Wer war Hans Wax? (Signale 72-93)

Hans Wax in einem seiner Boote (Foto: Screenshot Spiegel-TV)

Genialer Tüftler und Mann fürs Grobe

Auch fast 30 Jahre nach der politischen Wende und dem Zusammenbruch der DDR begegnen uns immer wieder unbekannte und interessante Geschichten aus der Lebenszeit des „sozialistischen Staates auf deutschem Boden“ (Original-Slogan).

So auch die Geschichte um den Kunststoffversuchswagen DDR, der auf den vorigen beiden Seiten abgebildet ist.

Unmittelbar nach der Wende verschrottet und schon fast vergessen ist die Geschichte dieses einmaligen Zeitzeugen und seines Schöpfers doch ziemlich interessant.

Das Internet, sonst eine stet Quelle der Information, hält sich zu Hans Wax recht bedeckt. Erst wenn man weiß, dass Wax sich stark im Bootsbau engagierte, wird man fündig. Wax-Boote sind heute noch immer beliebt und begehrte Handelsware auf Internet-Plattformen.

Zur Person Hans Wax äußern sich Spiegel-TV in einer Reportage, Lothar Tybl in einer Geschichte in seinem Band „Teupitzer Miniaturen“ und die Webseite Wechselseitig.info.

 

Das was man da erfährt ist der Stoff aus dem die Krimis des Kalten Krieges gemacht waren:

Überläufer, Stasi-Agent und Unternehmer. So scheint sich das Leben des Hans Wax kurz zusammen fassen zu lassen.

Demnach wurde Hans Wax am 30.06.1927 Beumarais geboren und starb am 11.11.1984 in Berlin an den Folgen eines Bronchialkarzinoms.

Zum Auto und seiner Technik fand Wax in der Motorenschule der Reichsjugendführung, beim Panzerjagdkommando und bei der SS.

Wegen mehrerer Einbrüche, sowie Schwarzmarktgeschäften landete er nach dem Krieg im Gefängnis.

Nach seiner Entlassung wird er Unternehmer in West-Berlin.

Seit 1954 ist er als Informeller Mitarbeiter „Donner“ im Dienst des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS).

„Hans Wax alias GM „Donner“. „Donner“ wird vor allem für „heisse Massnahmen“ eingesetzt: Sabotage mit Sprengstoffen, Entführungen, Schleusungen. Wax macht sein Job Spaß.“ (BStU, MfS, AIM 11599/85 I Bd. 2, Bl. 169)

1955 entführt Hans Wax einen dänischen Agenten in die DDR. Der wird dort zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

1956 stahl er zwei Tresore des amerikanischen Geheimdienstes und schaffte sie in die DDR. Daraus machte die DEFA sogar den Agententhriller „For Eyes Only“.

Nur zwei Jahre später sprengt er in Sprendlingen in Rheinland-Pfalz einen Radiosender in die Luft, der von sowjetischen Emigranten betrieben wurde.

Unmittelbar vor dem Bau der innerdeutschen Grenze wird Wax, auf Betreiben der Stasi, in die DDR übergesiedelt.

In Ost-Berlin gründet er, mit Hilfe und finanzieller Unterstützung des MfS, erneut ein Unternehmen. Dieses Unternehmen modifiziert Kraftfahrzeuge für die Bedürfnisse der Stasi und gleichzeitig werden Kunststoffe für den Bau von Booten und Kfz-Karossen entwickelt.

Wikipedia verzeichnet die Existenz eines Westberliner Auto-Herstellers namens „Auto-Wax“ für die Jahre 1961 und 1962. Dieses Unternehmen hatte sienen Sitz in Berlin-Charlottenburg und stellte eigene Fahrzeuge unter dem Namen Wax oder Wax-Alfa her. Dabei handelte es sich um Modifikationen zum Cabrio oder Coupé auf Basis des um 10 cm verkürzten Fahrgestells der Alfa Romeo Giulietta. Die Karosserie n bestanden aus Kunststoff. Darunter sogar Entwürfe von Luigi Colani.

