Nacht und Tag in Eisenach (Signale 64-85)

Der seltene Ihling-Trans von Martin Völz hatte auch Heimweh

Martin Völz über seine Erlebnisse beim Heimweh-Treffen

Als ich eine halbe Stunde vor Mitternacht am Festplatz Spicke in Eisenach ankam, war das Tor noch offen. Also fuhr ich durch und kam mangels freier Parkfläche erst vor dem Vereinscamp der  a-w-e Heimweh - Truppe zum Stehen, weil es dort wegen der Menschenansammlung nicht mehr weiter ging.

Nach dem ich ausgestiegen war, begrüßte mich sogleich Enrico Martin. Wir hatten uns ja bei der Techno Classica in Essen kennen gelernt. In dem er mir ein orangefarbenes Armbändchen umklebte, lud er mich damit auf Vereinskosten zum Bier ein, wovon ich an dem Abend dann auch etwas Gebrauch machte und mich hier noch einmal herzlich bedanke. Mein Auto, den Wartburg Trans aus der Werkstatt von Rolf Ihling, parkte ich dann erst in der 2. Innenreihe auf dem Platz. Bevor ich mein Ladeflächenschlafzimmer bezog, suchte ich meinen Freund Olaf aus Prenzlau, der bereits am Donnerstag mit 312 Limousine und Wohnwagen nach Eisenach gefahren war, um noch ein wenig zu quatschen.

Am mittelfrühen Morgen frühstückte ich meine übrig gebliebene Leberwurststulle mit lauwarmem Thermoskannentee vom Reiseabend. Für das Entrichten des Wochenendobolus bekam ich an der Platzeinfahrt, die ich nun zu Fuß aufsuchte, die Teilnehmernummer 242. So viele Leute waren schon da! Als einer der Nächsten traf in dem Moment Torsten Lucas aus seinem 100 km entfernten Heimatort ein. Er war ein wenig aufgeregt. Vorne links machte sein frisch renoviertes Fahrgestell Geräusche! Ein mahlendes Geräusch in Abhängigkeit von der Rollgeschwindigkeit des Autos. Erste, und später bestätigte Vermutung: Radlager kaputt. Darauf erst mal einen großen Kaffee in der Bauernstube. Dann umsehen im Teilelager und Rundgang zwischen den Wartburgs. Dabei trafen wir Eberhard Gorontzi, der von Torsten sogleich wegen der dringend benötigten Ratschläge vereinnahmt wurde.

Nur kurz: an Teilen gibt es alles, was gebraucht wird, in unterschiedlichsten Preislagen, gern auch teurer.

Am späten Vormittag war der gesamte Platz mit Wartburgs gefüllt. Es scheint mir, dass dies vorrangig mit Tagesbesuchern geschieht, die ihr Auto abstellen und sich für einige Stunden umsehen und bleiben. Abends war der Platz jedenfalls wieder ähnlich belegt wie morgens. Meinen Schönheitspreis erhält ein hervorragend restaurierter Wartburg 311 Rundheckkombi. Den Seltenheitspreis dürfte der zu besichtigende Wartburg 311 Kübel erhalten. (Allerdings war mein Ihling-Trans auch der Einzige. Erstaunlich viele Insider haben das Auto entsprechend einordnen können.) Den Originalitätspreis bekommen gleich mehrere 353 Limousinen aus dem ersten Baujahr, vorzugsweise in Weinrot. Den Überraschungspreis erhält von mir eine restaurierte 353er Limousine in Schwarzchrom und caprigrün. Auch in diese Ausführung wird mittlerweile Aufwand gesteckt. Ein junger Mann unserer "Kindergeneration" hatte den Frontkühlerwagen seiner Tante wieder auf die Straße gebracht und war aus Neustrelitz angereist. Daher ist er mein Anwärter für den Abenteurerpreis. Eigentlich leider sind auf dem Treffen mehr 353 als 311/312 zu sehen. Sicher liegt das an den besseren Fahreigenschaften der Baureihe und auch am Alter der Eigentümer! Ich weiß nicht, ob ich die Muße hätte, mit einem 311er die Strecke von Prenzlau nach Eisenach zu fahren. Trotzdem: es waren schöne Wartburg aller Varianten und Baureihen und -jahre zu sehen.

