Spiel, Satz und Sieg! (Signale 52-73)

Unser Pokal

Zum 34. Mal fand die historische Raiffeisen-Rallye statt

 

Um den Tag der Einheit herum lädt der Motorsportclub Altenkirchen zur historischen Raiffeisen-Veteranenfahrt ein.

Nach einer Pause fuhren Dirk Flach und Stephan Uske endlich mal wieder mit. Beide haben das nicht bereut.

Zum 34. Mal fand diese anspruchsvolle “Mischung aus Pfadfinderei und Intelligenztest auf alten Kfz” im Westerwald statt.

Gemeinsam mit einem weiteren Wartburg 311 und einem Moskvitch (den wir aber im Verlauf der Tour einfach nicht mehr wiedergesehen haben) vertraten wir mit unserem 311er die Ostfahrzeugszene bei dieser Veranstaltung.

Unsere Ankunft im Start– und Zielort Flammersfeld gestaltete sich etwas stressig. Pünktlichst um 09:00 Uhr, zum Ende der Nennungsfrist, betraten Dirk und ich den Raum. Wir hatten uns erst sehr kurzfristig anmelden können, weil einfach nicht klar war, wer mitfährt und wer nicht.

Unseren späten Entschluss zur Teilnahme versüßte sich der Veranstalter durch eine extra Nachnennungsgebühr von 10,- EUR. So sind die Regeln. Da hilft auch kein Maulen und Murren. Aus diesem Grund vertaten wir auch keine Zeit damit, sondern zahlten, erhielten unser Startpaket nebst Startnummer und zogen wieder ab. Zurück zu unserem Auto.

Die Startnummer wurde gut sichtbar an der vorderen Stoßstange befestigt. Dann began das Studium der Unterlagen.

Zuersteinmal wurde die Streckenführung geprüft. Im Fahrerheft werden alle durchfahrenen Ort genannt. Ein kurzer Blick auf die Karte und die Routenführung eingeprägt.

Als nächstes wurde der Fragebogen untersucht.

Die Mitglieder des veranstaltenden MSC Altenkirchen haben garantiert eine Menge Spaß dabei, sich die verrücktesten Fragen auszudenken.

Dabei dreht es sich um Wissenswertes, was sich aus der Beobachtung am Straßenrand beantworten lässt, das Auffinden von “Sehenswürdigkeiten” und manchmal auch um Intuition der Rallyeteilnehmer.

Abgerundet wird dieser Teil mit einer Geschicklichkeitsübung und diversen überraschenden Stempelkontrollen. Für Fehler in der Antwort, eine falsche Reihenfolge der Antworten, fehlende Stempel etc. gibt es jeweils Strafpunkte.

Die Sache ist ganz schön kniffelig! Dafür macht sie aber auch jede Menge Spaß.

Am Ende der Tour, wenn man alle Wege und Stationen gefunden hat, jeden Stempel erhalten hat und alle Fragen richrtig beantwortet hat, muss man pünktlich wieder zurück sein, um seinen ausgefüllten Fragebogen wieder abzugeben.

Mittlerweile ist der MSC so professionell, dass man bereits am Abend der Rallye ab 20:00 Uhr im Internet die Ergebnisse ablesen kann und damit weiß, ob sich die Anfahrt zur Preisverleihung am nächsten Tag auch wirklich lohnt.

Apropos “lohnt”: Die Anfahrt lohnt in jedem Fall! Wo sonst sieht man heute noch so viele alte Fahrzeuge auf einmal in voller Fahrt. Es macht wirklich Spaß zwischen lauter alten Schätzchen durch die engen Straßen des Westerwaldes zu fahren.

Die Fahrtstrecke beträgt ungefähr 100 km.

Meldeberechtigt sind ordentlich zugelassene Fahrzeuge der Baujahre 1900 bis 1975.

Zum Teil sind die teilnehmenden Fahrzeuge 100 Jahre alt.

Alterspräsident der diesjährigen Tour war ein Overland Speedster von 1912, der die anstrengende Strecke außerordentlich gut meisterte.

Da ist unsere “OMA” aus den beginnenden 1960er Jahren und mit ihrem durchzugsstarken Zweitaktmotor geradezu ein Rennpferd.

