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Der Wartburg-Urahn erhält ein neues Display

Der Umbau der Automobilen Welt Eisenach hat begonnen

 

Achtung Baustelle! Mit freundlichen Hinweisschildern informiert das Museum Automobile Welt Eisenach seine Besucher über aktuelle Einschränkungen in der Ausstellung des Museums.

Zur Freude der Besucher bleibt das Museum jedoch während der nun begonnenen Umbaumaßnahmen weiter geöffnet.

Das war nicht von Anfang an so geplant. Anfang März waren die Einschränkungen für die immer zahlreicher werdenden Gäste des Museums auch kaum spürbar. Lediglich der Bereich um den Wartburg-Motorwagen und die Kasse wurde durch eine graue Folie vom Rest des Museums abgetrennt.

Hinter dieser Folie tat sich aber entscheidendes: Das Unternehmen Artus-Atelier aus Erfurt gestaltet hier das erste der zahlreichen neuen Module des vollkommen überarbeiteten Ausstellungskonzepts.

Die Planungen sind sehr ambitioniert. Seit das Gebäude O2, welches um 1935 als Betriebsgebäude errichtet wurde, die neue Heimat des bis dahin in der Wartburg-Sparkasse untergekommenen Museums wurde, sind gerade einmal 10 Jahre vergangen.

Am 04. Juni 2005 wurde das neue Museum feierlich eingeweiht. Die damalige Ausstellung umfasste 2 Räume im Hochparterre. Während der westliche Raum der eigentliche Museumsraum war und mit einer ansprechenden Gestaltung einen kurzen Abriss der über 100 jährigen Automobilhistorie Eisenachs gab, war der östliche Raum eine Art begehbarer Fundus. Hier wurden einige wunderschöne Exponate präsentiert. Jedoch fehlten weitgehend Erklärungen und Gestaltung.

Vor genau einem Jahr übernahm die Stiftung „Automobile Welt Eisenach“ die Leitung des Museums und seither wurden große Pläne für eine sinnvolle museale Nutzung des gesamten dreistöckigen Gebäudes entwickelt.

Dabei wurde stets berücksichtigt, dass der Automobilbau in Eisenach vor der BMW-Ära begann und auch nach Schließung des Wartburg-Werkes VEB AWE mit Opel bis in die Gegenwart weiterläuft.

Da liegt der Anspruch des Kuratoriums der Stiftung, sich nicht auf ein Werksmuseum zu beschränken, sondern die Planungen auf ein Industriemuseum auszuweiten auf der Hand.

Es mag den einen oder anderen Dixi-Fahrer, BMW-Fan oder Wartburg-Enthusiasten vielleicht enttäuschen, dass eben nicht nur die jeweilige Lieblingsmarke, sondern ein viel größerer Querschnitt in diesem neuen Museum präsentiert werden wird.

Für alle anderen bleibt die Aussicht auf eine modern und informativ gestaltete Ausstellung in deutlich modernisierten und erweiterten Räumlichkeiten.

Dabei gehen die Pläne der Stiftung weit über das laufende und das kommende Jahr hinaus.

Jedoch folgt der zweite Schritt naturgemäß dem ersten. Und der wird nun gerade gemacht. Das Museumskonzept unterteilt die Ausstellung in verschiedene Module. Das erweitert die gestalterischen Möglichkeiten erheblich, denn neben einer zeitlichen Einordnung der verschiedenen Fahrzeugmodelle, läßt dieses Konzept auch Raum für viele weitere Ideen. Doch dazu später etwas mehr.

Zurück zum Wartburg-Motorwagen. Dieser rüstige Veteran hat seinen Platz in der rechten Ecke, direkt am Eingang der gestalteten Ausstellung verlassen und wird künftig vor einer großformatigen Fotoreproduktion des Eisenacher Hotels „Kaiserhof“ aus den 1880er Jahren stehen. Sein neuer Platz ist ungefähr da, wo bisher der Kassenthresen war.

Der Ur-Wartburg wird auf einem Display aus Pflastersteinen stehen und auch künftig die Besucher bei ihrem Rundgang durch das Museum begrüßen. In diesem ersten Modul wird zukünftig die Zeit um Heinrich Ehrhardt, den Gründer der Fahrzeugfabrik Eisenach illustriert.

Die Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, war geprägt von der wachsenden Industrialisierung. Deshalb werden neben dem Wartburg unter anderem auch eine Drehbank, eine Nähmaschine und ein Fahrrad stehen, die mit Eisenach selbst weniger zu tun haben, die aber durchaus andere interessante Bezüge zum Wartburg-Motorwagen aufweisen. Mehr sei hier nicht verraten. Der Besuch im Museum soll sich ja noch lohnen!

Noch vor der Mitte des Jahres wird die Baustelle weiter wandern.

Zu den wesentlichen Änderungen werden dann die Drehung der Fahrzeuge zum Betrachter hin und eine etwas geänderte Erzählweise der Eisenacher Geschichte gehören.

Vom Wartburg-Motorwagen im Modul „Ehrhardt“ bis zum westlichen Ende der rechten Seite der Ausstellungshalle wird hier die Geschichte der Marken FFE, Dixi und BMW bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges erzählt werden.