Fahrzeuge dieses Typs sollen durch Rennfahrer wie Wilhelm Heckel und Herber Schulze auch auf der AVUS bei Autorennen eingesetzt worden sein.

Das DDR-Unternehmen entwickelte sich prächtig und hatte bals 70 Mitarbeiter, denen Wax überdurchschnittlich hohe Löhne zahlte.

Negative Bilanzen soll das MfS ausgeglichen haben. Allerdings wird zunehmend klarer, dass Wax nicht in das sozialistische Wirtschaftsgefüge passt.

Im Jahr 1970 wird sein Betrieb enteignet und ins Volkseigentum überführt.

Für kurze Zeit verbleibt Hans Wax noch als technischer Leiter im ehemals eigenen Betrieb.

Um seinen gesunkenen Stern wieder mit etwas Glanz zu versehen raubt Hans Wax 1972 einen Computer, angeblich mit Daten des israelischen Geheimdienstes, und bringt ihn in die DDR.

Statt Geld und Lob erwarten ihn aber fast zwei Jahre Gefängnis uns Unterbringung in der Psychiatrie. Er wird krank und mittlerweile observieren ihn seine ehemaligen Freunde der Stasi selbst.

Trotzdem bezieht er bis zu seinem Tod eine Ehrenrente des MfS und erhält auch noch ein weiteres Mal Unterstützung bei der Gründung eines neuen Unternehmens in Tornow.

Seine Firma „Kunststoff-Technik-Tornow“ repariert  Boote und stellt Schirme für Radargeräte her.

Außerdem stellte er Spoiler für Lkw, Radverkleidungen für Agrarflugzeuge und auch die DDR-Embleme für die Staatsgrenze her.

Nur sehr unregelmäßig zahlt er Steuern.

1975 wurde Wax von seiner ersten Ehefrau, die noch immer in Westberlin lebte, geschieden. 1977 heiratet er zum zweiten Mal.

Wax hätte gern weiterhin als aktiver Agent des MfS gearbeitet und u.a. Sabotatgeakte ausgeführt. Außerdem hätte er gern Produkte für die NVA oder das MfS entwickelt.

Er empfand sich selbst als ein verkanntes Genie in der Kunststoffverarbeitung.

Auch die Drohung, er könne einen Antrag auf Ausreise aus der DDR stellen, stimmt die Genossen der Stasi nicht mehr um. Sie haben keine Verwendung mehr für ihn. Unter anderem wegen seiner Steuerschulden wird auch dieser Betrieb 1983 aufgelöst.

Der geplante Umzug des Betriebes nach Mecklenburg wurde wegen der Erkrankung des Inhabers nicht mehr realisiert.

Bei seinen ehemaligen Mitarbeiter galt Hans Wax als Arbeitstier und Allroundtalent. Wegen seinem Umgang mit den Mitarbeitern, den langen Arbeitszeiten und der gesundheitsschädlichen Kunststoffverarbeitung soll die Fluktuation jedoch sehr hoch gewesen sein.

Als Wax 1984 starb wurde seine Krankheit seinem exzessiven Konsum von Kaffee und Zigaretten und seinem Arbeitspensum zugeschrieben. Die Stasi schloss das Unternehmen endgültig und plante es zu einem Erholungsheim umzubauen.

Bis zur politischen Wende 1989 war dieser Umbau nicht fertig gestellt worden.


 

Quellen (externe Seiten):

SpiegelTV-Reportage: https://www.youtube.com/watch?v=ABJoGRyymKY

Wechselseitig: http://wechselseitig.info/de/ausstellung/biografien/hans-wax/

Lothar Tybl: http://www.oldieboote.de/navigation/boote-werften/deutschland/ddr/wax.html

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Auto-Wax