Das Museum am anderen Ende der Welt (Signale 59-80)

Blick auf einen Teil des Grenzmuseums Schifflersgrund vom Wachturm aus. . Foto: Wikimedia Commons

Museum am Tor zu einer anderen Welt

Dieses Mal nutzen wir den Titel unserer Serie in einem eher übertragenen Wortsinne. Das Grenzmuseum Schifflersgrund liegt mitten in Deutschland. Es hält mit seiner Ausstellung jedoch die Erinnerung an eine andere Zeit, eine andere Welt und deren Ende wach. Und das mit gutem Grund.

 

„Schon wieder was mit Grenzmuseum?“ Der EDWFC trifft sich in diesem Jahr tatsächlich anlässlich des Jahrestreffens 2014 an einer Gedenkstätte der Deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Der Anlass, wenn es denn eines solchen überhaupt bedurfte, ist der 25. Jahrestag des Mauerfalls in diesem Jahr.

Die Gedenkstätte „Point Alpha“ ist jedoch weder die einzige noch die älteste Einrichtung dieser Art.

Einige Kilometer nördlich gibt es (neben vielen weiteren) das Grenzmuseum Schifflersgrund bei Bad Sooden-Allendorf.

Das bereits am 03.10.1991 eröffnete Museum ist damit die wohl erste Gedenkstätte ihrer Art.

Heute dient sie als Gedenkstätte und Zeitzeugnis und sollte nicht nur wegen der hier ebenfalls ausgestellten Kraftfahrzeuge einen Besuch wert sein.

Hier besteht die einzigartige Gelegenheit einen fast 2,5 km langen Grenzstreifen der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu sehen. Noch heute wird dieses kurze Stück im Zustand seiner Installation in 1972 erhalten.

Und auch wenn natürlich schon längst keine Minen und Selbstschussanlagen mehr da sind, wenn schon seit 25 Jahren keine Grenzerpatrouille hier lang gefahren ist: der Ort atmet Geschichte und er tut es in sehr beklemmender Art und Weise. Der, nach eigenem Dafürhalten „Bessere Deutsche Staat“ DDR musste seine Bürger in einem über alle Maßen unmenschlichen riesengroßen Gefängnis festhalten.

Beklemmend wirkt auch die Erinnerung an den 1982 gerade 34 Jahre alten Thüringer Heinz-Josef Große. Große versuchte an genau diesem Teilstück die Flucht in die Bundesrepublik und starb durch die Kugeln zweier DDR-Grenzsoldaten hinter dem Grenzzaun und nur wenige Meter vor der Grenze der Bundesrepublik.

Drei Beamte des Zolls mussten hier hilflos mit ansehen, wie Große im Hagel der neun Kalaschnikow-Schüsse starb.

Mit seinem Radlader sollte er einen Graben für Elektroleitungen am Grenzzaun ziehen. Er nutzte seinen Radlader als Treppe und versuchte die Flucht.

Heute hält das Grenzmuseum die Erinnerung an Heinz-Josef Große und die 25 weiteren Todesopfer dieses Grenzabschnittes wach. Der Radlader ist so aufgestellt, wie er von Große als Übergang genutzt worden war. Mit symbolischen Flammen-Skulpturen erinnert die Gedenkstätte, die mehrere Gebäude der ehemaligen Grenztruppen nutzt, an die Opfer.

Viele Objekte zeugen vom Willen und der Verzweiflung der Menschen, die die DDR verlassen wollten.

Wichtiges Zeitdokument ist auch der Text des Schießbefehls, den es nach offiziellen Angaben ja nie gegeben haben sollte. Ganz klar wurden hiermit die Angehörigen der Grenztruppen der DDR verpflichtet Grenzflüchtlinge zu vernichten!

Darstellungen der Grenzanlagen inklusive der Selbstschussanlagen und Minen sind genau so zu sehen, wie ein Wachturm, ein Erdbunker und vieles mehr.

Der Grenzzaun aus Streckmetall ist so konstruiert, dass die Finger von Erwachsenen kaum hineingreifen konnten. Die Kanten waren scharf und das war ganz sicher kein Zufall!

In diesem Museum kann sich jeder selbst sein Bild über den Zweck dieser Grenzsicherung machen.

Zum Schutz der DDR-Bevölkerung jedoch kann sie augenscheinlich und keinesfalls gedient haben!

Die in Schifflersgrund mehr schlecht als recht untergebrachten Kraftfahrzeuge sind allesamt in eher mäßigem Zustand und dienen vor Allem der Abrundung des Themas.

Wichtige Aufgabe des Museums ist die Information und Aufklärung der Generation heutiger Schüler.

Sie haben die deutsche Teilung nicht mehr erlebt und wissen sehr häufig erschreckend wenig darüber.

Als meine beiden Söhne vor einigen Wochen ihre Legosteine zu einem lustigen Spiel um die Berliner Mauer zusammenstellten, war das Anlass genug uns mit ihnen über den alles andere als lustigen Hintergrund dieses ungewertet aufgenommenen Begriffs auseinanderzusetzen und uns erst recht mit ihnen auf das Jahrestreffen des EDWFC an so einer Grenzgedenkstätte vorzubereiten.

Interessant ist Schifflersgrund auch aus einem anderen Grund. Unmittelbar nach Kriegsende kam es hier in einer absolut außergewöhnlichen Aktion zu einem Gebietstausch zwischen den alliierten Mächten.

Dieser Tausch und der einmalige Vorgang von Schüssen aus Westdeutschland Richtung der DDR-Grenze 1989 werden  hier ebenfalls thematisiert.

Das Museum wird durch den Arbeitskreis Grenzinformation e.V. getragen.

Es ist (außer am 24. und 31.12.) an jedem Tag des Jahres zwischen 10:00 und 17:00 Uhr geöffnet.

Der Eintrittspreis beträgt 4,- € für e rwachsene Besucher. Ermäßigte zahlen nur 3,50 €. Kinder bis 10 Jahre haben freien Eintritt.

Das Museum bietet geführte Grenzwanderungen zu je 25,- € und Zeitzeugengespräche zu je 35,- € an.

Schifflersgrund liegt an der K59 in 37318 Asbach-Sickenberg.