Der sächsische Konkurrent (Signale 62-83)

Der legendäre Messewagen hat, gleichwohl sehr derangiert, doch überlebt.

des Volkswagens

 

Auch wenn man den geliebten Oldtimer noch nicht aus der Garage holen möchte, da es draußen schneit, ungemütlich und kalt ist, gibt es doch angenehme Orte, die den Liebhaber alten Blechs anziehen.

"Einzelstück F9 Sportwagen, Messeexponat von 1950 gesucht!" Ich erinnere mich, mehrmals die Annonce mit etwa diesem Inhalt gelesen zu haben. Ich hätte nicht gedacht, dass der Sucher jemals fündig wird.

Um so erstaunter war ich, als ich las, dass dieses Fahrzeug zur Zeit in Chemnitz ausgestellt wird. Die Gelegenheit eines Treffens mit alten Studienfreunden in Sachsen nutzend, plante ich den Besuch des Museums für sächsische Fahrzeuge in Chemnitz mit ein. Da lag es nahe, dass ich mich mit Vereinsfreund Olav Siegert verabredete, der in fußläufiger Entfernung zum Museum wohnt. Am einzigen leicht verschneiten Sonntagmorgen diesen Jahres, relativ früh um 10.00 Uhr trafen wir uns verabredungsgemäß vor dem Eingang. Eigentlich neugierig auf die F9 gerieten wir aber erst in die Dauerausstellung des Museums. Diese ist einerseits recht DKW-lastig, was nicht verwundert, denn der DKW war vor dem Krieg das meistgebaute Fabrikat Sachsens. Dennoch ist es gelungen, viele seltenen Stücke dieser, wie auch der anderen Marken wie Wanderer, Audi und Framo auszustellen. Die Motorrad-Exponate waren äußerst vielfältig. Die Nachkriegszeit war nicht überrepräsentiert. Die ausgestellten Fahrzeuge gehören zu etwa einem Drittel Privatleuten, einem Drittel dem Trägerverein und zum letzten Drittel anderen Institutionen. Das Museum wird von einem Verein betrieben, der viel Mühe und Liebe in das Projekt gesteckt hat. So ganz ins Detail gehend habe ich den ehrenamtlichen Betreuer nicht ausgefragt.

Die F9 Ausstellung brachte es auf gut ein Dutzend Exponate. Cabriolet, Kabriolimousine, Limousine, Kombi, Kübel und der Sportwagen, sowie ein Westverwandter waren zu sehen. Teils in mehreren Exemplaren. Gefehlt hat eins der etwa 2000 Autos, die noch in Zwickau produziert wurden. Audi Ingolstadt hat seinen Prototypen aus dem Werksmuseum mit ausgestellt. Sogar einer der ersten Dreizylinder-Zweitakt-Versuchs-Motoren, der quer zum Getriebe, bzw. der Fahrtrichtung eingebaut war, so wie der F8 Zweizylindermotor, hat überlebt und war zu sehen! Einer von zwei 1950 gebauten Rennwagen, der später umkarossiert worden ist, war dank der un-lackierten Alu–Karosserie ein Hingucker.

Und der Sportwagen? Aus den traurigen Resten wird man nie wieder mit sinnvollem Aufwand ein fahrfertiges Auto machen können. Zu viele Jahre hatte das Auto in einem verfallenen Schuppen auf einem ungepflegten Grundstück verbracht. Der Zahn der Zeit nagte am Blech in fortgeschrittenem Stadium. Dem mit historischem Autosachverstand gesegneten Finder des Sportwagens ist es zu verdanken, dass er nicht in der Schrottonne gelandet ist. Die jetzigen Eigentümer denken über einen Nachbau nach. Die Sinnfrage eines solchen Vorhabens wird sich nicht klären lassen. Audi hat schließlich auch einige der in der Sowjetunion verschollenen Rennwagen nachbauen lassen. Manch ein Liebhaber baut sich aus den verschiedensten Original- und eigens angefertigten Neuteilen seinen Lieblingsoldtimer zusammen, auch wenn es das Auto in dieser Substanz niemals zuvor gegeben hat. Aus handwerklicher Sicht kann ich das rechtfertigen. Historisch gesehen ist mir der originale Schrotthaufen lieber. Der museale Nutzen eines solchen Einzelstückes wie dem F9 Sportwagen ist hier sicher gegeben.

Die Ausstellung ist auf jeden Fall sehenswert, denn der F9 steht doch etwas im Schatten seines Nachfolgers. Eine Überraschung für den Wartburg 353-Fahrer birgt das Museum ebenfalls. Olav und ich waren zufrieden. Einen Besuch in Olavs Garage und die Besichtigung seiner derzeitigen Freizeitbeschäftigung rundete meinen Besuch ab.

Dieser Einstand ins Oldtimer-Jahr 2015 machte mir wieder Lust auf mehr. Hoffentlich sehen wir uns alle zur Techno-Classica in Essen!

 

Man sieht sich, Euer

/ Martin Völz

 


Titelbild: Der legendäre Messewagen hat, gleichwohl sehr derangiert, doch überlebt.