Abenteuer-Tour (Signale 62-83)

Reichsbahn, Rucksack, Reisefieber erschienen im Transpress-Verlag

Eine ungewöhnliche Reise durch die DDR

 

„Echte Abenteuer? Die gibt es doch gar nicht mehr!“ So oder ganz ähnlich hat sicherlich schon mancher Leser dieser Zeilen einmal gedacht.

Und doch liegt das nächste Abenteuer oftmals ganz nah. So zum Beispiel auch für Peter Kristandt und Ingo Thiele, die als Jugendliche Bundesbürger im Sommer 1978 eine Einladung in den Norden der DDR erhielten und die Anreise auf eigene Faust ein wenig verlängerten.

Das Ziel der Beiden war der Weg durch ein unbekanntes Land. Die DDR war gar nicht weit weg. Es gab keine Sprachbarrieren und doch war Ihnen  dieses Land so fern und unbekannt, wie es nur ging.

 

Der Grund für die abenteuerliche Reise der Beiden war Ihr Interesse an den letzten noch verbliebenen Dampflokomotiven der DDR im Planeinsatz.

Aus diesem Grund ist das vorliegende Buch naturgemäß eher etwas für Eisenbahnfreunde. Und doch nahm ich es in der Erwartung in die Hand, es könne auch gerade in diese Zeitschrift passen. Auf den Farbfotos ist der Alltag der DDR zu Beginn des letzten Jahrzehnts ihres Bestehens dokumentiert.

Die beiden Hobbyfotografen fingen überwiegend Dampflokomotiven auf ihren Bildern ein. Jedoch  sind auch viele andere Verkehrsteilnehmer zu sehen und viele Bilder und die gesamte Reisegeschichte zeichnen ein Bild des Abgesangs des sozialistischen Staates auf deutschem Boden.

Allerdings zu einem Zeitpunkt, als noch niemand ernsthaft an einen Zusammenbruch oder gar eine Wiedervereinigung dachte.

 

Die beiden kamen dicht an die Menschen heran. Das beschränkte Reisebudget der Jugendlichen erforderte die Übernachtung im Zelt. Dieses Zelt wurde immer wieder ganz unkonventionell in den Gärten freundlicher DDR-Bürger aufgeschlagen.

Ein Abenteuer war diese Reise auch für die Familien der Fotografen: 10 Tage unterwegs in einem fremden Land und einem als gefährlich angesehenen politischen System - was hätte da nicht alles passieren können?

Zum Glück ist nichts passiert. Die Autoren standen unter „freundlicher“ Beobachtung, hatten aber ansonsten nichts weiter auszustehen.

Am Ende überwiegen die Fotos von Dampfloks und Gleisanlagen im Buch. Auch die in Tagebuchform, abwechselnd von den beiden Autoren aufgeschriebenen Erlebnisse haben einen eindeutigen Fokus.

 

Und doch ist das kleine Buch eine Leseempfehlung wert. Es ist ein Zeitdokument. Ein Dokument, dass sowohl über die Autoren vor dem Hintergrund ihrer Herkunft im Westen, als auch über die DDR und ihre Bürger viel verrät.

Auch wenn IFA-Fahrzeuge nur eine sehr untergeordnete Rolle in diesem Buch spielen → eine klare Kaufempfehlung!

Erschienen ist das Buch der beiden Reisenden im September 2014 im Transpress-Verlag. Passend zum 25. Jubiläum des Falles der innerdeutschen Grenze und passend im ehemaligen Militär– und Transportverlag der DDR, der obwohl er schon sehr lange zu den Paul-Pietsch-Verlagen in Stuttgart gehört, seine Verbindung zu den Themen DDR und Eisenbahn bzw. Transportwesen nicht verloren hat.

 


 

Reichsbahn, Rucksack, Reisefieber

Eine ungewöhnliche Reise durch die DDR

Von Peter Kristandt und Ingo Thiele, erschienen im Transpress Verlag

Gebundene Ausgabe;

160 Seiten, farbige Fotos

Erschienen am 26. September 2014

ISBN: 3613714914, 13,95€