Das Museum... (Signale 70-91)

Das Detroit Historical Museum/ Michigan

...am anderen Ende der Welt - Das Detroit Historical Museum/ Michigan

In der Rubrik „Das Museum am anderen Ende der Welt“ stellen wir  interessante Museen vor, die sicherlich noch nicht Jeder besichtigen konnte. Einfach weil sie eben nicht ganz so einfach zu erreichen sind.

 

Dieses Mal verschlägt es uns wieder in die USA nach Detroit in Michigan.

Das bereits 1928 eröffnete Detroit Historical Museum ist nun nicht unbedingt ein Automobilmuseum. Vielmehr beschäftigt es sich mit der Geschichte der, um 1700 herum auf einer faustdicken Lüge gegründeten, Stadt Detroit.

Mit nur noch ca. 670.000 Einwohnern, die zu weit über 90% aus Afroamerikanern bestehen, ist Detroit nicht nur die größte Stadt im Staat Michigan, sondern auch die größte Afroamerikanische Community in den USA.

 

Leider ist Detroit auch seit Jahrzehnten die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate in den Staaten. Es vergeht kein Tag ohne Mord. Selbst für US-Verhältnis ist die Kriminalität hier sehr hoch. Sie liegt mehr als 10% über dem nationalen Durchschnitt. Ebenso unrühmlich ist die Geschichte der Stadt in Bezug auf ihre Finanzsituation.

 

Allerdings lässt sich die Geschichte dieser Stadt nur schwer erzählen, ohne den Bau von Eisenbahnwaggons, Schiffen und eben Automobilen zu erwähnen.

 

Das Detroit Historical Museum begeistert durch seine authentischen Displays der alten Straßen von Detroit genauso, wie mit seiner Ausstellung über die Sklavenrouten ins nahegelegene Kanada.

 

Für Automobilisten indes ist die Ausstellung zur Motor City oder auch Motown (Motor & Town) besonders interessant.

Eben jenen Ruf erhielt Detroit in nur wenigen Jahren zwischen 1920 und 1950.

 

Mehr durch Zufall fanden sich in und um die Stadt mehrere Pioniere des Automobilismus und verhalfen dem Ort zu seinem späteren Ruhm.

Sichtbar wurde das am 06. März 1896, als der 28 Jahre alte Ingenieur und Unternehmer Charles Brady King sein erstes selbstangetriebenes Vehikel die berühmte Woodward Avenue hinunter steuerte.

An eben jener Straße befindet sich übrigens heute auch das Detroit Historical Museum.

 

Diese Fahrt gilt heute als die erste Tour eines Motorfahrzeugs durch Detroit. Interessant daran ist zweierlei: zum ersten handelt es sich bei Kings Auto eher um eine Art Nutzfahrzeug. Sein Auto entsprach nicht dem damaligen Trend zur Motorisierung von Kutschen, sondern war ganz klar auf der Basis eines Lastenfuhrwerks entstanden. Zweitens verfügte Kings Auto nicht über die damals üblichen Ein– oder Zweizylinder-Motoren, sondern wurde durch einen Vierzylinder-Motor angetrieben.

 

King gilt heute als erster Mensch in Detroit, der ein Auto entwickelt, gebaut und gefahren hat.

Außerdem war er auch der erste Einwohner der Stadt, der ein fertiges Kraftfahrzeug verkaufen konnte.

 

Damit war er zwar nicht der erste Mensch der Welt mit einem Auto, auch nicht der erste Amerikaner, aber er wurde ein wichtiger Mentor für Henry Ford und Ransom E. Olds.

 

An Ford kommt man natürlich auch in diesem Museum nur schwer vorbei. Aber andere Exponate sind hier deutlich interessanter: So wurde 1995 ein funktionstüchtiger Teil einer Assembly Line aus dem Cadillac-Werk Clark Street in das Museum überführt und demonstriert den technologischen Sprung in der automatisierten Verbindung von Fahrwerk und Karosse (Hochzeit) in nur wenigen Sekunden. Seit 1901 hatte sich nicht viel verändert in der Art, wie Autos in den Werken montiert wurden. Mit hohem menschlichen Kraftaufwand wurden die Karossen auf die Fahrgestelle gesetzt. Erst die automatisierte Hochzeit machte diese Knochenjobs überflüssig und erhöhte die Durchlaufzeiten auf den Bändern dramatisch. Nur noch zwei Arbeiter steuerten diesen Prozess: Einer bediente den Kran, ein zweiter verschraubte die Karosse.

 

Alle 30 Minuten wird dieser Vorgang anschaulich präsentiert. Dann nämlich senkte sich das beeindruckend große Häuschen eines Cadillac auf ein zugehöriges Fahrgestell. Nach wenigen Sekunden ist der Vorgang beendet und der Kran verschwindet mit der Karosse wieder unter der Decke der Halle.

Diese Linie wurde ab 1950 bis zur Schließung des Werkes 1987 eingesetzt und half maßgeblich bei der Produktion von 767 Fahrzeugen pro Tag.

 

Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist das „Bi-Autogo“ von James Scripps Booth. Dieses, 1913 fertiggestellte, Fahrzeug ist eine Mischung aus Automobil und Motorrad.

Es wurde eigentlich nicht für den Verkauf, sondern als Showcar konzipiert. Auf der New Yorker Automobile Show 1912 sollte es debütieren. Leider wurde es nicht rechtzeitig fertig und konnte erst im darauffolgenden Jahr präsentiert werden.

Das Interesse war überwältigend und viele Bestellungen für das Fahrzeug gingen ein. Sein Konstrukteur jedoch ließ den Entwurf fallen und wendete sich der Konstruktion konventionellerer Kraftfahrzeuge zu.

Das Bi-Autogo ist das erste Kraftfahrzeug Detroits mit einem V8-Motor und damit der Urvater aller späteren Bigblocks.

Es ist das erste Hybridfahrzeug aus Pkw und Motorrad der Welt.

Sein schwerer Motor und die ebenfalls schwere Konstruktion von Rahmen und Karosse machten zwei Hilfsräder links und rechts neben der Karosseriemitte notwendig. Diese Räder mussten manuell ein– und ausgefahren werden, um ein Umkippen des Fahrzeugs zu verhindern.

Der Fahrer saß vorn mittig und die Passagiere links und rechts von ihm leicht nach hinten versetzt.

 

Sehr interessant - wenn auch nicht unmittelbar mit dem Automobil verbunden - sind auch die anderen Ausstellungsbereiche des Museums. Vor allem der Gang durch die liebevoll nachgebauten „Straßen von Detroit“ lässt die Besucher in die Entstehungsgeschichte dieser

Stadt eintauchen.

Diese Zeitreise beginnt im 20. Jahrhundert und endet in der Gründungszeit der Stadt um 1700.

 

Doch auch die Ausstellungsbereiche zu den Erfinderinnen und Erfindern Detroits, den Fluchtwegen der Südstaaten-Sklaven und zu den Lebensbedingungen währen des 2. Weltkriegs sind sehr gut gestalten und auf jeden Fall spannend.

 

Das Detroit Historical Museum liegt in der 5401 Woodward Avenue in Detroit (Michigan) und ist Dienstag bis Freitag von 09:30 - 16:00 Uhr und am Wochenende von 10:00 - 17:00 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei.

http://detroithistorical.org