Dornröschenschlaf 8 (Signale 68-89)

Nach der HU

“Everything will be okay in the end. If it's not okay, it's not the end.” JOHN  LENNON

Diesmal, es ist mein letzter Beitrag "Dornröschenschlaf", möchte ich der fleißigen Redaktion, also STEPHAN, für die Umwandlung meiner Word-Beiträge und für das Einpassen meiner Fotos in das dreispaltige Layout der "Signale" herzlich danken.

 

Ja, wann ist nun "Ende"? Mit bestandener TÜV-Prüfung? Dafür muss (außer dem üblichen) nur 1. Gang und Rückwärtsgang funktionieren (Bremsenprüfstand).

TÜV ist nur die Voraussetzung, fahren zu dürfen auf öffentlichen Straßen, um die weiteren Schwachpunkte feststellen zu können. Meine erste Fahrt (nach 20 km Testfahrt nahe Lauterbach) führte mich am  13. Juli 2015 zu Eberhard Gorontzi hin.

Einen Tag danach wieder zurück. Insgesamt bin ich dabei ca. 500 km gefahren.

 

Es war irgendwie eine Zeitreise:

Zentralverriegelung? – Gelenkigkeit ist gefragt! Beim Beladen wird klar, dass das Gepäck bei einem Crash ein Geschoß wäre. Man greift nach dem Einsteigen vergebens zum Gurt. Der Sitz ist beispielhaft unergonomisch. Seitenhalt ist nicht, Kopfstützen fehlen.

Ablagen gibt es nicht (außer einem mickrigen Handschuhfach). Aber Ascher sogar an den Rücklehnen beider Vordersitze. Servolenkung ist nicht vorhanden. Der Wartburg-Wendekreis entspricht etwa dem einer Boeing 747. Insgesamt viel zu wenig PS, aber dafür ist der Wartburg laut. Der Bremskraftverstärker ist trainierte rechte Wadenmuskulatur. Klimaanlage? Fehlanzeige! Instrumente schwer ablesbar. Das Popometer spürt alle Straßenunebenheiten.

So könnte es endlos weitergehen. "Nur fliegen ist schöner" – Das stimmt nur bedingt. (gemeint ist selbst steuernd)

 

Mit Eberhards Möglichkeiten (fachlich und Werkstatt!) wurde in eineinhalb Tagen meine Sorgenliste deutlich kürzer:

· die Beule in der Hecktür ist weg

· der Auspuff ist geschweißt

· Bremsen sind nachgestellt

· Fehler Temperaturanzeige gefunden

· Bestätigung, dass rechter Antrieb (altes Scharniergelenk) verschlissen

· …

 

Unklar blieb die Ursache für das starke Anfahrruckeln, wir vermuteten das ausgeschlagene Scharniergelenk  (linke Seite hatte ich ca. 1997 schon eine Doppelgelenkwelle montieren müssen, diese ist somit fast neu!).

Außerdem hatte der Motor sehr wenig Leistung und war sehr laut. Die nächste Fahrt führte mich nach Jena, auf der Hinfahrt habe ich eine nigelnagelneue DDR-Doppelgelenkwelle gekauft.

Mit dem alten Wartburg-Kfz-Meister, der auch schon mein Getriebe generalüberholt hatte, wurde der Antrieb getauscht. Das Anfahrruckeln blieb. Der Meister sagte, das liegt am Motor, der ist restlos am Ende und hat keinerlei Anfahrleistung.

Wir waren erschrocken, als wir das kaputte vordere Kurbelwellen-Kugellager sahen. Noch mehr erschrocken waren wir, als wir die Kolben sahen. Ein Wunder, dass ich damit noch 700 km gefahren war.

 

Was ein Wartburg ist, der gibt nicht auf, der kämpft bis zum letzten Atemzug. Die allerletzten Atemzüge habe ich dem Motor erspart.

So wurde ein regenerierter Motor, jetzt 45 PS, mit B1000-Kopf zusammengebaut und eingebaut. Faktisch die HSN-TSN  0873/318. Nun klingt der Motor glockenklar, wie ein Wartburg klingen sollte.

Jetzt konnte man "normal" anfahren, aber das Anfahren am Berg war immer noch mit starkem Ruckeln verbunden. Weiter gesucht nach der Ursache.

 

Es war der falsche Kupplungsbowdenzug montiert (einer vom 353 - ich hatte statt des defekten selbstverständlich den exakt gleichen in neu wieder eingebaut); der 311 hat einen 15 mm längeren (auch 15 mm längere Bowdenzughülle).

Außerdem war das Durchführungsloch der Bowdenzughülle zu eng und rund, statt oval. Jetzt kann ich auch an steilem Berg anfahren.

 

Es waren also insgesamt 3 Fehler, die in der Summe das Anfahrruckeln verursachten.

 

Die Rückfahrt nach Lauterbach war ein Genuss, das Auto läuft wie Bienchen.

