Herzlichen Glückwunsch! (Signale 70-91)

Wartburg 353 S Tourist med HD; Frühjahr 1992, kurz nach dem Kauf  - Foto: Dirk Köhne

Am 20.04.2017 feierte mein „med“ seinen 28. Geburtstag

Nach vielen Jahren, in denen ich einen Wartburg med mein Eigen nennen darf, habe ich es jetzt wohl endlich geschafft, ihn detailgenau zu beschreiben! Nun möchte ich ihn euch vorstellen. Auch wenn viele von euch ihn schon kennen…

 

Wie aus diesen Daten unschwer zu erkennen ist, handelt es sich bei der Ausführung med nicht um besondere Fahrzeuge bezüglich der Leistung und technischen Ausrüstung. Die technischen Daten sind mit Serienfahrzeugen, die in den privaten Gebrauch kamen, gleich. Die erzielbare, tatsächliche Höchstgeschwindigkeit und die spontane Gasannahme dieses 353 führe ich auf das Einfahrverhalten der Erstnutzer zurück.

 

Einzige Veränderung des 353 S med HD zum Serien 353 S ist, dass die Mittelschaltung entfallen musste und hier eine Lenkradschaltung verbaut wurde. (Warum dies so ist, wird später beschreiben.)

 

Die Beilage zur Betriebsanleitung Wartburg 353 med erklärt den med wie folgt:

„Der Wartburg med wurde entwickelt, um im Gesundheitswesen einen Beitrag zur Erhöhung der medizinischen Grundbetreuung der Bevölkerung zu erreichen. Es wurden zwei Modifikationen der Ausführung med entwickelt. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, dass die Modifikation schnelle medizinische Hilfe (SMH) mit akustischem Sondersignal, Blaulicht und umfangreicher medizinischer Ausrüstung und die Modifikation Hausbesuchsdienst (HD) ohne Sondersignale und mit variierter medizinischer Ausrüstung ausgeführt wurde.“

 

„Die medizinischen Einsatzgebiete des med sind (bspw.):

· dringender medizinischer Hausbesuchsdienst mit vorrangiger Versorgung am Einsatzort.

· ärztliche Patientenversorgung auch während der Fahrt zur Erhaltung lebenswichtiger Funktionen (Sauerstoffzufuhr, Infusionen).

· Mitnahme von zwei sitzenden oder einem liegenden Patienten zur stationären Behandlung (bei ärztlicher Begleitung, bzw. Betreuung) bei besonders schonendem Transport.

· Langstreckenverlegung von Patienten (in Ausnahmefällen auch liegend)“

 

Historie meines med

Die Erstzulassung erfolgte am 20.April 1989 für das Medizinische Zentrum Nord Rostock, Salvador- Allende- Poliklinik in der Rigaer Straße 21, Rostock Lütten- Klein mit dem amtlichen Kennzeichen AML 6 – 92.

 

Nach der Umwandlung der Poliklinik in ein Ärztehaus 1991 war keine weitere Verwendung des med notwendig. So konnte ich den med am 20. November 1991 bei Tachometerstand von rund 23.700 km kaufen. Im Kaufpreis von 1500,-- DM eingeschlossen waren Ersatzteile für Wartburg und Barkas in der Menge, die in einen Barkas und einen Mitsubishi Pajero passten! Finanziert wurde der Kauf durch mein liebes, verstorbenes Mochten.

 

Die amtliche Zulassung auf meinen Namen erfolgte am 13.Oktober 1992 mit dem Kennzeichen DU – DK 80. Nutzung als Hobby- Fahrzeug. Vorausgegangen war der Zulassung natürlich die Vorführung meines med beim TÜV in der Adlerstraße in Essen-Kray. Dies mit einiger Sorge, wie denn der Sachverständige auf die einsatzfahrzeugmäßige Außenlackierung des med reagieren würde. Doch erwies sich diese Sorge als unbegründet.

Schon am 10.Februar 1993 erfolgte die Stilllegung aus finanziellen Gründen und Vorhandensein eines anderen, modernen Alltagsfahrzeuges. Abgestellt wurde der med in einer angemieteten Normgarage und wurde ab und an mit roten Kennzeichen bewegt.

 

Erneute amtliche Zulassung erfolgte am 12.Juli 1994; wiederum mit dem amtlichen Kennzeichen DU – DK 80. Genutzt wurde der med als Alltagsfahrzeug; wieder aus finanziellen Gründen. Kauf und Unterhalt eines weiteren Fahrzeugs neben einem Wohnmobil Mercedes- Benz 508 D waren mir zu dieser Zeit nicht möglich. So musste der med herhalten, was mir bis heute noch leid tut, da er in dieser Zeit doch etwas gelitten hat.

