Der ehemalige Wartburg-Pavillon (Signale 57-78)

Der Pavillion im August 2013

wurde als Kulturdenkmal geschützt und wird restauriert

1967 wurde der Ausstellungspavillon des VEB AWE an der Wartburgallee 47 (Bundesstraße 19) auf einer ehemaligen Grünfläche eröffnet. Bis 1938 befand sich an dieser Adresse das Ausflugslokal „Zur Erholung“. Seine Architektur gilt als typisch für den Stil der 1970er Jahre und ist im Architekturführer Thüringen aufgeführt.

Nachdem auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1967 ein restaurierter Wartburg-Motorwagen der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte, wuchs in Eisenach der Wunsch nach einer Dauerausstellung von Erzeugnissen der damals fast 70-jährigen Automobilbautradition des Automobilwerkes Eisenach. Zusätzlich sollten repräsentative Räumlichkeiten auch für Beratungen sowie für Verhandlungen mit ausländischen Generalvertretern geschaffen werden. Die 1967 in der Stadt stattfindenden Feierlichkeiten zu den Jubiläen 900 Jahre Wartburg, 450 Jahre Reformation und „150 Jahre Burschenschaftstreffen“ ermöglichten es eine Messehalle zu bestellen und in der Wartburgallee durch das Automobilwerk zu errichten. Am 27. Oktober 1967 wurde die Ausstellungshalle als „Wartburgpavillon“ feierlich eröffnet und bot fortan eine Dauerausstellung von Automobilen aus Eisenacher Produktion. Neben dem Wartburg-Motorwagen wurden Fahrzeuge der Marken Dixi, BMW und EMW sowie diverse PKW Wartburg gezeigt, aber auch um die „Traditionsreiche Eisenacher Arbeiterbewegung“ zu würdigen. 1977 wurde die einmillionste Besucherin begrüßt und bis 1994 besuchten 3 Millionen Gäste den Pavillon1) .

In den 1990er Jahren entsteht die Idee, ein Museum auf dem ehemaligen Werksgelände des AWE  in einem authentischen Gebäude einzurichten.

Eine Investorengruppe aus Baden-Württemberg plante den Pavillon abzureißen und durch ein Parkhaus für das in der Nähe gelegene Hotel "Fürstenhof" zu ersetzen. Die Automobilausstellung musste im Frühjahr 1994 aus dem Gebäude ausziehen da sowohl Trägerschaft als auch Zukunft und Konzept unklar waren.

In dieser Zeit entstand die Idee, ein Museum auf dem ehemaligen Werksgelände des AWE  in einem authentischen Gebäude einzurichten.

1996 erfolgt die Eröffnung des Ausstellungsraumes in der Sparkasse an der Rennbahn.

Die Ausstellungshalle in der Wartburgallee stand von 1994 an zunächst leer, wurde nur sporadisch genutzt und verfiel zunehmend.

In der Nacht vom 14. Auf den 15. September 1996 2)  wurde der, für eine Sonderausstellung im alten Pavillon präsentierte Gruppe-2-Rallye-Wagen des AME e.V. in einer filmreifen Nacht-und-Nebel-Aktion gestohlen.

Wie Michael Stück 2010 der „Thüringischen Landeszeitung“ erzählte, drangen damals die - bis heute unbekannten - Täter über das Dach des Pavillons ein. Der Rallye-Wartburg wurde noch in der Halle betankt, die roten Rallye-Streifen wurden mit weißer Farbe übermalt und das Auto wurde über die vorhandene Rampe aus dem Ausstellungsraum gefahren. Wie Zeugen berichteten setzte das Fahrzeug bei der Flucht auf und fuhr laut knatternd und mit häufigen Fehlzündungen über die Blumenbeete des Pavillons in Richtung Wandelhalle davon3) .

Am 25. November 2) schloss der Pavillon als Ausstellungsort des Wartburgmuseums endgültig

Bei der Vorbereitung der Denkmalausweisungen für die Eisenacher Südstadt wurde der Pavillon zunächst aus der Liste gestrichen, da es zu diesem Zeitpunkt noch kontroverse Ansichten über den Erhalt von DDR-Architektur im Stadtbild gab. Der Pavillon, wie auch das nur 100 m entfernte Denkmal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung an der Gedenkstätte Eisenacher Parteitag 1869 wurden zunächst als Fremdkörper im Areal der einstigen Kurhausanlage um die Wandelhalle betrachtet, ihr Rückbau oder eine Translozierung (dokumentierter Abbau des Gebäudes und Wiederaufbau an anderer Stelle) wurden empfohlen.

Auf eine private Initiative des Bildhauers Peter Schäfer hin erfolgte ab 2007 eine bauliche Sicherung des Gebäudes und es begann unter dem Projektnamen KUNSTPavillon – Zentrum für Gegenwartskunst eine regelmäßige Nutzung der Halle für Kunstausstellungen, Tagungen und Konzerte. Die Ausweisung als Baudenkmal wurde erneut beantragt und beraten. Im Februar 2013 erhielt das Gebäude vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie den Status als Kulturdenkmal. Die deutlichen Bezüge der Architektur des Pavillons zu Bauten der Bauhaus-Künstler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe halfen bei der Einstufung des Gebäudes als Kulturdenkmal.

Heute haben das Zentrum für Gegenwartskunst (e.V.), die Internationale Kunstauktion FREIfigur und metallumvivum hier ihren offiziellen Sitz.

Neben einer Dauerausstellung von Stahlskulpturen unter dem Namen metallumvivum finden regelmäßig wechselnde Kunstausstellungen und -auktionen, Kabarettveranstaltungen sowie Blues- und Jazz-Konzerte regionaler und internationaler Künstler statt. Das Eisenacher Theater am Markt nutzt den Pavillon als Gastspielfläche.

Das Gebäude befindet sich in einem sehr marodem Zustand. Ab 2013 ist eine denkmalgerechte Sanierung, vor allem nach brandschutztechnischen Erfordernissen, vorgesehen.

Die Sanierungsarbeiten sollen sich über mehrere Jahre hinziehen, eine Schließung über längere Zeit wird aber zur Zeit ausgeschlossen.

Die gute Nachricht lautet demnach: der frühere Ausstellungspavillon ist als Kulturdenkmal anerkannt, und wird für die Zukunft erhalten bleiben.

Derzeit werben die Verantwortlichen Gelder zur Sanierung ein. Jedoch besteht auch Aussicht auf finanzielle Unterstützung aus öffentlicher Hand.

 

/ Stephan Uske

 

Textquellen:

1) http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstpavillon_Eisenach; „Geschichte“

2) Homepage des AME e.V., http://www.ame.eisenachonline.de/scripts/angebote/1006, 13.08.2013

 3) Thüringer Landeszeitung, http://eisenach.tlz.de/web/lokal/leben/detail/-/specific/Eisenacher-restaurieren-originalen-Rallye-Wartburg-353-393059820, 13.08.2013