25 Jahre später (Signale 60-81)

Blick 2014 auf die Flächen des ehemaligen Westgeländes des VEB AWE, dem Platz an dem vor fast 120 Jahren die Fahrzeugfabrik Eisenach begann.

Jahrestreffen und Vollversammlung des EDWFC in Sünna

„Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“ antwortete Günther Schabowski am 09. November 1989 um 18:57 Uhr auf die wiederholte Frage des Bild-Zeitungs-Reporters Peter Brinkmann, wann die neue Reiseregelung der DDR in Kraft träte.

Bereits um 21:20 Uhr verließen die ersten DDR-Bürger die DDR in Richtung Westberlin.

Heute, 25 Jahre nach diesen wirklich historischen und glücklicherweise friedlichen Ereignissen, ist die Einheit unseres Landes Normalität geworden. Alltagssorgen bedrücken die Menschen. Manche wünschen sich sogar alte Verhältnisse zurück. Dabei jedoch völlig ignorierend, dass sich das Rad der Geschichte niemals zurückdrehen lässt (um es mit Karl Marx zu sagen) und es handfeste Ursachen für die Krise der DDR und die Reaktionen der BRD gab.

Der Erste Deutsche Wartburg Fahrer Club ist seit seiner Gründung ein gesamtdeutscher Verein, der sich mit der Pflege technischen Kulturgutes befasst, welches aus der DDR stammt aber mittlerweile anerkanntes gesamtdeutsches Kulturgut darstellt.

Unsere Mitglieder wohnen in allen Teilen dieses Landes und viele haben eben erst durch die Wende und Wiedervereinigung zum Hobby gefunden.

So war es folgerichtig, dass der Vereinsvorsitzende Martin Völz den Vorschlag unterbreitete, das Jahrestreffen 2014 an einem Ort entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu organisieren.

Mit Hilfe von Torsten Lucas wurde eine entsprechende Örlichkeit in Point Alpha gefunden. Wie bereits in den letzten beiden Ausgaben dieses Heftes nachzulesen, handelt es sich bei Point Alpha nicht nur um einen Grenzpunkt, sondern auch um einen der so genannten Hotspots des Kalten Krieges. Beide Seiten, sowohl der Warschauer Vertrag als auch die NATO, diesen Platz als eines der Hauptaufmarschgebiete für einen stets möglichen neuen Krieg identifiziert.

Im Keltenhotel Sünna fanden wir eine freundliche und komfortable Unterkunft in unmittelbarer Nähe von Point Alpha.

Von hier aus startete unsere Exkursion am Samstag, 23. August 2014.

Unsere Gästeführerin wartete schon auf uns und nach der Begrüßung und einem kurzen Video über die Ereignisse im Herbst 1989 begann eine wirklich ausführliche Führung durch Museum und Außengelände.

Wenn auch die Kinder deutlich litten, Grund für die Dauer der Führung waren die Gespräche, Nachfragen und Erlebnisberichte unserer Vereinsmitglieder zum Thema.

Martin hatte noch einen Studienfreund zur Führung eingeladen. Dieser Studienfreund hatte fast sein ganzes Leben in der grenznahen Sperrzone bei Point Alpha verbracht und konnte interessante Details über die damaligen Lebensumstände beitragen.

Aus einem Geschichtsvortrag wurde so ein Geschichtserlebnis. Vielen Dank an Martin und seinen Studienfreund und auch an die sehr freundliche und kompetente Gästeführerin von Point Alpha.

Den Nachmittag verbrachten einige Mitglieder in Vacha. Hier stand einer der Grenzwachtürme „BT-11“ direkt auf der Werrabrücke. Noch mehr beeindruckte jedoch das Haus Hoßfeld auf der Vacha gegenüber liegenden Werraseite. Mitten durch dieses Haus verlief die innerdeutsche Grenze. Die Bewohner des Hauses hatten den DDR-Teil in der Silvesternacht 1951 auf 1952 aus Furcht vor der drohenden Enteignung geräumt und die Tür zwischen dem hessischen und dem thüringischen Gebäudeteil zugemauert.

Seither verweigerte die DDR der Besitzerin den Zugang zum ostdeutschen Hausteil und erlaubte auch dringend notwendige Reparaturen nicht.

In Vacha steht auch die erste Mauer der innerdeutschen Grenze.

Am Abend fand die Jahreshauptversammlung statt.

Wie beim EDWFC üblich war auch diese Veranstaltung sehr gemütlich.

Dafür sorgte unter anderem das prachtvolle „Keltenbuffet“. Diese Ansammlung von Leckereien machte die Auswahl schwer und mancheiner war „gezwungen“ mehrfach aufzustehen und zum Buffet zu laufen.

