MZ-Pleite (Signale 56-77)

Aus und vorbei. MZ gibt es nicht mehr.

Vor einem Jahr musste MZ alle Hoffnungen begraben

Im Frühjahr 2009 kauften der frühere Rennfahrer Martin Wimmer und sein Kollege Ralf Waldmann den angeschlagenen Motorradbauer MZ vom koreanischen Hersteller Hong Leong Industries.

Damals wurde bereits ganz offen darüber gemunkelt, das Hong Leong seit seiner Übernahme der Kultmarke MZ bereits 70 Millionen Euro verloren habe.

Ganz sicher kann man hier nicht sein, immerhin hatten die Koreaner MZ als Aushängeschild und Imagepolitur für den Verkauf ihrer Kleinroller in Asien gebraucht.

Das hat auch funktioniert. Ob deshalb alle Verluste allein dem defizitären Motorradgeschäft zu zuschreiben sind darf getrost bezweifelt werden.

Vermutlich sahen das auch Wimmer und Waldmann so und stürzten sich in das Abenteuer MZ-Rettung.

Beide waren erfahrene Motorrad-Rennfahrer und sahen mit MZ die Chance wieder an die großen Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen.

Sie investierten, laut einem Bericht der Financial Times Deutschland fünf Millionen Euro und kauften MZ.

 

Mit Antony West wurde 2010 ein junger Rennfahrer engagiert, der die Qualitäten der Sächsischen Zweiradschmiede wieder einem breiteren Publikum bekannt machen sollte. Neben ihm fuhren auch noch Bernd Hiemer, Max Neukirchner, Jonas Folger und Alexander Lund in verschiedenen Klassen in den Jahren 2010 bis 2012. Schon 2009 erinnerte kaum noch etwas an die glorreichen Jahre seit Unternehmensgründung. Nur noch wenige Mitarbeiter waren verblieben. Die meisten davon mussten nach der Übernahme gehen.

Zum Schluss hatten nur noch 20 Mitarbeiter Beschäftigung im einst größten Betrieb der Region.

Im September 2012 montierte man gerade noch 35 Elektrodreiräder für die Schweizer Post. Was danach kommen sollte war unklar.

Wimmer beantragte im September 2012 die Insolvenz.

 

Sicher war zu diesem Zeitpunkt nur, dass fast alle Mitarbeiter gekündigt worden waren.

Im Januar dieses Jahres musste sich der MZ-Geschäftsführer  vor der Gläubigerversammlung im Amtsgericht Chemnitz zu den Vorwürfen der 175 Gläubiger äußern.

Unter anderem ging es da um Insolvenzverschleppung.

Gegenüber der BILD-Zeitung sagte er später: „Ich habe keine Insolvenz verschleppt. Es ist alles offen gelegt, und ich war jederzeit zur Mitarbeit bereit. Das Insolvenzverfahren hätte vermieden werden können.“

Er wolle gegen die kreditgebende Bank klagen, so Wimmer weiter. Aus seiner Sicht habe das Verhalten der Bank womöglich die Insolvenz herbeigeführt.

Der Ex-Weltmeister weiter zu BILD: „Wir hätten die Geschäfte aufrecht erhalten können. Zumal ein neuer Gesellschafter mit 1 Million Euro bereitstand.“

Vor Gericht versuchte Martin Wimmer die Absetzung des Insolvenzverwalters Christoph Juncker durchzusetzen. Vergeblich.

Die Marke MZ hat sich Wimmer schützen lassen. So kann der Verwalter zwar das Werk verkaufen, aber nicht den Namen.

Kurzzeitig sah es dann auch so aus, als gäbe es doch noch Hoffnung für MZ. Juncker verkündete, er habe einen Interessenten gefunden.

Anfang des Jahres hoffte er noch auf die Unterzeichnung eines Kaufvertrages im Februar.

Am 30. April 2013 vermeldete dpa in verschiedenen Medien jedoch das Scheitern des Insolvenzprozesses.

Trotz über 30 Interessenten mit teilweise namhaften Investoren war kein tragfähiges Konzept gefunden worden.

Die erwarteten Millionen in Höhe von 3,5—5 Millionen Euro Investitionen standen einer zu unsicheren Perspektive gegenüber. Zusätzlich wären weitere Investitionen für den Zukauf eines Maschinenparks notwendig gewesen.

 

„Die Chancen für eine Sanierung von MZ waren von vornherein gering“, sagte Insolvenzverwalter Christoph Junker. „Es war ein Scherbenhaufen.“

 

Damit war das Ende des traditionsreichen Unternehmens nicht mehr abzuwenden.

Im Mai dieses Jahres verkündete Lutz Groß, ein Autohändler aus Schneeberg/Erzgebirge, die Gründung der MuZ Vertriebs GmbH.

Dieses Unternehmen sei von mehreren Unternehmern der Region um Hohndorf gegründet worden, um die Ersatzteilversorgung für die Kunden von MZ sicher zu stellen.

Groß hatte einst selbst in der Montage von MZ gearbeitet.

Immerhin drei der zuletzt 20 Mitarbeiter konnten in das neue Unternehmen übernommen werden.

 

Seit 1922 wurden in Zschopau und später in Hohndorf Motorräder gebaut.

Unter der Marke DKW, später IFA und MZ wurden Zweiradträume entwickelt und gebaut. In den besten Zeiten beschäftigte MZ 3000 Mitarbeiter und stellte ca. 100.000 Motorräder jährlich her.

1990 wurde MZ privatisiert. Jedoch musste die Motorradwerk Zschopau GmbH bereits am 18. Dezember 1991 Konkurs anmelden, da es keinen Markt mehr für die Produkte des Unternehmens gab.

Die Produktionsmittel und die ETZ-Patente wurden 1995 in die Türkei verkauft und dort liefen bis ungefähr 2011 immer noch ETZ 251 und 301 von den Bändern.

Aus der Pleite ging die MuZ Motorrad und Zweiradwerk GmbH hervor, die 1993 in den neuen Standort Hohndorf umsiedelte.

Mit dem Investor Hong Leong Industrie kam spätestens ab 2005 wiederum das Aus: Die Entwicklungsabteilung wurde geschlossen und 2008 auch wieder das Werk.

Durch Martin Wimmer, seine Frau und Ralf Waldmann kam wieder Hoffnung in die sächsischen Berge. Nun haben sich leider auch diese Träume endgültig zerschlagen.

 

/ Stephan Uske