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Das Museum (Signale 57-78)

Das Museum (Signale 57-78)

Gespeichert von Stephan am Mi., 01.01.2014 - 21:26
Ein Wartburg vor dem Cadillac-Museum

...an diesem Ende der Welt

diesmal: Ein etwas ungewöhnliches Museum

In der Rubrik „Das Museum am anderen Ende der Welt“ stellen wir normalerweise interessante Museen vor, die sicherlich noch nicht Jeder besichtigen konnte. Einfach weil sie eben nicht ganz so einfach zu erreichen sind.

Dieses Mal machen wir wieder einmal eine Ausnahme. Im August 2013 besuchten wir nämlich ein ganz besonderes Museum, welches hier unbedingt erwähnt werden muss.

Es mag durchaus sein, das wir für unseren Besuch einen etwas unglücklichen Tag gewählt hatten. Doch seit Jahren war ich neugierig auf das Cadillac-Museum in Hachenburg.

Die Homepage wirbt mit bunten und hochglänzenden Cadillac-Schlitten aus der Hochzeit der US-amerikanischen Straßenkreuzer-Zeit.

Sogar ein stilvolles Café verspricht die eigene Werbung.

Wikipedia verrät, das in Hachenburg immerhin fast 30 Autos präsentiert werden.

Die Homepage des Museums verspricht viele Veranstaltungen und stets ein unterhaltsames Programm.

So weit klingt also alles ganz fabelhaft.

Unser erster Besuch vor zwei Jahren war allerdings ein Reinfall.

Trotz vorheriger Recherche der Öffnungszeiten auf der Museumspräsenz im Internet standen wir vor einer verschlossenen Tür. Ein Mitarbeiter fragte uns, was wir wollten und bat uns vor unserem nächsten Besuch anzurufen. Es wäre eben nicht immer jemand da.

Von außen wirkt das Museum reichlich unspektakulär. Unterhalb der Bahnanlagen stehen mehrere sehr alte Garagen aneinander.

Es könnte sich um ein ehemaliges Firmengelände handeln.

Na gut. Pech gehabt. Das kann ja mal passieren.

Im August 2013 waren wir - auf einer unserer Touren mit OMA - wieder einmal in der Gegend. Und nun sollte es sein: Wir fuhren zum Cadillac-Museum.

Dieses Mal war die Tür weit geöffnet und zwei Fahrzeuge standen vor dem Gebäude.

Sie sahen schon ein wenig mitgenommen aus. Vermutlich stehen sie bei Wind und Wetter vor der  Tür und zeigen potentiellen Besuchern den Weg zu ihren blitzenden Geschwistern im Inneren des Museums.

Wir gingen also hinein.

Direkt am Eingang befindet sich die Kasse. Leider war niemand darin und auch lautes Rufen half uns nicht weiter.

Nur Elvis begrüßte uns. Er sang unermüdlich zwei oder drei Lieder, denen wir lauschten während wir warteten.

Die Zeit wurde uns nicht lang, denn das erste Auto stand direkt an der Kasse.

Gegenüber der Kasse befindet sich das Cadillac-Café. Der Tresen bestand aus einem umgebauten Cadillac und sah gar nicht uninteressant aus.

Die Einrichtung des Cafés erfüllte alle Erwartungen an ein US-Diner. Rote Kunstleder-Bänke vor den Wänden, dazwischen grellfarbige Pastelltischchen. Überall etwas Chrom und insgesamt ein interessantes 50er Jahre-Ensemble.

Aber was war das?

Irgendwie wirkte das Café eigenartig. Die Einrichtung war nicht komplett. In der hinteren Ecke war die rohe Wand zu sehen und Baumaterialien. Es wurde also renoviert und Restauriert.

Das erklärte sicher auch, warum niemand im Café war. Allerdings fiel uns nun auf, dass auch der Cadillac vor der Kasse ein wenig heruntergekommen aussah.

Nunja was soll es: Heute gilt Konservieren statt Restaurieren. Die Erhaltung des Originalzustandes wird sicher auf dem Schild zum Fahrzeug erklärt sein. Schild zum Fahrzeug? Gab es keins!