 

Im Mai 1994 Fahrt zum ersten Treffen in Schwanewede. Demjenigen, der damals nicht dabei war, sei gesagt, dieses Treffen hat uns so gut gefallen, dass wir uns noch zwei weitere Male in Schwanewede treffen sollten ! Auch wenn ich mit dem med als Leitfahrzeug der Club-Fahrzeugkolonne zuerst in die falsche Richtung auf die Autobahn fuhr, nachdem ich zu vereinbarten Treffpunkt eh schon zu spät gekommen war.

 

Aufgrund familiärer Belange war erneut eine Stilllegung 1995 nötig. Kinder und Familie gingen vor, ein alltagstauglicheres Fahrzeug wurde angeschafft. Ideal war der med mit seinen hinteren Statikgurten für Fahrten mit zwei Töchtern in ihren Kindersitzen nicht. Abgestellt wurde der med wieder in einer Normgarage und gelegentlich mit roten Kennzeichen bewegt.

 

Im Frühjahr 1995 wurde ich, grade mal unterwegs mit dem med, angesprochen, ob ich Interesse hätte, den med in einer großen Tageszeitung in der Rubrik „Verrückte Fahrzeuge“ vorzustellen. Der Bericht erschien in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) am 18.April 1995 (siehe Bild 02). Einen weiteren Bericht in dieser Rubrik habe ich übrigens nie in der WAZ finden können…

 

Die Wiederzulassung erfolgte am 18.Okt.1996 mit dem amtlichen Kennzeichen DU – JJ 353. Aufgrund der Trennung von meiner (Noch-) Frau und der sich daraus ergebenen Scheidung erfolgte die Nutzung als Alltagsfahrzeug. Mit meinem Wohnmobil konnte ich nicht fahren, da ich ab Februar 1997 darin wohnte. Für die Anschaffung eines anderen Alltagsfahrzeuges fehlten mir die Mittel.

 

Im Winter 1996 stellte ich den med auf einem Restaurantparkplatz ab. Ich traf mich mit Kollegen und Vorgesetztem zu einer Weihnachtsfeier. Glücklicherweise waren wir mit dem Essen schon fertig, als jemand hereinkam und fragte, wem der Wartburg draußen gehöre. Ich war erst noch positiv überrascht. Dachte noch, der Mann wolle etwas über den med erfahren, doch er sagte mir, er sei mit seinem BMW beim Rangieren in die hintere, rechte Tür des med gefahren… Ergebnis war eine gehörige Delle. Aber die Versicherung des Unfallverursachers zahlte gut…

 

Ummeldung am 01.April 1997 auf das amtliche Kennzeichen MH – KJ 46, da mein Wohnort mein Wohnmobil auf dem Campingplatz am Entenfang in Mülheim war. Nutzung als Alltagsfahrzeug.

Ummeldung am 28.Oktober 1997 mit dem amtlichen Kennzeichen E – JJ 231. Nutzung als Alltagsfahrzeug, da ich mittlerweile eine Wohnung in Essen bezogen hatte, das Wohnmobil inzwischen verkauft und kein anderes Fahrzeug in meinem Besitz vorhanden war.

Stilllegung am 31.März 1998. Einlagerung auf einem angemieteten Stellplatz in einer Halle in Gelsenkirchen. Nutzung als Hobbyfahrzeug geplant.

 

Umzug ca. Oktober 1999 in eine ehemalige Turnhalle in Neuss- Huisten (gesprochen Houston). Weiterhin Nutzung als Hobbyfahrzeug geplant.

Auflösung der Turnhalle Ende März 2003. Abholung des med am 29.März 2003. Bestandsaufnahme, Reinigung, erste Instandsetzungen (siehe Bild 03). Bspw. ersetzte ich die seit 1996 durch Unfall beschädigte hintere, rechte Tür und auch das mittlerweile stark verrostete Frontmittelteil. Natürlich erfolgte auch eine Überarbeitung der Bremsanlage.

 

Ca. März 2003 Anmietung einer Halle in Heiligenhaus. Einrichtung der Halle als Oldtimer-Hobby-Werkstatt. Einzug des med, zusammen mit einer 353er Limousine zur E-Teile-Gewinnung, einem Ford Mustang, einem Volvo 740GLE Kombi, einem Mercedes-Benz 230E W123, einer MZ TS150 und jeder Menge Ersatzteile.

 

Hier endet der erste Teil meines Berichts zu meinem med mit dem Ende seines „Schneewittchen-Schlafes“ 2003. Weiter geht´s mit Teil 2 in der nächsten Ausgabe der „Signale“.