Dornröschen-Schlaf N°7 (Signale 66-87)

Dornröschen machte Schwierigkeiten  auf  der  Zielgeraden

Schwierigkeiten  auf  der  Zielgeraden

 

Dies hier sollte mein letzter Beitrag zum "Dornröschenschlaf" sein. Aber auch dies sollte nicht sein: Die Ereignisse waren so viele, dass ich zu viele Seiten hätte beansprucht. Erinnert sich jemand noch an das Zitat von JOHN LENNON in "Dornröschenschlaf N°1" in der Signale vom Frühjahr 2012?

"Life is … " Der Rest folgt dann in der nächsten Signale - ein "Dornröschenschlaf 8".

 

Am 06. Juni füllte ich den Tank mit 15 Liter Gemisch.

Der Anlasser drehte normal durch, aber er startete nicht. Die Kerzen waren trocken. Ich füllte zwischen Vergaser und Benzinpumpe Benzin ein und bemerkte, dass es einfach weglief, zurück lief in den tiefer gelegenen Tank.

Ursache: Der Benzinfilter der Benzinpumpe war extrem verdreckt und so waren offenbar auch die Ventile verdreckt, so dass diese nicht schlossen.

Alles reinigen und ausblasen, siehe da, dann alles so wie es sein soll. Aber er startete noch immer nicht, die Kerzen zeigten nun normale Feuchte und alle hatten guten Zündfunken.

Ich entdeckte, dass am Vergaser die Verbindung von Choke zu Drosselklappe sich gelöst hatte aus der kleinen Federklemmung. Repariert – und siehe da, der Motor sprang sofort an.

2 Tage später, Vater und ich waren bei der Montage der Kofferraum-Seitenverkleidungen, bemerkte ich ein kleines Pfützchen unter dem Tank. Ich fasste den Tank unten an, da war ein Benzintropfen.

Da hatte sich das Benzin offenbar in den 2 Tagen durch meine 3 Farbschichten "durchgearbeitet". Welch' Katastrophe. Also sofort ablassen, Tankausbau und Hilfe-email an EBERHARD.

Seine Reparaturanleitung war schlüssig, nur waren meine technischen Voraussetzungen und handwerklichen Fähigkeiten unzureichend. Schnelle telefonische Frage und schneller Entschluss: Tank und Vater in den Skoda meiner Eltern und mal rasch die 245 km nach Bad Salzufflen.

Eine prima Lehrstunde für mich, wie EBERHARD das Löchle beseitigte; ein gemeinsames Kaffeetrinken zu viert und natürlich führte mich EBERHARD auch durch seinen Oldtimerfuhrpark. Am nächsten Tag hieß es wieder Tankeinbau – seitdem ist er dicht.

 

Dann ein weiteres technisches Problem:

Die Gänge ließen sich im Stand bei ausgeschaltetem Motor einlegen, lief der Motor, dann trennte offenbar die Kupplung nicht, heißt, es ließ sich kein Gang einlegen. Nachgelesen im Internet-Forum, http://w311.info/viewtopic.php?t=10649.

Dort sagte man, dass die Kupplung nach längerem Stillstand "kleben" könne. Abhilfe wäre: Mit eingelegtem Gang starten (Schiebehilfe) dann in Fahrt Kupplung drücken und stark bremsen.

Gesagt, getan – die Kupplung trennte wieder. Anschließend konnten  Kupplung und Schaltgestänge eingestellt werden.

 

Von einem "lustigen, typisch deutschen" Problemchen möchte ich auch berichten.

Wie bekomme ich das (kennzeichenlose) Auto zur Werkstatt zum TÜV hin? Diese ist nur (Google Maps) 500 (in Worten: fünfhundert) Meter entfernt.

Möglichkeit 1:  Kurzzeitkennzeichen für 5 Tage (etwa: 50,- Teuro)

Möglichkeit 2:  auf Anhänger (kostet auch)

 

Frage also, wie preiswert ohne Kennzeichen:

Abschleppen oder vielleicht Manpower (=schieben) mit abgeschaltetem Motor? Die Antwort vom TÜV Süd: bei betriebsbereitem Fahrzeug ist beides verboten.

Auf meine Zusatzfrage: "… und bei nicht betriebsbereitem Fahrzeug?" erhielt ich vom TÜV keine Antwort. Also fragte ich in der Polizeidirektion Vogelsberg nach, die Antwort:

Ein nicht betriebsbereites Fahrzeug darf geschleppt werden ohne Kennzeichen zur nächsten Werkstatt. Nicht betriebsbereit … nun, dann ist es eben so.

 

Warum kein H-Kennzeichen, werden mich manche fragen.

Mein Wartburg wird, Sommerbereifung, nur April – Oktober gefahren, ein H-Kennzeichen als Saisonkennzeichen gibt es leider nicht.

Die Steuer für Oldtimerkennzeichen beträgt pauschal 191,73 €/Jahr, deutlich mehr als für einen Wartburg mit Saisonzulassung.

Eine Oldtimerversicherung setzt voraus, dass man Alltags-PKW zugelassen hat (ich lebe mit Bahncard  50 und der 311 soll ein "Sommer-Alltags-PKW" sein).

Ein Wechsel von Saisonkennzeichen zu H-Kennzeichen ist jederzeit möglich (nach Prüfung).

Vielleicht sinnvoll im Hinblick auf die PKW-Maut.

 

Wie ist das nun mit TÜV und Zulassung?

Einige Erkenntnisse (gern bitte berichtigen).

