Ganz schön Theater II (Signale 68-89)

Erinnerungen zum Besuch des Historienspektakel in Prenzlau 2011

Vorwort In der Ausgabe Winter 2015 las ich den Bericht von Martin zum Historienspektakel 2015. Dies nehme ich als Anlass, meinen begonnenen Bericht zum Historienspektakel 2011 fertig zu stellen. 2011, dem Jahr, in dem Jürgen und ich zum ersten Mal dort zugegen sein konnten und im Hause Sylke und Martin Völz freundlich aufgenommen wurden und Unterschlupf fanden.

Hier nun der Bericht…

Dirk Ekhard Köhne, Essen, im April 2016

 

…Fortsetzung…

Ich erinnere mich wieder an das Jahr 1998. Im Sommer dieses Jahres hatten Marianne, Jürgen, Claudia und ich in Kühlungsborn einen schönen Sommerurlaub verbracht und waren in diesem Zuge auch im Schifffahrtsmuseum Rostock. Das wird es ja wohl noch geben, denke ich mir und mache mich auf den Weg.

 

Wieder anhand meines „historischen“ Kartenmaterials in Form eines Stadtplanes von Rostock aus den frühen 80er Jahren. So finde ich hin. Aber auch hier hat sich etwas verändert. Im Jahr 2003 fand hier die IGA Rostock statt, was dazu führt, dass mein Plan, den med vor dem „Traditionsschiff Typ Frieden“ zu fotografieren auch nicht hinhaut. Parkplatz. Fußweg. Museum.

 

Das Schifffahrtsmuseum Rostock, größtenteils im „Traditionsschiff Typ Frieden“ (ex „Dresden“) untergebracht, ist sehenswert. Die Ausstellung zeigt, neben mehreren ausgestellten Schiffen, Ankern und Gerätschaften im Außenbereich, die Entwicklung der Schifffahrt. Mittlerweile wird darauf hingewiesen, dass große Teile der Ausstellung ein Hohelied auf den DDR- Schiffbau singen. Aber auch das ist Geschichte. (Vielleicht für die Rubrik „Das Museum am anderen Ende der Welt“…?

Auf die umfangreichen Exponate hier und jetzt im Einzelnen einzugehen, würde den Rahmen total sprengen. Nur so viel: ich bin fast drei Stunden hier. Dabei hetze ich sogar ziemlich durch die Ausstellung und über das Schiff. Auch hier kann man, wie auch in Marienborn, sicher einiges mehr an Zeit verbringen.

http://www.schifffahrtsmuseum-rostock.de/

 

Sozusagen „just in time“ erreichen der med mit mir am Steuer wieder Prenzlau, so dass wir zur heutigen Generalprobe rechtzeitig anwesend sind.

 

Mittwoch 07.September 2011, Generalprobe…

So um 19 Uhr ist Einfinden zur heutigen Generalprobe. Bevor es richtig losgeht, ist allgemeines Zusammenfinden auf der Bühne mit aufbauenden Worten der Regie (Steffi). Heute hat sich auch Sylke nebst Hund Tobi eingefunden, um der Probe zuzusehen. Gekonnt und erfahren mit warmer Decke und Sitzkissen.

Wie ich hingegen im Laufe des Abends feststelle, wird mir ganz schön frisch in meinem weißen, pseudo-medizinischen Outfit. (Oh ja, bin im passenden Outfit gekleidet. Ich finde, auch als Statist hat man der Rolle entsprechend gekleidet zu sein.)

Aus meiner Sicht läuft die Generalprobe perfekt. Bis zum dritten Bühnenbild, in dem die Geschichte der Gründung der freiwilligen Feuerwehr Prenzlau im Jahr 1878 erzählt wird.

Zum ersten Mal wird heute eine antike Feuerwehrspritze als Requisit in Betrieb genommen. Es wird ein Schlauch ausgerollt. Der Schlauch wird angeschlossen. Ein Feuerwehrmann hält die Schlauchspitze und zwei andere beginnen zu pumpen…

Der Zustand des Schlauches wirft die Probe kurzzeitig aus der Bahn; denn Wasser kommt an der Spitze erst spät und dann wenig heraus; denn der Schlauch ist vollständig porös. Martin kann sich in seiner Rolle schon kaum halten, aber als das Wasser die Schlauchspitze erreicht und wie ein äußerst schwacher Strahl erscheint, krümmt er sich vor Lachen. Und nicht nur er…

 

Die (echten) Feuerwehrmänner lachen allerdings nicht! Dieser Schlauch kränkt wohl ihre Berufsehre… Dann ist Bühnenbild vier der Geschichte an der Reihe.

