Fritz Fleischer und seine Busse (Signale 67-88)

Christian Suhr:  "Fritz Fleischer und seine Busse"; Verlag Kraftakt 2006

Ein Unternehmer-Portrait aus der DDR

Das hier vorgestellte Buch kann kaum mehr neu erworben werden. Jedoch sind das Thema und auch seine Umsetzung so interessant und hochwertig, dass „Fritz Fleischer und seine Busse“ hier unbedingt erwähnt werden soll.

Für alle, die ihn nicht kennen: Fritz Fleischer gründete in den 1920er Jahren sein Unternehmen in Gera. Der Wiederaufbau von Unfallfahrzeugen und Umbauten vorhandener Fahrzeuge nach Kundenwunsch waren sein Geschäft.

Nach dem Krieg fertigte Fleischer in seinem stark zerstörten Betrieb Omnibusaufbauten auf vorhandene Fahrgestelle. Auch diverse Coupé– und Cabrio-Aufbauten für Pkws entstanden in dieser Zeit.

Bekannt wurde das Unternehmen jedoch mit dem Aufbau und der Entwicklung von modernen Reiseomnibussen.

Die Fahrzeuge aus Gera konnte dabei durchaus mit westlichen Produkten der Zeit Schritt halten.

Sie waren modern gestaltet und komfortabel ausgerüstet.

Die Fritz Fleischer AG war der einzige private Hersteller von Omnibussen im Bereich des RGW.

Um Restriktionen des RGW zu umgehen, wurden alle Fahrzeuge Fleischers als so genannte „Reparaturumbauten“ bezeichnet. Die Kunden mussten nachweisen, dass sie einen verschlissenen Bus unter Verwendung neuer und gebrauchter Teile bei Fleischer wieder aufbauen ließen.

Trotz des fraglos sehr Unternehmer-feindlichen Klimas in der DDR und der enormen Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung entwickelte Fleischer mehrere Serien attraktiver Kraftfahrzeuge für seine überwiegend selbstständige Kundschaft.

Christian Suhr hat die bewegende Geschichte Fleischers und seines Betriebes bis nach dessen Enteignung 1972 recherchiert und einen reich bebilderten und ausnehmend informativen Band vorgelegt.

Die Texte sind flüssig und gleichzeitig unterhaltsam geschrieben.

Der Umgang der DDR-Institutionen mit einem echten „Unternehmer“, wie Fleischer einer war ist jedoch eher bedrückend.

Unglaublich viele Fotos lassen das Wirken Fleischers und seiner Mitarbeiter in diesem Buch lebendig werden.

Verbesserungswürdig wäre die Platzierung der Bildunterschriften, die sich teilweise auf anderen Seiten, als die Bilder befinden, auf die sie sich beziehen.

Zwar sind die Texte eindeutig zuzuordnen, aber eine räumlich zusammengehörende Präsentation von Foto und Text würde das Lesevergnügen noch weiter erhöhen.

Besonders kritischen Lesern wird nicht verborgen bleiben, dass die Worttrennungen teilweise etwas aus dem Ruder gelaufen sind.

Beide Schwächen kann man dem Buch aber leicht verzeihen. Es sticht durch sein außergewöhnliches Thema, die intensive Recherche, die liebevoll-wertige Gestaltung und die interessanten Informationen in jedem Fall positiv hervor.

 

Da ich „Fritz Fleischer und seine Busse“ nur im Antiquariat erwerben konnte, ist mir der Neupreis nicht bekannt.

Ähnliche Publikationen im gleichen Verlag werden um 49,00 € angeboten.

Evtl. war dies auch der Preis dieses Bandes.

Gebraucht konnte ich das Buch für 18,00 € erwerben.

Eine Ausgabe, die ich ganz sicher nicht bereut habe.

 

Für jeden, der sich für außergewöhnliche Kraftfahrzeuge und auch für außergewöhnliche Menschen interessiert ist „Fritz Fleischer und seine Busse“ in jedem Fall ein guter Griff.

 


 

Christian Suhr

"Fritz Fleischer und seine Busse"

Gebundene Ausgabe

228 Seiten

Verlag Kraftakt

1.Auflage (Dezember 2006)

ISBN: 978-3938426036

Preis um 20€ im Antiquariat