In der anderen Hälfte der Halle läuft diese Geschichte mit einer eindrucksvollen Darstellung der Zerstörung des Werkes, stellvertretend für die Zerstörung der halben Welt durch diesen Krieg, weiter.

Von hier bis zurück zum Eingang wird die Nachkriegsära bis in das Jahr 1966, bis zum Wartburg 312 dargestellt werden.

Ab hier werden die Besucher in den östlichen Raum des Museums wechseln, wo die Zeitreise mit dem Typ Wartburg 353 fortgesetzt wird. In diesem Raum soll den Besuchern erklärt werden, unter welchen, teils schwierigen Bedingungen, die Erhaltung des heiß geliebten Familienmitgliedes „Wartburg“ in der DDR durchgeführt werden musste. Dazu wird durch den Allgemeinen Wartburgfahrerclub Eisenach (AWE), der allen Wartburgfahrern durch die engagierte Ausrichtung des Heimweh-Treffens bekannt sein dürfte, eine typische Schraubergarage der DDR-Zeit aufgebaut werden.

Der Rest des Raumes wird der  Darstellung der Herstellungstechnik der Wartburg aber auch der Geschichte der Fahrzeugproduktion seit der Wende gewidmet sein. Die Firma Opel bringt sich aktiv in die Gestaltung des Museums ein. Opel ist es zu verdanken, dass sich die Besucher des Museums in Eisenach demnächst selbst ein Bild über die Entwicklung der Herstellungstechniken im industriellen Automobilbau machen können.

Das Mittelgeschoß ist derzeit nur selten für interessierte Besucher geöffnet. Hier findet sich im Westteil das Modell des VEB AWE im Zustand bis zur Wende. Dieses Modell wird auch an diesem Standort verbleiben. Jedoch wird diese Etage künftig allen Besuchern offen stehen. Der interessierte Gast wird direkt im Treppenhaus ein kleines Café vorfinden, das zum Ausruhen und Verweilen einladen wird.

Im westlichen Raum wird, neben dem Modell auch eine Darstellung der neuesten Fahrzeuge aus der Eisenacher Produktion zu finden sein.

Dazu gehören auch moderne, roboterunterstützte Produktionsverfahren. Diese werden hier durch einen Roboter aus der Opelproduktion repräsentiert.

Daneben werden sich Eisenacher Prototypen der DDR-Zeit und - als Leihgabe - auch einige Motorräder finden.

Der östliche Teil dieser Etage soll später für die Präsentation des motorsportlichen Engagements (nicht nur) der Eisenacher Automobilbauer und für wechselnde Ausstellungen genutzt werden.

In einer weiteren Ausbaustufe wird den Besuchern zukünftig auch das Obergeschoß zugänglich sein. Hier wird es einen Saal für Feierlichkeiten aller Art geben.

Autos können in dieser Ebene leider nicht mehr ausgestellt werden, da es keine Transportmöglichkeit in das Obergeschoß gibt.

Mit der Öffnung des Mittelgeschosses für die Besucher wird auch die dauerhafte Verlegung des Ausstellungseinganges und des Kassenbereiches notwendig. Noch vor dem 10. Geburtstag des Museums im Gebäude O2, wird der Eingang in den Bereich in dem sich bislang das Wartburg-Chassis an der Wand befunden hat verlegt.

Die Kasse erhält ein Fenster zum Treppenhaus, um die Überwachung der Besucherströme zu gewährleisten.

Außerdem wird noch eine weitere große Investition die Modernisierung des Museums insgesamt prägen. Die östlichen Ausstellungsräume werden etwas verkleinert um einem behindertengerecht ausgeführten Aufzug Platz zu machen.

Zusammen mit dem Einbau eines Aufzuges direkt an der Eingangstreppe und dem Einbau einer behindertengerechten Toilette im Obergeschoß wird das Museum zukünftig endlich barrierefrei sein.

Während fast alle Arbeiten im Museum, insbesondere auch der Einbau des Fahrstuhls, während des laufenden Museumsbetriebes umgesetzt werden können, muss das Museum während der Verlegung des Einganges wahrscheinlich für ein paar Tage geschlossen werden.

Das Modul „Heinrich Erhardt“ soll im April fertiggestellt werden. Dann lässt sich schon erahnen, was sich die Stiftung Automobile Welt Eisenach für das komplette Museum vorgenommen hat. Der jetzige Umbau geht weit über ein bloßes re-Arrangement der bekannten Exponate hinaus. Hier steht wirklich ein umfassendes Konzept vor seiner Verwirklichung.

Das Engagement der Beteiligten ist riesengroß und schon jetzt dürfen wir gespannt sein und uns auf das freuen, was da in Zukunft in Eisenach präsentiert werden wird. Das Museumskonzept stellt eine würdige und gleichermaßen moderne Präsentation einer reichhaltigen Industriegeschichte in Aussicht, die den Besuch immer wieder lohnen wird.

Und zwar ausdrücklich für alle Dixi-Fahrer, BMW-Fans oder Wartburg-Enthusiasten und darüber hinaus für alle Technik– und Geschichtsinteressierten heute und in absehbarer Zukunft.

 

/ Stephan Uske

 

 


Titelbild: Der Wartburg-Urahn erhält ein neues Display