Wartburg-Messe (Signale 62-83)

FFE auf der 1. Automobilausstellung in Berlin

Eisenacher Wartburg-Wagen sind schon seit 1899 auf Automobilmessen zu sehen

 

Am  4. Oktober wurde der neue Opel Corsa E, der seit November in Eisenach produziert wird, erstmalig offiziell auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Die „Mondial de l`Automobile“ in Paris ist nach wie vor die bedeutendste und  meistbesuchte  Automobilausstellung der Welt und gleichzeitig die älteste, aller Automobilmessen.

Erstmalig wurde sie  1898 ausgerichtet und schon damals strömten über 140.000 Besucher in die Hallen im Jardin des Tuileries um die damals bereits 232 ausgestellten Motorwagen zu sehen.

Die erste Automobilausstellung in Deutschland wurde ein knappes Jahr später, am 3. September 1899 in Berlin im Exerzierhaus und auf dem Kasernenhof des II. Garderegiments eröffnet und war mit den 150 dort präsentierten Motorwagen ein riesen Ereignis. Das Berliner Tageblatt titelte damals von der „Ausstellung der Zukunftswagen“ und berichtet über die Vielseitigkeit, „mit der man schon das Automobil dem Verkehr, dem Vergnügen und dem Sport nutzbar zu machen verstanden hat“. Massiv gefördert und unterstützt wurde der Veranstalter, der Mitteleuropäische Motorwagen-Verein, dabei von den kaiserlichen Militärbehörden, der Reichspost und dem Berliner Polizeipräsidium. Unter den 81 deutschen Ausstellern gab es nur 4, die durch ihre Größe und industrielle Herstellung herausstachen und das waren Daimler, Benz, Opel und die Fahrzeugfabrik Eisenach.

Aufsehenerregende Präsentation durch Wilhelmine Ehrhardt

Der engagierte Eisenacher Fabrikdirektor Gustav Ehrhardt hatte sofort die Chance erkannt, die sich mit dieser ersten internationalen Automobilausstellung bot. Seine eigne erste Begegnung mit Motorwagen geht offensichtlich auch auf den Besuch einer Messe in Chicago im Jahr 1896, am Ende seines mehrjährigen Amerikaaufenthaltes zurück. Er entschied, dass sich die Fahrzeugfabrik Eisenach an dieser Messe beteiligt und noch dazu mit einem der größten Ausstellungsstände überhaupt. So wurden mit großem logistischem Aufwand 10 Fahrzeuge aus der Eisenacher Produktion per Bahn nach Berlin transportiert und ein repräsentativ ausgestatteter Messestand zentral im Exerzierhaus aufgebaut. Dabei stellten die Eisenacher Fahrzeugfabrik nicht nur die Benzinmotoren angetriebenen Wartburg-Wagen in den verschiedensten Modellreihen aus, sondern auch den viersitzigen Wartburg-Victoriawagen mit 4,5 PS Elektromotor. Gustav Ehrhardt reiste mit seiner Frau Wilhelmine selber nach Berlin, um den Verkaufsstand zu betreuen. Auf dem Kasernenhof fanden für das Messepublikum gegen Entgelt Rundfahrten zur Präsentation stand. Dies übernahm für die Eisenacher Wartburg-Wagen die courgierte Wilhelmine Ehrhardt so beeindruckend, dass noch Jahre später die Wiener Allgemeine Automobil-Zeitung schwärmte: das „Frau Direktor Ehrhardt, welche gelegentlich der internationalen Motorwagen-Ausstellung in Berlin 1899 auf der Fahrabteilung die Ausstellungsbesucher durch die Gewandtheit und Grazie, mit welcher sie ihr Automobil lenkte, in Erstaunen setzte.“ Damit sicherte sich Gustav Ehrhardt für die Eisenacher Fahrzeugfabrik erfolgreich die überregionale Aufmerksamkeit und die Präsentation der Eisenacher Wartburg-Wagen wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Ab 1900 konsequent Wartburg-Wagen auf allen Automessen

Von diesem Erfolg beflügelt, setzte Gustav Ehrhardt fortan neben seiner Leidenschaft als Motorsportler, konsequent auf den Besuch aller bedeutenden Automobilausstellungen im deutschen Sprachraum.

Mit immensem logistischem und finanziellem Aufwand beteiligte man sich Ende Mai 1900 zeitgleich an 3 Fahrzeugpräsentationen. So erreichte man am 28. Juni bei der Preisbewertung der Motorfahrzeuge in Berlin eine Silbermedaille für einen Wartburg und war ab dem 31. Mai auf der Motorfahrzeug-Ausstellung in Nürnberg ebenso mit einem Ausstellungsstand vertreten, wie auf der zeitgleich am 31. Mai eröffneten „Ersten österreichischen Automobil-Ausstellung“ in Wien. Während Gustav Ehrhardt mit seiner Frau Wilhelmine nach Nürnberg reiste, um selber als Herrenfahrer am Rahmenprogramm, der Tourenwagenfahrt Nürnberg-Kitzingen, teilzunehmen, präsentierte man sich in Wien mit einen ebenso großen Stand wie im Jahr zuvor in Berlin. Dazu starteten bei der dort begleitend durchgeführten Automobilfernfahrt Salzburg-Linz-Wien noch zusätzlich 7 Wartburg-Motorwagen.

 

Besonderes Aufsehen durch einen geschmückten Wartburg auf der ersten IAA

 

Auf der Automobil-Ausstellung in Frankfurt a.M., die dann am 14. Juli 1900 eröffnet wurde, hatte man zwar nur einen Stand mit 3 Wartburg-Wagen, aber besonderes Aufsehen erzielte man dort in der als „Automobil-Blumen-Corso“ betitelten Ausfahrt. Der von Carl Voß, dem  Generalvertreter der Fahrzeugfabrik für das Rhein-Main-Gebiet gesteuerte prächtig geschmückten Wartburg-Wagen, wurde auf Grund seines Aussehens mit einer Silbermedaille prämiert.

Aus der Frankfurter Automobil-Ausstellung von 1900 ist zwischenzeitlich die bedeutende Internationale Automobil Ausstellung (IAA) geworden, die sich heute im  abwechselnden zweijährigen Rhythmus mit dem Pariser Autosalon  präsentiert und somit erst 2015 wieder ihre Pforten als Automobilmesse für Personenwagen öffnet.

Mit der Eisenacher Werksschließung am 21. April 1991 verschwand dann auch endgültig die Marke Wartburg vom Markt.

Mit der alljährlichen gemeinschaftlichen Präsentation von Wartburg-Automobilen des EDWFC und der RWF auf der Techno Classica in Essen wird somit die 115 jährige Ausstellungstradition der Eisenacher Fahrzeuge fortgesetzt.

/ Matthias Doht