Erklärungen sind sicher unnötig, da Fans der Materie ohnehin wissen, um was für ein Schätzchen es sich handelt—oder etwa nicht?

Nun kam Leben ins Museum. Elvis machte einem anderen Interpreten seiner Zeit Platz und eine Dame, stilvoll im Petticoat gewandet und entsprechend frisiert begrüßte uns freundlich.

Pro Besucher 5€, Kinder unter fünf Jahren haben freien Eintritt.

Wir zahlten und traten volle Vorfreude tiefer in das Museum.

Mittlerweile hatten wir jedoch schon ein wenig ein komisches Gefühl.

Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.

Auch das nächste Auto befand sich in einem wohl kompletten aber eher bemitleidenswerten Zustand.

Zumindestens war diesmal ein Zettel in der Frontscheibe der verriet, um was für ein Fahrzeug es sich handelte.

Vermutlich wegen der bekanntermaßen strengen Datenschutz-Richtlinien der USA wollte man uns aber hier keinesfalls mehr als den Namen verraten. Baujahr? Technische Daten? Anekdoten und wissenswertes? Fehlanzeige!

Dafür war der Kofferaum offen und gewährte uns einen Blick auf die Ersatzteilsammlung, die zum Fahrzeug gehörte.

In der Ecke dahinter war wieder eine Baustelle und ein Lagerplatz für Baumaterialien. Deshalb gingen wir schnell weiter an ein paar Kleiderständern mit Petticoats daran vorbei.

Eine Bank lud zud hier schon zum Sitzen ein. Sie war aus dem Heck eines Straßenkreuzers gemacht. Das paßt natürlich gut zum Ambiente eines solchen Museums. Allerdings hatten wir ja bisher nur zwei Autos und ein paar Kleider gesehn. Ausruhen war deshalb nicht nötig und wir gingen rasch in den Nachbarraum.

Hier trafen wir auf ein paar andere Besucher, die zwischen den hier ausgestellten sechs Fahrzeugen herumgingen. Das dauerte weder bei ihnen noch bei uns sehr lange, denn auch hier setzte sich das große Schweigen über die Ausstellungsstücke fort.

Dafür hatten wir nun Gelegenheit die Architektur mehr zu bewundern. Sie drängte sich geradezu machtvoll in den Vordergrund, denn große Flecken an der Decke und ein etwas muffiger Geruch ließen vermuten, dass die Decke undicht war. Das erklärt sicher auch, warum sich hier niemand die Mühe macht, die Fahrzeuge zu restaurieren. Ein riesiger Dreckfleck auf einem heruntergeklappten Verdeck ließ das Ausmaß der Wasserkatastrophe und seine Auswirkung auf die Ausstellungsstücke erahnen.

Zu sehen war im weiteren Verlauf eine etwas neuere Stretchlimo, ein Jaguar (der hatte sich sicher verlaufen..) und noch manches weitere Stück von eher museumsfernem Erhaltungszustand.

Mittlerweile hatten wir auch gelernt, dass viele Fahrzeuge ihre Ersatzteile im jeweiligen Innenraum oder im Kofferaum ebenfalls ausstellten. Alle Wagen befanden sich in geradezu beklagenswertem Zustand.

Auch in der dritten Halle wurden wir nicht mehr überrascht. Das Gebäude in desolatem Zustand, die Autos unansehnlich. Es war recht dunkel und trotzdem ließ sich deutlich erkennen, wenn an einem Fahrzeug der komplette Vorderbau oder einfach nur ein paar Teile fehlten.

Zu allem Überfluss stellte es sich schließlich heraus, dass unsere Vermutung, nach der wir versehentlich in den Fundus des Museums geraten waren, falsch war.

Um unseren Besuch doch noch zu einem Erfolg werden zu lassen, verließen wir das Museum erst nach dem wir auf Toilette waren.

Auch dieser Ort zeigte indes Spuren intensiver Bauvorhaben, ohne jedoch ein klares Ziel und ein absehbares Ende anzuzeigen.

Zumindest haben wir mit unserem Besuch im Cadillac-Museum nur wenig Zeit verloren. Innerhalb kurzer Zeit hatten wir alles sehenswerte entdeckt, betrachtet und befanden uns wieder vor der Tür.

