O-Ton: Vor 40 Jahren in der Wartburg-Signale (Signale 67-88)

Blick in die Wartburg-Produktion

So produzieren wir heute

In loser Folge veröffentlichen wir unter dieser Rubrik Texte aus der über 45 jährigen Geschichte unserer Zeitschrift „Wartburg-Signale“. Diese Artikel bieten oftmals einen interessanten Einblick in die offizielle und zeitgenössische Sichtweise des Werkes auf das Produkt Wartburg und seine Technik.

Man erinnere sich: Auch früher schon, um die Jahrhundertwende oder in den dreißiger Jahren, wurden in Eisenach ausgezeichnete und erfolgreiche Automobile hergestellt — jedoch unter charakteristischen gesellschaftlichen Verhältnissen im Kapitalismus, der Ausbeutung der arbeitenden Klasse, der Unterdrückung und sozialen Mißstände.

 

Das moderne Industrieerzeugnis WARTBURG indessen ist ein Ausdruck umfassend vollzogener und weiter fortschreitender Veränderungen hier und heute. Alle Prozesse und die Progressivität im gegenwärtigen Eisenacher Automobilbau wurden und werden in erster Linie und entscheidend geprägt vom Übergang der Produktionsmittel an die Werktätigen als den sozialistischen Eigentümern und — wie vom VIII. Parteitag der SED richtungsweisend erarbeitet und als Hauptaufgabe beschlossen — von der Entwicklung der Produktivkräfte des Sozialismus, von rationeller Gestaltung der gesellschaftlichen Produktion mit dem Ziel höchster volkswirtschaftlicher Effektivität und der immer besseren Befriedigung der wachsenden Bedürfnisse der Menschen.

 

Dabei werden die Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen auch und gerade im VEB Automobilwerk Eisenach in untrennbarer Einheit verwirklicht.

 

Dies geschieht im Zuge konsequent fortgesetzter Intensivierung der Produktion — dem Hauptweg zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und der volkswirtschaftlichen Effektivität — durch die sozialistische Rationalisierung, die umfassende Nutzung von Wissenschaft und Technik, die Durchsetzung einer hohen Grundfonds- und Materialökonomie und den effektiven Einsatz des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens. Im Ergebnis stehen die vom ganzen Kollektiv des VEB Automobilwerk Eisenach ständig realisierten Steigerungen von Stückzahl und Qualität in der WARTBURG-Produktion.

 

Tatsache ist, daß die Eisenacher Automobilwerker seit langem die Jahrespläne erfüllen und übererfüllen. Fakten sind, daß Ende 1972 der 250 000ste WARTBURG 353 im Werk vom Endmontageband lief — diese Zwischensumme übertraf bereits weit die Gesamtproduktion irgendeines früheren Eisenacher Automobiltyps —, daß seit 1965 und insbesondere nach Serienanlauf des Typs 353 die WARTBURG-Produktion einschließlich der Ersatzteilfertigung nahezu verdoppelt wurde, daß noch vor Ablauf des Jahres 1974 die Jahreswarenproduktion erstmals den Wert von 1 Milliarde Mark überschritt und somit das bis dahin absolut beste Produktionsergebnis in der gesamten Entwicklung des Betriebes bilanziert werden konnte.

 

Fest steht gleichzeitig die kontinuierliche Steigerung der Qualität des Erzeugnisses in der Produktion. Von vielen Beispielen dafür hier nur eines: Mit der Rekonstruktion des Fertigungsbereiches Lackiererei wurde 1970 eine vollautomatisierte Tauchanlage in Betrieb genommen. Seitdem schon erfolgt die Grundierung der WARTBURG-Karosserien im Elektrophorese-Verfahren, eine der modernsten Technologien im Automobilbau. Mit der Anwendung wird eine außerordentlich innige Verbindung des Lackfilms mit dem Karosserieblech bewirkt, auch an Kanten und in sonst unzugänglichen Hohlräumen. Im Ergebnis steht erheblich verbesserter Korrosionsschutz.

