Viel zu sehr haben ihm die Abgasanforderungen und entsprechende Kfz-Besteuerung zu schaffen gemacht. Und letztlich wurden die wenigen aktiven Fahrzeuge einfach nur heruntergeritten.

Sein Start, sein „Leben“ und sein Image sind also eher schlecht. Und doch gibt es unendlich viele Gründe, sich über den Geburtstag dieses Modells riesig zu freuen.

Klar, dass wir diesen Geburtstag zum Thema unseres Techno Classica Standes 2018 machen wollten.

Doch wie könnte so eine Würdigung aussehen?

Schnell war klar: Wir schmeißen dem 1.3er eine zünftige Party! Für Partystimmung brauchten wir Wimpel, Konfetti und dergleichen mehr. Doch reicht das?

Michael Bluhm stellte die alles entscheidende Frage: „Was wünscht sich der Wartburg 1.3 zum Geburtstag?“.

Das klang erstmal etwas blöd, traf das Thema aber im Kern.

Was wünscht sich ein Wartburg 1.3 zum Geburtstag?Wir würden den Messestand mit den drei Karosserievarianten des Wartburg 1.3 - Limousine, Tourist und Pick-Up bestücken und mit zeitgenössischen Accessoires dekorieren!

Michael hatte jedoch nicht nur die Frage zur Standgestaltung formuliert, er hatte gleich auch noch jede Menge Ideen, welche Geschenke sich der Wartburg „wünschen“ könnte und woher wir diese bekommen könnten.

Da waren Irmscher-Felgen und Sportsitze, Nebelscheinwerfer und Autoradio, Reparaturwerkzeuge, ein Dachgepäckträger und weiteres interessantes Zubehör zu besorgen.

In unseren Telefonkonferenzen zur Vorbereitung wurde ein Satz von Frank Weusthoff zum geflügelten Wort: „Das habe ich auch noch irgendwo zu liegen…!“.

Am Ende erhielt unser Geburtstagskind eine übervolle Tafel mit Geschenken, zu denen auch ein echter HP-“Klaufix“-Anhänger gehörte.

Gute Laune beim AufbauDie Fahrzeuge stellte uns Frank Schwardtmann zur Verfügung. Jochen Graeve unternahm, trotz anhaltender Infektwelle, jede Anstrengung und holte uns die Limousine und den Kombi aus Schwanewede. Leider war es unmöglich auch noch den Pick-Up auf diesem Wege zu besorgen. Wir mussten umdisponieren. Armin Dohle stellte uns einen Wartburg 1.3 Limousine im unrestaurierten Fundzustand zur Verfügung. Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob und wie dieses Fahrzeug zu unserem Stand passen würde. Letztlich war aber der Kontrast zwischen den perfekten Fahrzeugen von Frank und dem Restaurierungsobjekt ein willkommener Hinweis an alle Besucher. Viele von denen sehen nur den Kaufpreis aus irgendwelchen Listen von Oldtimer Markt und anderen Anbietern. Oft ist denen unklar, dass Note 1 Fahrzeuge eben nicht zu so niedrigen Preisen erhältlich sind, weil nur wirkliche Enthusiasten sich an den Aufbau ehemalige Brot– und Butterautos (nicht nur aus der DDR) trauen. Diese Mühe und die damit verbundenen Kosten stehen in keiner Preisliste. Wer also einen toll restaurierten Wartburg fahren will, muss mit einem Fahrzeug wie Armins anfangen und mit viel Geduld und Hingabe und einigem Investment ein Note 1 Fahrzeug erschaffen, dass er dann sicher nicht zum Listenpreis hergeben mag…

Eine der größten Schwierigkeiten der Techno Classica Essen ist mehr und mehr das Personal.

Schon für die Telefonkonferenzen der Vorbereitungszeit nehmen sich nur die Allerwenigsten ein paar Minuten Zeit. Noch schlimmer sieht es dann beim Aufbau und der Standbetreuung aus!

