Das Museum... (Signale 66-87)

Das Gebäude des Automuseums ist eine ehemalige Tabakfabrik, die sich heute als Schloss präsentiert

Besuch im MUSEO AUTOMOVILISTICO DE MALAGA

In der Rubrik „Das Museum am anderen Ende der Welt“ stellen wir normalerweise interessante Museen vor, die sicherlich noch nicht Jeder besichtigen konnte. Einfach weil sie eben nicht ganz so einfach zu erreichen sind.

Dieses Mal ist das andere Ende der Welt nicht ganz so weit weg.

 

Spanien ist sicher nicht unbedingt am Ende der Welt und nach wie vor das beliebteste Urlaubsland der Deutschen. Die sonnenhungrigen Touristen, die in Andalusien und an der spanischen Südküste Erholung suchen, werden von Deutschland aus meist auf dem riesigen Flughafen in Málaga ankommen. Bei der Suche nach Sonne und Meer ahnen die Spanienurlauber dabei gar nicht, was für eine hervorragende Sammlung von Autos aller Zeiten hier präsentiert wird. Im Museo Automovilistico de Málaga wird in einer ehemaligen Tabakfabrik auf 6000 m² eine beeindruckende Sammlung repräsentativer Automobile aus allen Ländern und allen Epochen geboten. Als ich im letzten Jahr mit meiner Frau auf einer individuellen Andalusien - Rundfahrt war, hatte ich natürlich für den Besuch dieses Automuseums mindestens einen halben Tag eingeplant. Leicht zu finden war es allerdings mit dem Pkw nicht. Es steht ja in städtischer Konkurrenz zur Alcazaba, der berühmten maurischen Festungsanlage und den anderen Kulturdenkmälern, für die Málaga als Hauptstadt der Costa del Sol bekannt ist und die natürlich auch besser ausgeschildert sind. Schon der erste Eindruck hatte nichts mit meinen Vorstellungen einer ehemaligen Fabrikanlage zu tun, sondern das Museum präsentiert sich als stattliches Schloss in mitten einer gepflegten Außenanlage, so dass wir das erste Mal fast vorbeigefahren wären.

Schon beim Betreten ist man im ersten Saal überwältigt von der ausstrahlenden Eleganz und der Vielzahl der hervorragend restaurierten Automobile aus der Vorkriegszeit. Im Konzept des Museums ist dem jeweiligen Automobil eine entsprechendes zeitgenössisches Modestück zugeordnet, das gegebenenfalls noch von einem Kunstgegenstand der entsprechenden Epoche flankiert wird. Man beginnt in der bei uns sogenannten Messingklasse, die hier mit Recht als „Belle Epoque“ bezeichnet wird. In bewusst zurückhaltender Gestaltung präsentiert sich ein amerikanisches Hupmobile von 1912 mit 16 PS vis-a-vis mit einem französischen Delage von 1910 mit 14 PS. Die ausstrahlende Noblesse wird dann mit einem 1906er Jackson noch gesteigert, und auch im Folgenden bekommt man einen Eindruck davon, dass die spanische Südküste schon vor über 100 Jahren ein beliebtes Ausflugsziel der gehobenen Gesellschaft gewesen ist. Neben Sportwagen für Herrenfahrer, wie dem englischen Barron 12 PS, werden vor allem große Limousinen gezeigt, in denen man sich standesgemäß chauffieren ließ. So gleitet man fließend durch die Hochglanzsäle in die „Goldenen Zwanziger“ und sieht nicht weniger beeindruckende Fahrzeuge, wie den Hispano Suiza von 1917 oder den Lancia 70 PS von 1921. Dankenswerter Weise sind alle Fahrzeuge spanisch und englisch beschriftet. In den jeweiligen Kurzbeschreibungen wird auf den zeitgenössischen Bezug zu Mode und Kunst eingegangen, nur leider kommt dabei aus meiner Sicht das ausgestellte Automobil immer etwas zu kurz weg. Deren Angaben beschränken sich meist nur auf Zylinderzahl, Hubraum, Leistung und Baujahr.