Ahnt jemand, was noch kommt? "Von der Wiege …"

Als braver Staatsbürger sandte ich selbstverständlich, am Wochenende nach dem Motoreinbau, höflichst brieflich eine Mitteilung mit dem neuen Hubraum und der neuen PS-Zahl an die KFZ-Steuerstelle und an die Versicherung mit der Bitte, ggfs. eine Korrektur der Unterlagen und des Abbuchungsbetrages vorzunehmen.

 

Ich erhielt daraufhin einen Anruf der KFZ-Steuerstelle, dass man die Unterlagen nur ändern kann aufgrund einer Information der Zulassungsstelle und dazu müsste ich zuerst wieder zum TÜV.

Also TÜV-Termin geholt und nächsten Tag hin, dann Bündelungsbehörde, dann Zulassungsstelle.

111,-€ plus 43,30€ plus 15,10€.

 

Das dritte Fahrtziel meines Wartburgs war das Heimweh-Treffen in Eisenach. Herrlich die Atmosphäre dort . Martin Völz, Olaf Heineken, Eberhard Gorontzi, Stephan Uske und Ansgar Glahse waren auch da.

Die edelrestaurierten Wartburgs waren beeindruckend. Mir hatten es insbesondere die wunderschönen EMW angetan.

 

Doch berichten will ich von meiner Fahrt:

Nach ca. 50 km begann ein kratzendes Geräusch links vorn, welches zunehmend schlimmer wurde. In Eisenach angekommen, traf ich sofort Martin, es "kratzte" lautstark im Schritttempo bei jeder Umdrehung des Rades im Leerlauf. Martin sagte, sowas hätte er noch nicht gehört, Vermutung: Radlager. Ich habe sofort umdisponiert, den alten Wartburg-Kfz-Meister angerufen und bin nachmittags statt zurück nach Lauterbach nach Jena gefahren.

Auf der Fahrt das gleiche: die ersten 50 km Ruhe, dann beginnend kratzendes Geräusch, welches bei der Ankunft in Jena wieder die bereits bekannte Lautstärke erreicht hatte.

 

Sonntagmorgen - klar - alles wieder kalt. Wieder kein Geräusch zu hören.

Der alte Meister und ich haben den Wartburg auf die Bühne genommen und konnten einzig ein wenig Luft im Radlager feststellen. Ausgebaut, das innere Radlager hatte tatsächlich Luft. Wir haben die Lager zerlegt. bei beiden Radlagern waren die Käfige, die Kugeln und die Rollflächen in Ordnung. Also neue Lager rein und wieder alles zusammengebaut.

 Auf den 200km bis Lauterbach war alles ok. Also war es vermutlich dieses kleine bisschen Luft im Lager, in dessen Folge das extreme Geräusch entstand.

 

Vermutung: Es gibt ein Blech, welches zwischen dem Doppelgelenk und dem inneren Lager ist. Bei Erwärmung hat die Ausdehnung genügt, dass der Käfig an diesem Blech geschliffen hat.

Aber wirklich, das Lager war nur minimal ausgeschlagen. Da habe ich schon viel schlimmeres gesehen. Außerdem beim TÜV, 1.500 km vorher, waren alle Radlager top in Ordnung. Der Mann hatte das gründlich geprüft.

Dies war Stand 17. August 2015 und damit enden die Berichte über die Wiederinbetriebnahme des fast zwei Jahrzehnte aufgebockt auf meinen Rentenbeginn wartenden 311-Camping.

 

Was ich Martin schrieb, hier möchte ich es wörtlich wiederholen:

Es ist richtig schön, dass es unsere Kameradschaft im EDWFC gibt, und ich bin dankbar, dass Ihr mich passives Mitglied über all die Jahre mitgeschleift hattet. Ihr machtet die Arbeit mit TC, mit "Signale", mit Zusammenhalt unseres Clubs, mit ...  –  ich war Nutznießer und nur geringfügig beitragend.“

 

Mein folgender Bericht schließt sich "Dornröschenschlaf N° 8 an.

 

Ich berichtete von dem stark kratzendem Geräusch vorn links. Damals, vor 6.000 km hatte der alte Meister mit mir die Achslager vorn links gewechselt, der Keil war in Ordnung,

es wurde die Kronenmutter richtig angezogen (über 190 Nm), und die Kronenmutter hatte ich auch nachgezogen nach 200 km. Ein paar tausend Kilometer war alles gut.

Das Geräusch kam nun wieder, insbesondere in Rechtskurven. Die 3 Fotos zeigen das Problem drastisch.

 

Ursache(n) war(en):

- die Nabe war ausgeschlagen

- vermutlich war die Feder zwischen den Achslagern zu lang

 

Die Vermutung bei Nachmessen der Feder zusammengedrückt im Schraubstock ist, daß man mit Anziehen der Kronenmutter die Feder völlig zusammengedrückt hat und somit die gewiss schon ausgeleierte Nabe gar nicht mehr fest auf die Achse bekam.

Der Achsstumpf saß nicht einmal fest auf dem äußeren Lager. Nun wurden Nabe, Antrieb und beide Radlager gewechselt.

 

In diesem Zusammenhang eine Frage an alle: Das Gelenk des Antriebs ist in Ordnung. Kann man den Antrieb regenerieren?