Der Fürstliche (Signale 60-81)

Das Kennzeichen CG 722 gehörte zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Ausgestellt vom Landratsamt Ohrdruf für den DIXI R8 eines Fabrikanten und Zulieferers der Fahrzeugfabrik Eisenach aus Tambach-Dietharz.

Die wechselvolle Geschichte eines über 100-jährigen DIXI

Der bereits zur Eröffnung des AWE-Ausstellungspavillons am 27. Oktober 1967 in der Eisenacher Wartburg-Allee präsentierte und sehr aufwändig restaurierte DIXI 6/14 PS R8 hat eine recht wechselvolle und interessante Geschichte aufzuweisen.

Er stammt aus dem Besitz seiner Königlichen Hoheit, des Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha.

Carl Eduard kaufte 1910 den DIXI in der Eisenacher Fahrzeugfabrik und holte ihn dort auch persönlich ab. Er muss mit dem Wagen wohl recht zufrieden gewesen sein und wollte einen weiteren DIXI. Darüber berichtete die „Eisenacher Zeitung" am 3. Juli 1912: „Fürstlicher Besuch in der Fahrzeugfabrik. Seine Königliche Hoheit, der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, traf am Montagmittag kurz nach 12 Uhr in Begleitung des Oberstallmeisters, Rittmeister von Schack und einiger anderer Herren in der Fahrzeugfabrik Eisenach ein, um dort eine Limousine zu bestellen. Der hohe Herr unternahm in einem DIXI-Wagen einen Ausflug zur Wartburg und kehrte dann in Fabrik zurück, wo er ungefähr zwei Stunden verweilte." Nach der Testfahrt zur Wartburg hoch mit einem DIXI 24/50 PS U 35 muss den Herzog wohl vor allem die Leistung von 50 PS des 7.320-cm3- Vierzylindermotors überzeugt und beeindruckt haben. Er bestellte dieses Modell in der Ausführung als siebensitziges sog. „Triple Phaeton mit amerikanischem Steckverdeck".

Mit diesem DIXI muss „Seine Königliche Hoheit" nach einem Schreiben des Oberstallmeisters von Schack (7.12.1912) ebenfalls sehr zufrieden gewesen sein. Die Zufriedenheit blieb auch, nachdem größere Touren unternommen wurden. Am 5. Mai 1913 erhielt der damalige Betriebsdirektor der Fahrzeugfabrik Rauh aus Salzburg folgendes Telegramm: „wagen gestern katschbergpass und tauernpass mit 6 personen glänzend genommen, gratuliere zur leistung carl eduard".

Danach muss der Herzog wohl an weiteren repräsentativen PKWs Gefallen gefunden haben. 1914 vergrößerte er seinen Fuhrpark mit zwei anderen attraktiven Neuerwerbungen: Das war einmal ein RexSimplex 10/28 PS Torpedo der Automobilwerke Richard & Hering Ronneburg bei Gera, der sog. „Ronneburger  Mercedes" und zum anderen ein noch leistungsstärkerer „echter" Mercedes mit 7,7-Liter-Kompressormotor.

Bei einer derartigen Konkurrenz im herzoglichen Fuhrpark wurde auf einmal der DIXI 6/14 PS mit seinen 1.568 cm³Motor zum kaum beachteten Kleinwagen und deshalb ausgemustert.

Er stand dann jahrelang und wohl vergessen in einer Kutschen-Remise des Schlosses „Zur fröhlichen Wiederkunft". Das gehörte, idyllisch am Ortseingang Wolfersdorf in der Nähe von Stadtroda (heute Saale-HolzlandKreis) gelegen, ebenfalls zum Herzogtum.

Unmittelbar nach Kriegsende stöberte der Schmiedemeister Fischer aus Gera den DIXI dort auf. Er hatte wahrscheinlich von hier einquartierten Umsiedlern den Tipp bekommen. Der Schmied brachte den vollkommen verdreckten und verstaubten Wagen mit den von Mäusen zerfressenen Polstern irgendwie in seinen Besitz. Er selbst war nicht in der Lage den rein optisch heruntergekommenen Wagen wieder in Gang zu bringen noch zu restaurieren. Er stellte ihn im Kühlerbaubetrieb des Oldtimerfreundes Waldemar Förschner in Jena unter. Dieser besaß mehrere sehr gut restaurierte kleine 3/14 PS DIXIs. Sie erhielten bei der damals in der

 DDR üblichen Abnahmeprüfungen durch eine technische Kommission immer die volle Punktzahl. Deshalb hoffte der Fischer, dass der Förschner auch seinen Wagen restaurieren würde. Für den war jedoch der Sachsen-Coburg-DIXI eine Nummer zu groß.

Darüber hinaus war er beruflich sehr stark eingebunden und benötigte nach nunmehr zehn Jahren den Stellplatz wieder für seinen Betrieb. Der Schmiedemeister musste schließlich den Wagen heimholen und suchte verzweifelt einen kompetenten Helfer oder Oldtimerspezialisten. Da er nicht fündig wurde, brachte er den DIXI in die Autoverwertung von Karl Wimmer nach Weißenfels. Der Verwerter erkannte sofort den Wert des „Schrotthaufens", der rein technisch in einem nahezu einwandfreien und fast vollständigen Zustand war. Er bot ihn dem Automobilwerk 1957 im Tausch gegen einen neuen Wartburg 311 an. Der Deal klappte auch!

In Eisenach wurde der DIXI vorerst im Auslieferungslager „Spinnerei" sicher abgestellt. Danach landete er im Fuhrpark des Werks. Dort versuchte man ihn nach gründlicher Reinigung in Gang zu bringen.

Da nach der Anlaufperiode des neuen Wartburg 353 im Versuchsmusterbau Kapazitäten frei wurden, erfolgte dort nach der umfassenden Restaurierung des vom Heimatmuseum Riesa erworbenen Wartburg Motorwagens auch die des DIXI R8. Die damit beauftragten, zumeist älteren, nicht nur erfahrenen, sondern auch engagierten Automobilwerker lösten diese Aufgabe liebevoll. Deshalb stand danach der DIXI R8 wahrscheinlich besser als er 1910 von der Fahrzeugfabrik ausgeliefert wurde, wieder auf den Rädern.

Als zur Vorstellung des neuen Wartburg 353 auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1967 auch der Wartburg-Motorwagen, Baujahr 1900, gleichzeitig mit präsentiert wurde stahl der Alte dem Neuen fast die „Show".

Grund genug für Überlegungen die Geschichte des Eisenacher Automobilbaus durch eine entsprechende Fahrzeugausstellung sichtbar zu machen. Die Basis dafür war durch die beiden „Oldtimer" und zwei „Youngtimer" des ehemaligen 1957 aufgelösten Rennkollektivs gegeben.

Kurzfristig erfolgte die Realisierung dieses spontanen Vorhabens. Noch in Leipzig wurden ein Messe-Ausstellung-Pavillon und ein BMW 321 beschafft und danach recht schnell weitere Fahrzeuge, manchmal auch wieder im Tauschverfahren „organisiert".

So konnte bereits am 27. Oktober 1967 die Ausstellung mit einigen wichtigen Exponaten der damaligen fast 70-jährigen Geschichte des Eisenacher Automobilbaus in der Wartburg-Allee eröffnet werden.

 

/ Horst Ihling

Der Artikel erschienen in den „BMW Veteranen-Club Nachrichten“01/2014. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors