Dornröschenschlaf N°6 (Signale 65-86)

Nicht allzu viel Platz zum Arbeiten...

Ein Wartburg im Winterschlaf

“There are no problems, only solutions.” JOHN  LENNON

Ende April 2015 Kabelbaum erhalten (nach Stand ab Januar 1962 gebaut). Mit Belegungsschema BG, WBA, Sika, ohne Schaltplan, ohne Belegung der übrigen Anschlüsse.

Musste mir mit meinem alten falschen 1957er Schaltplan und einem vermutlich auch nicht richtigen aus dem Internet (wegen geringer Auflösung keine Farben und Nummern zu erkennen!!!)  und Durchgangsprüfer selbst seitenlange Exceltabellen machen

So dauerte meine "Theorie" im Wohnzimmer statt einem Tag zwei-zweihalbe Tage. Nun gut, mit Versuch und Irrtum lernt man mehr; aber unnötig.

Die Anschlüsse des Tastensatzes für Licht und Scheibenwischer hatten sich mir  trotz "Sudoko-Vorgehens" nicht erschlossen.

 

EBERHARD (GORONTZI), mein treuer email-Berater, erkannte sofort mein Problem und schickte mir eine Kopie seines 312er-Schaltplanes. Da wurde plötzlich Quälerei zu Vergnügen!

 

Hier zum Beispiel die Funktion von  T 1 (Standlicht L),  T 2 (Standlicht R),  T 3 (Scheinwerfer),  Ruhekontaktrelais

Funktion

Wirkung

Zweck

T 3 "aus"

bei Lichthupe "ein" (wird über  Si 12 R  das Fernlicht L + R  eingeschaltet) wird über  T 3 Ruhekontakt  das Ruhekontaktrelais "ein"

Sonst würde die Lichthupe "ein"  bei Fußabblendschalter Stellung "Fernlicht"   über  Si 12 R,  Brücke,  Si 11 R  das Standlicht einschalten!,  also insb. das Schlusslicht einschalten!!!

T 3 "ein"

1.  über  Fußabblendschalter  Scheinwerfer  "ein" (Abblendlicht oder Fernlicht)
2.  über T 2 Ruhekontakt  Standlicht L + R  "ein"
3.  Ruhekontakt von T 3  unterbricht Schaltung von Ruhekontaktrelais durch Lichthupe

Sonst würde die Lichthupe "ein" das Standlicht ausschalten!, also insb. das  Schlusslicht ausschalten!!!

T 2 "aus"

bei  T 3 "ein"  kann über T 2 Ruhekontakt vom Ruhekontaktrelais  Standlicht L + R  eingeschaltet werden

 

T 2 "ein"

(wird Standlicht R + L eingeschaltet)
unterbricht  T 2 Ruhekontakt  Zuleitung vom   Standlicht R  zu  Ruhekontaktrelais

Sonst würden über Ruhekontaktrelais und Fußabblendschalter die Scheinwerfer eingeschaltet!!!

T 1 "aus"

bei  T 2 "ein"  kann von  T 2    Standlicht L  eingeschaltet werden

 

T 1 "ein"

(wird Standlicht L eingeschaltet)
unterbricht  T 1 Ruhekontakt  Zuleitung vom   Standlicht L  zu  Ruhekontaktrelais

Sonst würden über Ruhekontaktrelais und Fußabblendschalter die Scheinwerfer eingeschaltet!!!

Nun zu einem praktischen Problem; die beiden Kabelbäume nach hinten zu verlegen.

Der Himmel ist faltenfrei und bestens geklebt an den Rändern und ich wollte keinesfalls an den Seiten den Himmel ablösen.

Erste Idee:

Hinter altem Kabelbaum Schnur hinterher ziehen – damit kann man jedoch nur ziehen

Zweite Idee:

Hinter altem Kabelbaum Stahlseil hinterher ziehen; schon besser, so kann man ruckelnd etwas drücken.

Stahlseil muss also so dünn sein, dass es um die (unsichtbaren) Ecken und Kanten geht, und so dick, dass man es auch schieben kann. Gekauft 5mm Billig-Baumarkt-Stahlseil, 2,5 m lang.

Erfreut stellte ich fest, dass man mit diesem, wenn es klemmt, durch Drehen "wilde Bewegungen" (es krangelt) hervorrufen kann.

Wichtig ist deshalb die Kausche (o.ä.) auf einer Seite, damit man gefühlvoll ziehen, schieben und drehen kann.

