Einst Wartburg aufgepeppt (Signale 60-81)

Der Schriftzug des Wartburg 353

Der Vater des Wartburg-Schriftzuges

Gerhard Löwe aus Seitenbrück hat zu den Eisenacher Fahrzeugen eine besondere Beziehung.
Für den Wartburg 353, der 1966 erstmals von Band rollte, konnte er mit seinem Schriftzugentwurf überzeugen.

Seitenbrück/Seitenroda. So hat der Grafiker, der in Seitenbrück zu Hause ist, ein Stück an der Geschichte des einst in Eisenach gefertigten Autos mitgeschrieben. Ganz konkret geht es um den Wartburg-Schriftzug. "Für den 1966 eingeführten Wartburg 353 mit seinem modernisierten Fahrwerk mit 13 Zoll-Rädern, Einzelradaufhängung und Schraubenfedern wurde auch ein moderner Schriftzug gesucht", erinnert sich der heute 74-Jährige. Löwe erhielt den Kontakt nach Eisenach über seinen Freund Werner Liebscher, ebenfalls ein Grafiker aus Jena. "Der hatte damals schon verschiedene Drucksachen für das Wartburgwerk erstellt." Löwe arbeitete zuerst an einer Mappe für das dortige Automobilmuseum. "Gewünscht war ein Heft mit dem Titel "Die Vorfahren des Wartburgs 1896 bis 1966. 70 Jahre Automobilbau Eisenach". Neben der Konzeption der Mappe zeichnete Löwe historische Fahrzeuge mit Pinsel und Farbe. "Das hat man damals noch nicht am Computer gemacht", berichtet er. Während dieser Arbeit erfuhr er, dass für das neue Fahrzeug, den Wartburg 353 ein Wettbewerb für einen neuen Schriftzug ausgerufen war. Löwe machte sich an die Arbeit. Dass die nicht einfach war, hat er nach 40 Jahren noch nicht vergessen. "Die Schwierigkeit bestand darin, dass die Karosseriebleche gestanzt wurden. Die Stanzlöcher für den Schriftzug waren damit fest vorgegeben. Dafür einen Schriftzug zu erstellen, war eine knifflige Sache", erzählt er. Dass er sich mit seinem Entwurf durchsetzen konnte, beschreibt er als ein schönes Erlebnis und auch jetzt freut er sich, wenn er Wartburgs, die seine Schrift tragen, entdeckt. Seine Sammelmappe aus dieser Zeit hat der Grafiker für die ­Gestaltung des Programmheftes, das der Verein "Ostlegenden unter der Leuchtenburg" für das Treffen morgen erstellt hat, zur Verfügung gestellt. Dass Löwe einmal Grafiker werden würde, war nicht vorgezeichnet. Sein Schulleiter brachte ihn, weil er das Talent sah, auf die Idee, in diese Richtung zu gehen. "Damals wusste ich noch nicht mal, was ein Grafiker überhaupt macht", lacht Löwe. Der Schulleiter habe ihn dann zum Beruf des Architekten geraten. Da es nicht schaden konnte, dafür zuvor einen Beruf zu erlernen, absolvierte er nach der Schule eine Lehre zum Zimmermann. Ein dreiviertel Jahr habe er in dem Beruf gearbeitet, ehe er in die Arbeiter- und Bauern­fakultät (ABF) wechselte. "Die galt als Vorbereitung für das Studium und stand denen offen, die bereits einen Berufsabschluss vorweisen konnten", sagt er. Ein Zufall war es, dass Gerhard ­Löwe in den Semesterferien in Kontakt mit einer Werbeabteilung kam. "Ich war sofort gefangen und hatten riesen Glück, Werner Liebscher kennen zu lernen. Mit ihm habe ich viele Jahre zusammen gearbeitet und mir dabei viel aneignen können. 1971 gelang Gerhard Löwe die Aufnahme in den Verband Bildender Künstler. "Das war ­Voraussetzung, um in der DDR überhaupt freiberuflich arbeiten zu können", erklärt er. Durch seine verschiedensten Signet­entwürfe und seiner intensiven Beschäftigung mit der Schrift hatte er sich einen Namen gemacht. Im Verband führte er erst fünf Jahre als Stellvertreter und dann zehn Jahre an der Spitze die Sektion Gebrauchsgrafik im Bezirk Gera. "Wir waren 36 Gebrauchsgrafiker, die in enger Verbindung mit der Wirtschaft standen. Wir haben ja für die gesamte Industrie gearbeitet."

Ein weiteres Steckenpferd des Grafikers sind die Museen. Das erste, in dem er seine Handschrift hinterlassen hat, ist das "Museum 1806" in Cospeda. Zusammen mit Kurt Haufschild, der vielen vom Museum der Leuchtenburg bekannt ist, baute er die Ausstellung zur Militär­geschichte auf. Viel Eindruck hinterließ Gerhard Löwe im ­Naturkundemuseum in Gera. Er erstellte dafür nicht nur das Grundkonzept der Ausstellung, sondern lieferte das Gesamt­paket, angefangen von der Beleuchtung, dem Bau der Ausstellungsvitrinen, der Grafik, bis hin zur Farbgebung der Wände und Fußböden. "Der Kontakt zu ­allen Gewerken war hochinteressant und mein Zimmermannswissen unentbehrlich", erklärt er. Über 40 Jahre brachte er sich in die verschiedensten Ausstellungen auf der Leuchtenburg ein. Schott Jenaer Glas oder das Zeiss Planetarium sind nur zwei von unzähligen anderen Adressen, wo sich seine Handschrift wieder finden lässt.

Eine Aufgabe, die den Seitenbrücker noch reizen würde, wäre das Brehmhaus in Renthendorf. "Als es damals um die Gestaltung ging, hatte ich andere Aufträge und musste diesen abgegeben. "Damals habe ich fast geweint", erzählt er.

 

Mit freundlicher Genehmigung

 

/ Annett Eger

erschienen am 26.07.14 in der OTZ

gefunden von Torsten Lucas