Hervorgehoben wurde seitens a-w-e der 50. Geburtstag der 300/HT. Etwas mehr als ein Dutzend Fahrzeuge hatte man repräsentativ in einer Reihe Aufstellung nehmen lassen. Abends war vom HT-Register etwas Neues zu erfahren: Da die Stückzahl der gebauten Fahrzeuge an Hand der Fahrgestellnummern nicht ermittelbar ist, hat man anderweitig und durch Befragungen folgendes recherchiert: Es könnten etwa 130 HT auf 311er und etwa 710 auf 312er Fahrgestell montiert worden sein. Mehr als 300 Stück sind heute noch registriert, 60 davon kamen jüngst bei einem Treffen in Dresden zusammen.

Wegen der zunehmenden Wärme suchte ich Schatten im Bierzelt und erzählte mit Torsten noch eine Weile, bis Ellen mit Ansgar und Charlotte, sowie  Tanja mit Stephan, Jonas und Oliver eintrafen, mit denen auch einiges zu erzählen war, was bis über das Abendbrot hinaus dauerte. Zur Wissenserweiterung besuchten wir dann den Vortrag über den Karosserie- Automobilbau der Gläser-Werke Dresden. Erst im vergangenen Jahr gab es darüber eine schöne Ausstellung im Verkehrsmuseum. Da fällt mir gerade ein: Olaf Heineken habe ich nur am Freitag Abend beim Bier gesehen. Dann nicht wieder. Wo warst Du?

Spät abends gab es dann noch schöne Musik einer Rockband im Bierzelt und vor dem a-w-e Vereinscamp musizierten sich in hoher Qualität und ungewöhnlicher Weise zwei Gitarristen, eine Geigerin und eine Sängerin durch die Rockmusikgeschichte. Das in angenehmer Lautstärke und ziemlich lange in die Nacht hinein. Für mich war das die richtige Dosis zum entspannen und Stress abwerfen. Hier traf ich auch Peter Milinski, der vor etlichen Jahren das Wartburg-Forum in Internet initiiert, sich jetzt aber davon zurückgezogen hat. Trotz begonnenem Hausumbau bleibt er seinem Wartburg aber treu.

Leider war meine Zeit für dieses Wochenende durch äußere Umstände zu knapp bemessen. Für den Besuch bei Freunden, die an der Route wohnen, fand ich nicht genügend Zeit, da ich nicht zu spät zu Hause sein wollte. Also beschloss ich, mit Freund Olaf aus Prenzlau am Sonntag nach dem Frühstück nach Hause zu fahren. Da es sehr warmes Wetter war, musste ich in der engen Trans-Fahrerkabine sowieso die Fenster öffnen. Da war es nicht so schlimm, relativ langsam bei ungewöhnlich niedrigem Benzinverbrauch hinter Olafs Wohnwagengespann her zu trödeln. Der Unterschied in der Fahrzeit zwischen Hin- und Rückreise betrug lediglich 1 ½ Stunden.

Es bleibt festzustellen: Trotz seiner Größe ist es ein entspanntes Treffen. Von Zwischenfällen, Ärger und Sauferei ist nichts zu merken. Ich habe nur freundliche und zufriedene Leute getroffen. Es ist keine Kleinigkeit, die Organisation für 250 Wochenendteilnehmer und ebenso viele Gäste zu beherrschen. Vieles muss bedacht werden und ist mit hohem Planungs- und Durchführungsaufwand zu realisieren. Doch von dem Kraftakt merkt man kaum was. Enrico und seine Freunde vom a-w-e sind stets präsent und nach Möglichkeit für jeden zu sprechen. Sie gönnen sich nur kurze Nächte, um immer da zu sein. Alles scheint bestens zu klappen. Und sie nehmen sich Zeit, von Donnerstag bis Montag, Zeit anzufangen und Zeit aufzuhören. Das beeindruckt mich, auch wenn ich es noch nicht miterlebt habe.

Nach diesem Treffen habe ich Heimweh!

 

es grüßt Euch Euer zufriedener  Wartburg Fahrer

 

/ Martin Völz