Schlaraffenland im Keltenhotel. Mit einem tollen Buffet (im Bild ist nur ein Teil zu sehen), begann die Jahreshauptversammlung des EDWFC.

Da der EDWFC nur alle zwei Jahre einen neuen Vorstand wählt wurde die Zeit für die Besprechung der Vereinspräsentationen auf der Techno Classica 2015 als auch 2016 genutzt.

Über die Vereinsorgane „IFA-Kurier & Wartburg-Signale“ und die Webseiten „edwfc.de“ und „wartburg-

signale.de“ wurde gesprochen und die Arbeit des Vorstandes gewürdigt. Hervorzuheben sind hier das ständige Engagement von Martin Völz als Vorsitzendem, Jochen Graeve als Stellvertreter und Ansgar Glahse als Kassenwart des Vereins.

Ein besonderes Dankeschön galt Jürgen Wollhofer, der mit großem Einsatz seit Jahren für den zuverlässigen und hochwertigen Druck unserer Zeitschrift sorgt.

Seit jener legendären Krisensitzung vor vielen Jahren in Berlin, hat sich im EDWFC ein Grüppchen gefunden, dass ohne Streitereien aber mit unheimlich viel Spaß am Zusammensein und am Hobby selbst aktiv ist.

Das zeigt sich auch und gerade in den Vereinssitzungen. Hier werden schon mal gegensätzliche Positionen diskutiert. Jedoch stets freundschaftlich und mit dem Wunsch gemeinsame Ziele zu verwirklichen.

Das scheint längst nicht überall so zu sein und ist damit eine Stärke unseres Vereins, die wir bewahren sollten.

Der Vorstand ist mit Recht zufrieden. Jochen Graeve (2.v.l.), Martin Völz (Mitte) und Ansgar Glahse (2.v.r.). Eberhard Gorontzi (ganz links) und Jürgen Wollhofer (ganz rechts) freuten sich ebenfalls. Der eine über eine gut überstandene Panne mit seinem 312, der andere über den Sammelband „Wartburg-Signale 1970-1989“.

Per Telefon grüßten wir die Teilnehmer des „Ungeplanten Treffens“ in Schwanewede, welches leider zeitgleich und weiter entfernt stattfand. Aber auch so kann Freundschaft funktionieren.

Der Aufenthalt in Sünna klang nach einem gemeinsamen Sonntagsfrühstück ruhig aus. Fast alle Teilnehmer machten sich auf den Weg ins nahe Eisenach. Matthias Doht hatte uns dankenswerter Weise eine Spezial-Führung im Museum „awe“ organisiert.

Die Führung durch das Museum „awe“ leitete Herr Fiesinger. Mit ihm konnte gefachsimpelt und manch neue Information zu bekannten Themen ausgetauscht werden.

Da er selbst zur Zeit unseres Treffens im Urlaub war, schickte er Herrn Fiesinger. Herr Fiesinger ist als langjähriger Betreuer des Automobilbaumuseums Eisenach ganz sicher Vielen ein Begriff. Schon mehrfach führte er mehrere Mitglieder durch sonst unzugängliche Teile des Museums. Zum Teil Monate vor der Eröffnung.

Auch dieses Mal gab es wieder neue und interessante Informationen zu einem eigentlich seit über 20 Jahren abgeschlossen Kapitel Technikgeschichte.

Wir bedanken uns auch sehr herzlich bei Herrn Fiesinger für seine Bereitschaft uns auch nach seiner Pensionierung und an einem Sonntagmorgen durch das Museum geführt zu haben.

Die Wanderung durch die Drachenschlucht als Alternativprogramm zum Museumsbesuch machte großen Spaß.

Da bei einigen Teilnehmern der Bedarf an Historie für ein Wochenende bereits gedeckt war, verabredeten sie sich zu einem alternativen Vormittagsprogramm in der berühmten Eisenacher Drachenschlucht. Zum Glück spielte das Wetter prächtig mit und auch dieser Ausflug war ein tolles Erlebnis.

Gemeinsam beendeten wir unser Jahrestreffen 2014 bei einem zünftigen thüringischen Mittagstisch im Eisenacher Kartoffelhaus.

Soweit bekannt, verliefen alle Heimreisen mehr oder weniger problemlos und allen Teilnehmern scheint das Treffen sehr gut gefallen zu haben.

Festzuhalten wäre noch, dass das Jahrestreffen 2015 wahrscheinlich Mitte September in Prenzlau stattfinden wird. Schon jetzt freuen wir uns auf ein Wiedersehen!

 

/ Stephan Uske