Was nach dem Kopfschütteln blieb war die ernsthafte Frage, wo die chromblitzenden Fotomodelle der Homepage aufbewahrt wurden.

Vielleicht wurden die Prachtstücke der Sammlung gerade zu Filmaufnahmen verwendet oder auf Treffen und Messen ausgestellt?

Wir wissen es nicht. Jedoch schienen uns alle verfügbaren Parkplätze im Museum in Benutzung zu sein. Darüberhinaus machte keines der Fahrzeuge den glaubhaften Eindruck in der letzten Zeit bewegt worden zu sein. Jedenfalls nicht aus eigener Kraft.

Es mag zutreffen, dass sich das Museum gerade in einer Umbauphase befunden hat oder das es sich beim Cadillac-Museum um das ambitionierte Projekt eines Einzelnen handelt oder was auch immer es für Gründe für den Zustand von Gebäude, Fahrzeugen und dem gesamten Drumherum geben mag.

Das können wir nicht beantworten.

Allerdings ist unser Wille das mit einem erneuten Besuch zu überprüfen nur sehr wenig ausgeprägt.

Ganz sicher sind wir uns darin, dass die 5€ Eintritt pro Person keinesfalls gerechtfertigt seien.

Wer auch immer der Träger dieser etwas obskuren Sammlung ist, sollte doch ersteinmal ein paar Vorarbeiten leisten ehe er ahnungslose Besucher mit dem Versprechen eines Museums in den tiefen Westerwald lockt.

Eindeutiges Urteil nach dem Besuch: Das hat sich wirklich nicht gelohnt!

Wer dennoch mutig genug ist und sich selbst ein Urteil bilden möchte, kann uns sehr gern seine Eindrücke schildern.

Immerhin gibt der Betreiber auf seiner Homepage voller Optimismus bekannt: „Im Cadillac Cafe finden derzeit Rennovierungsarbeiten statt Bald wird dann ein Cadillac Diner entstehen. Das Caillac Museum ist von den Umbauarbeiten kaum betroffen und bleibt geöffnet. Nach Fertigstellung des neuen Cadillac Diners werden die Öffnungszeiten erheblich erweitert, da gleichzeitig dann eine Konzession zur Schankerlaubnis vorliegt. Also schaut ruhig mal vorbei. „

Vielleicht erfahren wir auf diesem Wege, dass sich alles zum Guten gewendet hat und die golden Fifties wieder rocken & rollen in Hachenburg.

 

Cadillac-World

Museum und Café in Hachenburg

Cadillac World Ltd.

Zur Tiefenbach 6

57627 Hachenburg

Telefon 02662/9523-0

 

Eintritt 5,-€.

 

Zum Thema Öffnungszeiten noch einmal ein Zitat von der Homepage des Museums:

„Information und Öffnungszeiten z.Zt.:

in der Regel sind die Öffnungszeiten am Samstag und v.a am Sonntag abhängig vom jeweiligen Besucheraufkommen (kurzfristigen telefonischen Anmeldungen) in der Woche von 09-18 Uhr Samstags von 10-16 Uhr Sonntags 12-16 Uhr. Da das Cadillac Museum und CAD im selben Hause untergebracht sind, ist fast immer zu den normalen Geschäftszeiten Personal im Gebäude. Nicht immer steht Zeit für ausgiebige Führungen durchs Personal zur Verfügung, da Personal in Arbeitsabläufen eingebunden ist. Vor allem falls Sie detailliertere Auskünfte zu Fahrzeugen etc haben möchten empfiehlt es sich Ihren geplanten Besuch bei Herrn Ulrich Müller kurz vorher fernmündlich zu avisieren. Dies macht selbst 30 Minuten oder noch kürzer vorher sogar außerhalb der üblichen Geschäftszeiten noch Sinn, da Sie möglicherweise gerade von der Auotobahn abfahren und einer der beiden Herren das Museum soeben für eine Stunde verlässt und danach schon wieder vor Ort ist.“

Das klingt ein zwar wenig chaotisch aber keinesfalls unsympathisch.

In diesem sinne vielleicht doch noch viel Spaß im Cadillac-Museum in Hachenburg.

 

/ Stephan Uske