Zu den vielen Pkw gesellen sich auch Nutzfahrzeuge und einige Zweiräder.

Insgesamt jedoch ist die Anzahl der teilnehmenden Fahrzeuge auf maximal 150 begrenzt.

Die schlechte Wetterlage der vergangenen Tage hatte uns nicht viel Gutes hoffen lassen. Indes Petrus hatte Samstagmorgen ein Einsehen und ließ die Sonne scheinen. Leider nur bis Mittag. Danach wurde es schlagartig kühl und vor allem nass.

Gut für uns, die wir das große Schiebedach schließen konnten und einfach ein wenig die Heizung aufdrehten. Schlecht für die tapferen Zweiradfahrer, die auf ihren Motorrädern und Mopeds aushielten und weiter mitfuhren.

Leider fahren einige dieser historisch motorisierten Biker mindestens ebenso rücksichtslos, wie halsbrecherisch. Und doch mussten wir zugeben, dass schon eine Menge Durchhaltevermögen dazugehört, auf einer NSU Quickly durch den eiskalten Oktoberregen zu schleichen - bergauf und bergab… Respekt!

Das älteste Zweirad der Tour war eine Zündapp KS 800 von 1933.

Am Ende kommt es bei dieser Veranstaltung nicht auf Schnelligkeit an, sondern auf Geschicklichkeit, Ausdauer und ein Quentchen Glück.

Dirk und ich jedenfalls starteten Punkt 10:00 zur 34. Raiffeisen-Veteranenfahrt und hatten nach nur 1,5 km den ersten Stau. Am Anfang ist der Enthusiasmus der Teilnehmer natürlich groß und hinter jeder Strassenecke wird eine potentielle Antwort auf den Rallyefragebogen erwartet. Nach einiger Zeit legt sich diese Aufregung jedoch und wir konnten uns sogar mit an die Spitze des Feldes setzen.

Das hat immer Vor– und Nachteile. Vorteile, weil man ganz gut fahren kann und nicht im Schrittempo hinter einem Plätzken hertuckern muss. Nachteile, weil man durch die Bremsmanöver der anderen Teilnehmer auf mögliche wichtige Stellen an der Strecke hingewiesen wird. Diese Hinweise verpasst man jedoch, wenn man diese Stellen als einer der ersten Fahrer passiert hat und erst hinter einem die anderen bremsen…

Nunja, einen Tod mussten wir sterben. Wir entschieden uns dafür, im Spitzenfeld mitzufahren. Das ergab eine akzeptable Mischung aus freier Fahrt und Risiko.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir unmittelbar vor Ende der Tour mitbekamen, dass wir unmittelbar nach dem Losfahren einen Hinweis verpasst hatten. Wir haben das noch vor Abgabe unserer Unterlagen überprüft, indes ändern liess sich nichts mehr.

Allerdings lag dieser Fehler nicht in unserem Tempo begründet (so schnell fährt es sich eben auch im Spitzenfeld nicht), sondern in der Tatsache das auf beiden Seiten der Straße gleich zwei verschiedene Hinweise auf einmal versteckt waren. Wir haben den einen Hinweis gefunden, den anderen halt nicht. So ist das, wenn man ohne weitere Anhaltspunkte eine klitzekleine Brunnenfigur in einem Vorgarten irgendwo auf der Strecke erkennen soll.

Wie dem auch sei: Der Tag war wunderschön, die Wissensaufgaben kniffelig und die Strecke zum Teil wirklich toll.

Als wir am Abend lasen, dass wir sogar den dritten Platz errungen hatten, konnten wir es deshalb kaum fassen. Manchmal geht eben noch ein wenig mehr…

Im Gegensatz zur Überschrift dieses Artikels ist der dritte Platz zwar kein wirklicher Sieg, aber ein Gewinn ist er allemal!

Am Sonntag, den 07. Oktober 2012 holten wir uns deshalb unseren Pokal in Flammersfeld ab und planten sofort unsere Teilnahme an der 35. Raiffeisen-Veteranenfahrt im kommenden Jahr. Wer von Euch kommt noch mit?

 

 

/ Stephan Uske