Zitat aus dem Programmheft: „Mai-Demonstration und ein revolutionärer Parteianwärter, der als Sanitätskraftwagenfahrer die Biermannschen Ideen lebt.“  Wir befinden uns gedanklich im Jahr 1977.

Den genannten Sanitätskraftfahrer darf der med, mit mir am Steuer dann auf die Szene (das Schwesternwohnheim) bringen.

Heißt, am Ende des dritten Bühnenbilds muss ich hinter die Kulissen zum med, der Sankrafahrer steigt zu, Bühnenbild vier beginnt und auf Stichwort rast der med mit voller Beleuchtung (auch mit eingeschaltetem Suchscheinwerfer und OP- Beleuchtung im Innenraum) hupend hinter den Zuschauerrängen bis zur mittleren Treppe, Sankrafahrer springt raus und ich steuere den med, wiederum hupend, rückwärts vom Set.

Hat auch alles gut geklappt… …aber Samstag ist die Luft feucht… …dazu später…

 

Für mich als „beinahe-DDR-Geschichts-Legastheniker“, bzw. mit Veranstaltungen wie einer Mai-Demonstration nicht vertraut, ist die Szenerie von Bühnenbild vier im ersten Moment etwas einschüchternd.

(Hier habe ich über der Formulierung gebrütet, um wieder einmal nicht einen falschen Eindruck zu erwecken…)

Aber heute, zur Generalprobe kann ich dem Treiben auf der Bühne leichter folgen. Und finde die Szene eine der besten (wohl nicht zuletzt, weil mein med mitspielt).

Der „Bürgermeister“ spricht, und nachher weiß keiner so recht, was er gesagt hat. Die teilnehmenden Gruppen der Mai-Demonstration, KKH, KWP, AWP, CDU, SED, FDJ, Jungpioniere und andere werden mit feinem Gefühl für Humor dargestellt. So ist der Schriftzug SED in schwarz gehalten und der der CDU in rot. Insbesondere der CDU- „Tross“, bestehend aus einem einzelnen Mann, steht demonstrativ allein und etwas abseits.

 

Ach ja, musste auch erst nachfragen…

KKH – Kreiskrankenhaus, KWP – Kondensatorenwerk Prenzlau, AWP – Armaturenwerk Prenzlau. Die restlichen Abkürzungen sollten bekannt sein. Mit schwarzen Bierchen beenden Martin und Dirk den Tag und die erfolgreiche Generalprobe in Martins Büro.

 

Donnerstag 08.September 2011, der Tag…

Der Donnerstag ist ein ereignisreicher Tag und beginnt wieder mit einem schönen, gemeinsamen Frühstück. Martin muss auf seiner Baustelle in Schwerin eine Nachtschicht einlegen und ich fahre mit.

Da es aber erst nach dem Mittagessen losgeht, habe ich zuvor noch Zeit für einen weiteren Rundgang durch Prenzlau.

Und Jürgen hat sich an diesem Morgen auf den Weg nach Prenzlau gemacht.

Am Morgen nehme ich also Prenzlau in Augenschein. Nett. Sehr nett. Schöne Kirchen, große Teile der mittelalterlichen Stadtmauer und ein nettes Café, in dem ich bei Kaffee und Zeitung ein wenig ausspanne.

Nach dem leckeren Mittagessen (ganz lieben Dank an Martins Mutter dafür) geht es dann, zusammen mit Martin, los nach Schwerin. Martin fährt und wählt somit die Route. Diese ist sehr schön und besteht zum größten Teil aus Landstraßen, Alleen und Ortsdurchfahrten. Sie führt südlich am Müritz-See entlang, quert die frisch verlegte Trasse der Erdgaspipeline und führt uns schließlich über die A14 nach Schwerin.

 

Fast scheint es mir, dass in Schwerin innerstädtisch immer Stau sei. So auch heute und so auch bei meinem ersten Besuch hier im Jahr 1992. Das war an dem Tag, als Schwerin zur Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Nachdem wir Martins Werkzeug und Material ausgeladen haben, bekomme ich von Elektromeister Martin erst mal frei und kann mich in Schwerin umsehen, um vielleicht festzustellen, was sich verändert hat oder was mir noch bekannt vorkommt. Leider ist das nicht allzu viel, an was ich mich nach 19 Jahren noch erinnere. Leider setzt im Moment heftiger Regen ein, so dass ich die Regenjacke fest schließen und die Kapuze aufsetzen muss. Aber hält der Regen nicht lange an. Daher kann ich, langsam abtrocknend, die Schweriner Innenstadt besichtigen und mein Abendessen sogar in einer sehr freundlich geführten Außengastronomie einnehmen.