In diesem Jahr waren am Aufbausamstag nur Dirk Köhne, Jonas Richter und Stephan Uske vor Ort. Während Jochen die Fahrzeuge zur Messe brachte. Leider musste Dirk uns ab Mittag verlassen und wir standen letztendlich zu Zweit auf dem leeren Stand.

Seit den vielen Jahren, die ich mich für unseren Messeauftritt engagiere, ist das nun schon das zweite Mal, dass das passiert. Sonst war es immer knapp, doch letztlich hatten wir immer genügend Hände vor Ort.

Der Standaufbau der Techno Classica 2018 war in jedem Fall das letzte Mal, dass mir das passiert ist!

Sollte sich die Organisation und Umsetzung der TCE 2019 auch nur annähernd so zäh und enttäuschend gestalten, werde ich mein Engagement noch vor Beginn der Messe vollkommen einstellen! Wenn ich zur TC will, kann ich mir auch mal für einen Tag ein Ticket kaufen und schau mir an, was andere tun.

Ganz sicher fühlen sich jetzt wieder die Falschen angesprochen. Ich meine nicht diejenigen, die sich seit Jahren immer wieder einbringen und mal ausnahmsweise nicht können. Ich meine nicht diejenigen, die um die TC-Präsentation herum eine unglaubliche Arbeit leisten, um unsere Messeträume wahr werden zu lassen.

Gemeint sind auch nicht die vielen Helfer, die in jedem Jahr beim Abbau mit anpacken oder uns Auswärtigen ein Obdach geben.

Doch wenn aus dem ganzen Verein nur noch ein paar Hanseln die Messe stemmen sollen, ist die Grenze des Zumutbaren absolut überschritten.

Zur Erinnerung: Wir haben fast alle Familie und Beruf und Urlaub ist uns allen kostbar. Zu unterstellen, das wäre bei anderen nicht so, wäre ganz bestimmt unangemessen.

Falls sich keine Mehrheit mehr für unseren Stand auf der TC interessiert, finde ich das vollkommen ok. Nur dann sagt es doch bitte vorher und wir können es direkt von Anfang an lassen!

Ein normaler Sonntagnachmittag während des Messeaufbaus...Vorher bedeutet spätestens im August vor der nächsten Messe, denn im September müssen wir uns anmelden und viele Fahrzeuge, die Logistik und Ideenfindung etc. erfordern einen enormen Zeitaufwand.

Wir sollten unbedingt einmal ehrlich miteinander sprechen und ganz klar sagen, ob wir uns in Essen weiterhin engagieren wollen und wenn ja, wer zu welchen Aktionen bereit und in der Lage ist.

Aus meiner Sicht wäre das fair.

Auch in diesem Jahr hat es mit unserem Messestand mal wieder geklappt. Es war knapp, es war nervenaufreibend und es war anstrengend. Vor allem aber war es ein Erfolg.

Die Besucher haben sich sehr für unser Thema interessiert und wir mussten und konnten wieder viele Fragen beantworten.

Aus Sicht der Club Jury war unser Stand zu aufgeräumt. Das war uns von Vornherein klar und deshalb konnten wir auch gar nicht enttäuscht darüber sein, dass wir in diesem Jahr zwar immerhin wieder unter den ersten 20 waren, aber in dieser Gruppe nicht zu weit vorn mitspielen konnten.

Der Abbau verlief in diesem Jahr wieder sehr harmonisch und friedlich. Leider dauerte er sehr lange.

Durch den schrittweisen Abbau stand für das Obergeschoß nur noch ein einziger Aufzug bereit. Aber der hielt zu mindestens durch und irgendwann waren wir alle wieder auf dem Heimweg.

Noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an alle Helfer in allen Stufen der Messevorbereitung und Durchführung.

Trotz Stress und Enttäuschung ein schönes Erlebnis - diese Techno Classica 2018 in Essen!

 


Alle Fotos: Stephan Uske