Messe-Ertüchtigung (Signale 62-83)

So stimmungsvoll soll es nach dem Willen der Planer am Eingang Ost (Grugahalle) aussehen: Viel Glas und große Räume. Bild. Messe-Essen.de

Sie kommt nicht, sie kommt, sie kommt nicht... Nun kommt sie vielleicht doch...

 

Essen Anfang letzten Jahres waren die Bürger von Essen dazu aufgerufen worden über die Weiterentwicklung des Messegeländes an der Gruga abzustimmen.

Für die Stadt und die Messe Essen GmbH war das sehr eindeutige Ergebnis dieser Abstimmung ein Schlag ins Gesicht. Essen sagte deutlich NEIN! zum Ausbau des Messegeländes.

Das mitten in der Stadt gelegene Gelände platzt seit vielen Jahren aus allen Nähten. Die Messehallen sind zum Teil noch doppelstöckig ausgeführt und sind weit davon entfernt, dem Anspruch an moderne Präsentationen gerecht zu werden. Das Land NRW hält sich mit Investitionen zurück. Zu viele weitere Messestandorte, die zudem auch noch deutlich moderner sind, müssen unterhalten werden.

Die Messe in Essen ist fraglos ein Wirtschaftsfaktor in der seit vielen Jahren unter Zwangsverwaltung stehenden Ruhrmetropole. Warum dann dieses Ergebnis in der Abstimmung?

Eben weil Essen seit Jahren nicht nur beinahe, sondern vollkommen pleite ist. Allerorten Rückbau von Sozialeinrichtungen, keine Etats für Kultur und Sport, Schließung von Schwimmbädern und Verwahrlosung im öffentlichen Raum.

Das ist die Realität vieler Essener. Da will es einfach nicht einleuchten, dass viele Millionen Euro in die ebenfalls marode Messe gesteckt werden sollen. Vor allem, wenn man bedenkt, wie in den zurückliegenden Jahren Gelder verschwendet und Chancen leichtfertig vergeben wurden. So zum Beispiel bei einem lang zurückliegenden Plan zum Umzug des gesamten Messegeländes oder der Verkauf Messe-eigener Grundstücke an Wirtschaftsunternehmen mit der daran geknüpften Preisgabe jeglicher Expansionsmöglichkeiten vor Ort usw…

Außerdem sehen Planungen zur so genannten „Ertüchtigung“ der Messe Essen deren Vorrücken in die „grüne Lunge“ Essens, den Grugapark, vor.

Kaum verwunderlich also, das es den Bürgern reichte.

Nun soll also doch umgebaut werden. Woher die dafür benötigten fast 90 Millionen Euro nun kommen ist genauso erstaunlich, wie der Plan, die Messe im laufenden Betrieb umzubauen.

Die Not ist groß in Essen. Wichtige Messen wie die „Fibo“ oder die „Aluminium“ sind bereits abgewandert. Die „Reifen“ soll ab 2018 als Konkurrenzveranstaltung zur neuen „Tyres Cologne“ stattfinden, wird aber nicht mehr vom Bundesverband des Reifenhandel- und Vulkanisier-Handwerks unterstützt.

Stellt sich die Frage, wie ernst ist es diesmal mit den Umbauplänen?

Der Spatenstich ist für den Mai 2016 geplant.

Das könnte also bedeuten, dass auch die Techno Classica 2016 noch in den bisherigen alten Hallen stattfinden wird.

Ab Mai 2016 bis weit ins Jahr 2018 soll der Umbau dauern. Bei laufendem Ausstellungsbetrieb.

Da außer der Techno Classica Essen, kaum eine weitere Messe in Essen so viel Platz beansprucht, könnte das sogar funktionieren.

Wo indes die kleinen Clubs und Händler aus den bisherigen Doppelgeschoßhallen ab 2017 untergebracht werden können muss sich erst noch zeigen.

Das beträfe dann auch uns. Unser bisheriger Ausstellungsplatz in Halle 8.1 soll als einer der ersten unter die Abrissbirne geraten.

Indes hat sich in Deutschland die Sorge vor dem Mißmanagement von Großprojekten eingeschlichen. Ob Bahnhofs-Tieferlegung in Stuttgart oder Flughafenbau in Berlin, allerorten explodieren die Kosten derartiger Unternehmen und die Projektlaufzeiten verlängern sich ins Endlose.

Der Geschäftsführer der Messe Essen, Oliver Kuhrt, verspricht jedoch volle Kostentreue und verweist auf die sehr konservative Kostenplanung und die großen Mittel zur Risikorückstellung, die unliebsame Überraschungen verhindern sollen.

Vorfreude weckt er heute schon, in dem er ebenerdige Hallen mit viel Tageslicht und neuartiger Klimatisierung verspricht.

Dabei verweist er darauf, dass der jetzt beschlossene Umbau keineswegs nur eine Notlösung sei.

Wir warten erst einmal ab…

 

/ Stephan Uske

 


Titelbild: So stimmungsvoll soll es nach dem Willen der Planer am Eingang Ost (Grugahalle) aussehen: Viel Glas und große Räume. Bild: Messe-Essen.de