Säuberlich getaped der Anschluss zum Kabelbaum dauerte es (ich war allein!) mit Ziehen, Schieben, Ruckeln und halben Drehungen in beide Richtungen keine 3 Minuten und der alte Kabelbaum war  –  von vorn nach hinten mit dem Stahlseil hinterher –  draußen; genauso schnell war der neue  –  von hinten nach vorn mit dem Stahlseil gezogen –  drin! Rechts wie links problemlos.

Phantastisch, wenn ich daran denke, dass ich davor seit Wochen riesen Bammel hatte.

Übrigens, schon vor 50 Jahren hatte man sehr ordentlich gearbeitet, mit welcher handwerklichen Sorgfalt hier die Kabel zusammengefasst wurden ist beeindruckend.

Das Fahrzeug hat 6V-Elektrik.

Um Verbraucher mit 12V (Navi, Kühlbox) nutzen zu können, habe ich an die Anschlüsse des (unnützen) Zigarrenanzünders im Tastenschaltersatz rechts eine Steckdose installiert. Da kann ich bei Bedarf den Wandler 6V-12 V anschließen.

Um Verwechslungsgefahr auszuschließen, sind bei mir 6V-Dosen/Stecker klein, 12V-Dosen/Stecker groß.

Damit der Konverter nicht unnötig mitläuft; Anschluss, wenn benötigt, per "kleinem 6V-Stecker" (orange Schutzhülle, Massekabel direkt von Karosse an Konverter) in einer normal nutzbaren "kleinen 6V-Stedo" (Zuleitung vom nicht genutzten Kabel des Zigarrenanzünders).

Auch mit den, nun 3, vorhandenen Schaltplänen waren Schwierigkeiten eher Normalität.

Auf den Geräten (Scheibenwischermotor, Lima, Regler, …) waren die Bezeichnungen der Anschlüsse mitunter schwer lesbar (oder nicht zu finden).

Die Bezeichnungen und die Reihenfolge stimmte oft mit keinem meiner Schaltpläne überein.

Auch hier ein Beispiel.

Die Lima hat die Bezeichnung: 8001.5   64   6V 220W   TGL 6130   Nr. 29365.

Als Anschlussbezeichnung ist eingeprägt: DF   D-   D+

Im 1963er Schaltplan:  31   DF    D+

Und da im 1963er Schaltplan die Reihenfolge der Anschlüsse des Reglers auch nicht mit der tatsächlichen übereinstimmt, war wieder einmal die Hilfe von EBERHARD email-gefragt.

Ich musste die Kabel vom Unterbrecher zu den Zündspulen (diese sind klar den entsprechenden Zylindern zugeordnet) verlegen. Nach bereits einigen Aha-Erlebnissen war ich vorsichtig. Also ins Internet geschaut und EBERHARD gefragt.

 

Wo ist Zylinder 1 ???

Meine Erinnerung aus meinen DDR-Berufskraftfahrerzeiten mit Moskwitsch, "Karpatenziege", LO, W50 war, dass Zylinder 1 der vordere ist.

Es war wohl historisch entstanden, bei vorn längs eingebautem Reihenmotor, dass Zylinder 1 der vordere ist.

Als Motoren auch quer oder mittig oder hinten eingebaut wurden, hatte man festgelegt, dass die Zählung auf der Seite beginnt, die der Kupplung gegenüber liegt (DIN 73021; in der ehem. DDR gab es dazu die TGL 6864/05)

Hier kann man eindeutige Abbildungen dazu sehen: http://www.oldtimer-markt.de/ratgeber/technik-lexikon/zündfolge-hübsch-der-reihe-nach

Im Unterbrechergehäuse sind die Unterbrecher ordentlich mit 1,2,3 gekennzeichnet.

Wenn man nun im Internet unter "Wartburg / zylinderreihenfolge" googelt, wird gesagt, dass Zylinder 1 der hintere ist, also der neben der Kupplung!

EBERHARD sagte es mir trotz meiner mehrerer Hinweise auf DIN etc. genauso und zitierte dazu den Ratgeber Wartburg 1. Ausgabe 1988 (IHLING).

Geprüft mit Schraubendreher, wo Kolben steht bei öffnendem Unterbrecher – der Zylinder 1 ist wirklich hinten.

Oje, das wäre richtig schief gegangen.

Weiß jemand, wie diese Widersprüchlichkeit beim Wartburg erklärbar ist.

Vielleicht kann jemand in der "Signale" eine Antwort geben.