IFA-Pannenhilfe (Signale 63-84)

Pannenhilfe im Garten - so geht das bei IFA-Freunden

Oldtimerfans helfen sich gegenseitig

Andrea und Markus aus Leipzig, sowie Bastian und Steffi aus Karlsruhe waren mit ihren Wartburgs und Wohnwagen zu Besuch. Allerdings unfreiwillig. Die elektronische Zündung des 353 von Andrea und Markus hatte schlapp gemacht und das Teil war durch die klassische Unterbrecherplatte ersetzt worden.

Da aber die Fahrer der Autos erst kürzlich vom Trabant auf  Wartburg umgestiegen waren und das Auto zudem nur von einem Freund ausgeliehen war, hatte man darauf vertraut, dass eine neue Unterbrecherplatte auch richtig eingestellt ist. Zweites Auto war ein tiefer gelegter Wartburg 1.3, dessen Besitzer Basti vom Wartburg-Zweitakter auch keine Ahnung hatte. Anscheinend konnte auf dem ganzen Trabi-Treffen in Anklam, dass die vier besucht hatten, niemand die Wartburg-Zündung einstellen! Da der Motor lief, traten die vier Freunde den Rückweg der Reise an, kamen aber nur bis in die Prenzlauer Gegend.

Als ich vom Hundenachmittagsspaziergang zurück kam, waren auf dem liegengelassenen Handy vier Anrufe in Abwesenheit mit unbekannter Nummer! Mein Rückruf ergab den Kontakt zu Markus, der in der Zwischenzeit bereits vom ADAC abgeschleppt wurde. Wir vereinbarten als Treffpunkt eine Tankstelle, zu der der Abschlepper umgeleitet wurde. Ich traf dort zeitgleich ein. Nach dem Bekanntmachen und kurzer Klärung des Problems machten wir uns an die Arbeit. Beim Herausschrauben der Zündkerzen dann eine ungute Überraschung: Im Kerzenschaft des 3. Zylinders steckte ein kleiner Metallstift! Zu vermuten war die Nadel eines in Auflösung begriffenen Motor-Lagers. Manchmal hätte der Motor schon komisch geklungen, hieß es, aber er sei ja bis jetzt gelaufen. Ein Argument, den Motor nicht sofort aufzugeben. Also stellte ich die Zündung ein. Hauptursache für die Zündunwilligkeit des Motors waren die nicht eingestellten Kontaktabstände der Unterbrecher. Der Zündzeitpunkt ergab zu meiner Überraschung nach eingestellten 0,6mm Abstand kaum Abweichungen von den vorgeschrieben 3,58 mm vor OT. Eine Proberunde ergab, dass das Auto sich wieder gut fahren ließ.

Es blieb die Unsicherheit über den Zustand der Motorlager. Da es bereits gegen 18 Uhr war, und die Freunde eigentlich an diesem Tag noch nach Nordhausen wollten, um dort bei anderen Freunden noch ein paar Urlaubstage zu verbringen, stellte sich die Frage nach der Weiterfahrt. Gibt der Motor den Geist auf, steht man da im Dunkeln auf der Autobahn und müsste sich wieder abschleppen lassen. Also bot ich den Vieren (und einem Hund) an, auf unserem Grundstück zu übernachten. Schließlich hatten sie ihre Häuschen dabei. Die Fahrt über die 15 km bis Prenzlau überstand der Wartburg mit dem Queck im Schlepp erst mal. Unter Verwendung des Reiseproviants und dem was bei uns im Vorrat war, bereiteten wir uns ein schönes Abendbrot und verquasselten den Abend. Am anderen Morgen, zur Zeit allgemeinen Arbeitsbeginns, starteten die beiden Autos und deren Besatzungen. Plan A: Fahrt wie geplant nach Nordhausen, Plan B: Fahrt nach Leipzig, den nicht ganz zuverlässigen Wartburg dort lassen und das Westauto vor den Wohnwagen spannen, um dann die Freunde zu besuchen. Am Abend bekam ich eine SMS geschickt: es war Plan B geworden. Der Wartburg war "mit kleinen Aussetzern" bis Leipzig gekommen.

Da ich selbst vor etlichen Jahren in Leipzig die geniale Idee der Pannenhilfe zu schätzen lernte, als mir ein Ersatzanlasser fehlte und ich Hilfe bekam, hat es mich jetzt sehr gefreut, auch einmal Hilfe leisten zu können. Die sehr nette Begegnung und ein herzliches Dankeschön waren der Lohn. Bisher ist mir noch nicht zu Ohren gekommen, dass eine weitere Oldtimerszene sich so ein System geschaffen hat. Es freut mich und ich bin den Betreibern des Systems um Stefan Haselau dankbar, dass es seit einigen Jahren uneigennützig existiert und funktioniert.

Als allzeit gute Fahrt,  euer

Martin Völz