Aber insgesamt tut das den allesamt perfekt restaurierten Automobilen keinen Abbruch. Vielmehr lernte ich auch schon wieder viele neue Automarken aus Frankreich, Belgien, England und Spanien kennen, die mir bisher kein Begriff waren. Da ca. 100 Fahrzeuge in insgesamt 8 Sälen präsentiert werden, reicht die Zeit kaum aus, um jedes Detail auf sich wirken zu lassen. Gespannt war ich natürlich, ob auch Fahrzeuge aus Eisenacher Fertigung hier zu sehen sind. Im Themenbereich „Populäre Autos“ sah ich dann zumindest schon mal einen kleinen Austin Seven, den Großvater des kleinen Eisenacher Dixi 3/15.  Dann endlich, im Themenbereich „30er Jahre Art Deco“, traf ich auf einen BMW 327/328 Sportwagen als das einzige Eisenacher Produkt. Auch wenn ich weiß, wie schwer es ist, korrekte und sehr komprimierte Fahrzeugbeschilderungen für ein Museum anzufertigen, hier bei diesem Fahrzeug hat man es sich leider etwas zu leicht gemacht. Kurzerhand wurden nämlich die Rennerfolge des legendären BMW 328 dem ausgestellten Cabriolet BMW 327/328 zugeschrieben. Aber vielleicht merken das wirklich nur Insider.

BMW 327/328 (D) 1938, 6 Zyl., 2000 cm³, 80 PSDeutsche Autos sind in dieser Ausstellung allerdings sehr rar. Außer einem 356 Porsche von 1955 und zwei legendären Mercedeswagen, wie dem klassischen 1937er 540 K und dem berühmten Flügeltürer SL von 1956, sind mir keine weiteren begegnet. Aber als Autofan kommt man einfach in diesem Museum aus dem Staunen nicht heraus. Liebevoll präsentierte Details, wie die Hausbar in einem 1937er Packard oder das ausfahrbare Metall-Hardtop des Peugeot von 1937, lassen einen immer wieder schmunzeln.

 

Die Fülle der ausgestellten Fahrzeuge, die insgesamt nach 10 Themenbereichen geordnet sind, lässt es einfach nicht zu, hier einen vollständigen Überblick zu vermitteln. Nach den vielen chromblitzenden amerikanischen Straßenkreuzern der 1960er Jahre fand ich abschließend noch 2 Fahrzeuge technisch besonders bemerkenswert. Das war zum einen das amerikanische Dampfmobil Stantley Steamer von 1910 mit 10 PS, das aber vor jeder Fahrt eine über einstündige Vorheizzeit beanspruchten. Und dann war da noch das Elektromobil Milburn Electric von 1916. Das ebenfalls aus den USA stammende Fahrzeug konnte mit einer Batterieladung 80 km weit fahren und erzielte dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Sind heutige Elektromobile weiter und leistungsfähiger?

Alles in allen war ich sehr begeistert von diesem Museum, und die Zeit hat wiedermal nicht ausgereicht. Auf jeden Fall empfehlenswert für alle Spanienurlauber, denn die klimatisierten Ausstellunghallen bieten eine hervorragende Abkühlung bei der spanischen Sonne. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.

 


 

Zur Vorinformation hat das  Museo Automovilistico de Málaga auch eine hervorragende Internetseite unter http://www.museoautomovilmalaga.com, die auch in Deutsch verfügbar ist.

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

Eintritt: 7,50 € für Erwachsene, für Kinder, Studenten und Senioren 5,50 €

 


 

Titelbild: Das Gebäude des Automuseums ist eine ehemalige Tabakfabrik, die sich heute als Schloss präsentiert (Matthias Doht)

Bild 1: BMW 327/328 (D) 1938, 6 Zyl., 2000 cm³, 80 PS (Matthias Doht)