 

Als ich dann Martin auf seiner Baustelle wieder aufsuche, sind die Läden schon geschlossen. Dort kann ich Martin nur wenig helfen und stehe meist nur mit Handfeger und Dreckschüppe da oder bediene den Sauger, um den von Martin hergestellten Bodenschlitz von Schutt zu befreien.

Es ist schon Nacht, als wir zusammenpacken und Martin noch die Rückfahrt nach Prenzlau vor der Brust hat. Bei der Abfahrt denke ich noch, ich könnte Martin beim Fahren ja mal ablösen. Aber schon bald schlummere ich auf dem Beifahrersitz.

Heute war übrigens Theater- freier Tag. Und Jürgen ist angekommen.

 

Freitag 09.September 2011, der Tag…

Frühstück. Diesmal zur viert plus Hund. Vorgesehen ist heute die Besichtigung der Marienkirche Prenzlau. Zum Einen für die Theatertruppe; denn im nächsten Jahr steht die Freilichtbühne aufgrund der LAGA nicht zur Verfügung. So soll das 13. Historienspektakel hier stattfinden.

Zum Zweiten die Besichtigung der Kirche für uns und eine Turmbesteigung über 234 Stufen steiler Treppen. Martin macht den Eindruck, als ob er diese Führung nicht zum ersten Mal machen würde…

http://marienkirche.com/

https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkirche_%28Prenzlau%29

 

Aufgepasst! Geschichtsstunde!

Prenzlau liegt geografisch gesehen recht weit östlich in Deutschland. Zwar hat sich Prenzlaus geografische Lage über die Zeit nicht verändert, doch das unsägliche, tausendjährige, glücklicherweise gefallene, hier nicht näher benannte Reich umfasste jenseits der Oder Gebiete, die weiter östlich als Prenzlau liegen.

Nichtsdestotrotz war der Weg der einmarschierenden sowjetischen Truppen auf deutschem Gebiet noch nicht so lang, als dass ihre Wut, ihre Zerstörungswut, schon verraucht war. So handelten sie (u.a.) in Prenzlau ihrer großen Wut gemäß und brannten die Stadt nieder. Auch die Marienkirche war von diesem vernichtenden Feuer nicht ausgenommen.

 

Zwar hieß es in der sich später entwickelnden DDR, diese Zerstörungen seien nicht von den sowjetischen Freunden, sondern noch von den Nazis verursacht worden, aber heutzutage darf man darüber wieder die Wahrheit sagen.

U.a. so muss es gekommen sein, dass Prenzlau so gut wie keine alten, mittelalterlichen Gebäude aufweist. Außer eben einer Anzahl von Kirchen, Klöstern und der Stadtbefestigung. Zumindest bestehen keine mittelalterlichen Wohngebäude bzw. kein mittelalterlicher Stadtkern mehr.

 

In diesem Zusammenhang wieder zurück zur Marienkirche.

Bis 1970 stand diese ausgebrannt und für allerlei Kinder als Abenteuerspielplatz in Prenzlaus Stadtbild. Dann erst wurde mit der eigentlichen Bausicherung begonnen und der Marienkirche ein neues, modern konstruiertes Dach aufgesetzt.

Diese Arbeiten, wie auch Sanierungsmaßnahmen und die Verlegung einer elektrischen Anlage nahmen eine lange Zeit in Anspruch, so dass sie den Zusammenbruch der DDR überdauerten und erst 1990 ihren Abschluss fanden!

Für die Sanierung des durch den Brand zerstörten und eingestürzten Kreuzkuppelgewölbes im Innenraum der Marienkirche kam die Wende ein Jahr zu früh! Geplant war sie sehr wohl und auch die (DDR-) staatliche Finanzierung war gesichert. Nun aber fehlen die Kreuzkuppelgewölbe. (aktuelle Anmerkung: die Rekonstruktion der Gewölbe ist mittlerweile vorgesehen)

Geschichtsstunde Ende!

 

Blick in die aktuelle Dachkonstruktion (Stand 2011). Am unteren Bildrand sollte man im Normalfall nicht in das Kirchenschiff blicken können.

 

...Fortsetzung folgt...