Zuerst ein Zitat aus: https://www.vogelsbergkreis.de/Kfz-Zulassungsbehoerde.177.0.html:

"Nach Außerbetriebsetzung kann das Fahrzeug innerhalb von 7 Jahren wieder zum Verkehr zugelassen werden (solange werden die Fz-Daten beim Kraftfahrtbundesamt gespeichert), wenn eine gültige Hauptuntersuchung und - soweit vorgeschrieben - eine gültige Abgasuntersuchung nachgewiesen werden. Erst nach 7 Jahren bedarf es einer Einzelabnahme nach § 21 StVZO (Vollabnahme), sofern die Fz-Papiere nicht mehr vorhanden sind. In allen anderen Fällen ist auch dann nur eine HU erforderlich."

Mein 311 hat einen entwerteten (Ecke abgeschnitten) DDR-Fahrzeugbrief; einen BRD-Fahrzeugbrief, ausgestellt Juni 1993; eine Abmeldebescheinigung, ausgestellt September 1994; wurde von mir gekauft Juli 1996.

 

Was habe ich für einen Wartburg 311?

Im (BRD-)Fahrzeugbrief steht "Wartburg 311/3 PKW-Kombi" mit der Schlüsselnummer 3102. Dies stimmt so nicht ganz, da hat man sich vermutlich vertippt, statt der "3" müßte "5" stehen.

Welche HSN/TSN-Nummern nun? HSN … Herstellerschlüsselnummer TSN … Typschlüsselnummer (eine HSN-TSN-Liste findet man hier:  http://www.hsn-tsn.de/wartburg.html)

Im (BRD-)Fahrzeugbrief steht bereits richtig die HSN 0873, lediglich die TSN ist nicht angegeben. Beim Motor sind 900ccm und 28 KW vermerkt, damit sollte die HSN-TSN  0873/316 sein.

Mir persönlich ist es sehr egal, ob da für die "3" eine "5" steht oder die TSN Nullen sind.

 

"TÜV" war am 26. Juni 2015, ohne Beanstandungen.

Es wurde vom TÜV Service Center Angersbach eine HU (53,55 €) und, nur deshalb, weil ich andere als im KFZ-Brief genannte Reifen montiert hatte, eine Einzelabnahme nach §19(2)U (82,00 €) gemacht.

 

Manchmal hat man Glück - und doch nicht:

Folgenden Freitag um 10:00 Uhr bekam ich vom TÜV-Mensch in der Werkstatt die Papiere, meine erforderlichen Papiere hatte ich mit und so ging ich schnurstracks zur Zulassungsstelle. An der Tür prangte ein Schild: Freitag, 03.Juli, wegen Betriebsausflug geschlossen.

Es sollte nicht sein.

 

Also nächsten Montag 07:00 Uhr wieder zur Zulassungsstelle.

Diese verwies mich mit den Unterlagen des TÜV zur Erteilung der Betriebserlaubnis zur für den Landkreis Vogelsberg zuständigen sog. "Bündelungsbehörde", der Zulassungsstelle des Landkreises Fulda.

Das Bundesland Hessen ist das einzige in Deutschland, das solche "Bündelungsbehörden" hat und so gibt es  in Hessen nur diese 2 Stellen, die eine Betriebserlaubnis erteilen dürfen, eine in Fulda und eine in Marburg-Biedenkopf.

Halbe Stunde Bahnfahrt nach Fulda, die Betriebserlaubnis wurde völlig problemlos erteilt (39,80 €).

Zurück nach Lauterbach war die Zulassungsstelle noch geöffnet und ich erhielt daraufhin die Zulassung, genau: Wiedererfassung mit RREWK (habe nicht gefragt, was das heißt) für 59,30 €.

Beide Zulassungsstellen in Lauterbach und in Fulda haben mir bestätigt, daß eine normale HU genügt hätte, wenn ich die gleichen Reifen wie im KFZ-Brief (egal ob DDR- oder BRD-Brief) montiert hätte.

Unwissenheit hat mich zusätzlich 121,30 € gekostet; die deutlich besseren Reifen sind es vielleicht wert.

 

Auf dem neuen Fahrzeugschein steht wieder 311/3 PKW-Kombi mit Nullen für die TSN – egal.

Ich habe diesbezüglich tunlichst überall den Mund gehalten, denn sonst drohte mir eine sog. Vollabnahme; dazu hätte ich das Auto nach Fulda bringen müssen und es hätte weitere rund 250,- € gekostet. Aber auf dem Kennzeichen steht:  VB – W 3115.
Lustig ist auch in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 die Position U.1 Standgeräusch. Stand weder in einem der beiden alten KFZ-Briefe noch hat es der TÜV erfasst.

Ein Leerzeichen akzeptierte der Computer nicht, einen Strich auch nicht; erst als man eine Null hinein schrieb, kam man im Menü in die nächste Zeile.

Ich habe nun einen der weltweit leisesten Wartburg 311 mit 0 dB(A) Standgeräusch (das stimmt ja auch … wenn der Motor aus ist).

 

So wurde mein Wartburg durch diese Verzögerungen 5 Tage nach dem 01. Juli 2015, seinem 58. "Geburtstag" (=Tag der Erstzulassung), wiederzugelassen.

 

Hoffe, Ihr freut Euch über die Besuche meines 311. Eure Ratschläge werden sehr offene Ohren finden.

Everything will be okay in the end. If it's not okay, it's not the end.” (JOHN  LENNON)

 


 

Titelbild: Dornröschen machte Schwierigkeiten  auf  der  Zielgeraden