 

Mit den Steigerungen von Stückzahl und Qualität läuft die ständige Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in einheitlichem Prozeß einher. Um in diesem Zusammenhang gleich bei der Elektrophorese-Tauchgrundierung zu bleiben: Zu den Verbesserungen der Arbeitsbedingungen der Werktätigen in diesem Produktionsbereich zählt sowohl die Vollmechanisierung der Arbeitsgänge als auch der Fortfall gesundheitsschädigender und feuergefährlicher Lösemittel und Lacke durch Verwendung wasservedünnbarer Lösemittellacke. Oder ein anderes Beispiel ist, daß mit einer neuen, in der 3. Rekonstruktionsausbaustufe des Fertigungsbereiches Lackiererei erstellten Kabinenanlage zum Decklackspritzen hier ebenfalls erleichterte Arbeitsbedingungen geschaffen und durch hohen Filterungsgrad der Zuluft zugleich weitere Qualitätsverbessserungen erzielt wurden.

 

Überall im Werk kommen die kontinuierlichen Steigerungen in der Produktion zustande aus ständig entwickelten neuen Initiativen der WARTBURG-Produzenten auf dem Hauptfeld des schöpferischen Wirkens der Werktätigen, dem sozialistischen Wettbewerb, der Neuererbewegung und der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit.

 

Bezeichnend für das Neue in der gesamten Arbeit des Eisenacher Automobilwerkerkollektivs, bezeichnend für sozialistische Denk- und Verhaltensweisen wurden solche beispielgebenden Aktionen wie „600 + 1" im Jahre 1972. Damals verpflichtete sich das Werkskollektiv, 600 WARTBURG 353 und für eine Million Mark Ersatzteile zusätzlich zum Plan zu produzieren, erhöhte dann nochmal dieses Wettbewerbsvorhaben und realisierte es bis zum Jahresende.

 

Im November 1973 wurde in der Tagespresse berichtet: „Mit einem Planvorsprung von vier Tagen gehen die 8200 Werktätigen des Automobilwerkes in den Endspurt des Wettbewerbes 1973. Die Eisenacher haben bereits zu Jahresbeginn den Grundstein für die gute Kontinuität im Plangeschehen gelegt. Konsequent führen sie den sozialistischen Wettbewerb nach persönlich- und kollektiv-schöpferischen Plänen und nach der Bestenbewegung. Das führte u. a. im Motorenbau zu einer dreifach höheren Beteiligung im Neuererwesen. Dabei liegt der Nutzungsgrad der Vorschläge über dem Durchschnitt im Industriezweig. Im Getriebebau konnten die Leistungen um vier Prozent gesteigert werden. Die Automatenabteilung des Fahrwerkbaues wies Ende September eine Selbstkostensenkung entsprechend dem Plan der sozialistischen Rationalisierung von 168 Prozent aus."

 

Für hervorragende Leistungen zur Stärkung der DDR und die Ergebnisse bei der Verwirklichung der von Partei und Regierung gestellten Aufgaben erhielt das Kollektiv des VEB Automobilwerk Eisenach 1974 den Karl-Marx-Orden verliehen, die höchste Auszeichnung der DDR. Im Dank aller Eisenacher Automobilwerker für die hohe Würdigung wurde versichert: „Wir sehen unsere Verantwortung darin, unseren Beitrag zur weiteren Verwirklichung der Hauptaufgabe noch zu vergrößern. Dazu ist uns die Auszeichnung Ansporn und Verpflichtung."

Ein Jahr später begann planmäßig am 1. März 1975 die Serienproduktion des weiterentwickelten Eisenacher Automobiltyps WARTBURG 353 W.

 

Dieser Artikel erschien in der:

Wartburg-Signale Sonderausgabe 1976

 


Titelbild: Blick in die Wartburg-Produktion (Archiv Wartburg-Signale)