Die Mumie... (Signale 51-72)

Foto Rainer Schimm (Messe Essen)

...mit Goldzahn

Mit Olafs „Gelummbe“ zum Sieg im Clubwettbewerb

 

Als erstes tue ich nun etwas, das man eher nicht tun sollte. Ich verrate einen Zaubertrick.

„Woher stammen eigentlich immer Eure Ideen für die Messestände?“ Das ist eine der häufigsten Fragen, die immer wieder gestellt wird. Die Antwort ist sehr banal und wirkt wie die Auflösung eines vielbewunderten Zaubertricks: Die meisten Standideen der letzten Jahre entstanden am Biertisch während der Techno Classica. Aus einer - eben - Bierlaune heraus.

So auch die Idee für unseren preisgekrönten Stand des Jahres 2012. Jörg Siebert schlug vor, mit dem Wartburg in die Wüste zu fahren.

Die Ausgrabungsstätte entstehtDas ist ein alter Hut. Bekam er zur Antwort. Stimmt in gewisser Weise, wir waren  im Jahr 2000 bereits schon einmal mit dem Wartburg auf Trans-Afrika-Tour und haben mit diesem Thema schon einmal einen Pokal gewonnen.

Damals haben wir ordentlich Sand auf den Stand geschüttet und eine so schöne Wüstenszene kreiert, dass das Deutsche Sportfernsehen ein paar Stunden dafür spendierte, auf unserem Stand zu drehen.

Trotzdem hatte Jörgs Idee einen gewissen Charme.

Also musste eine gute Idee um die Wüste herum gestrickt werden.

Martin Völz kam denn auch genau damit. Er erzählte vom durchaus abfällig gemeinten Beinamen, den der Wartburg 1.3 von den enttäuschten DDR-Bürgern verliehen bekommen hatte. Wegen seines neuen Motors in der seit über 25 Jahren fast unveränderten Verpackung wurde der 1.3er als „Mumie mit Goldzahn verspottet.

Von der Mumie war es nur noch ein kleiner Schritt zur Wüste. Zu mindestens für uns.

War trotz überdeutlicher Darstellung nicht immer zu verstehen: Der Goldzahn in der Mumie Wartburg 1.3Jedoch wurde noch mindestens ein weiteres attraktives Auto gesucht. Man sollte meinen, bei der Produktpalette der Wartburgs und ihrer Verwandtschaft wäre das kein Problem. Das stimmt aber nur bedingt. Wollen wir nicht ständig immer wieder die selben Fahrzeuge ausstellen, brauchen wir immer wieder neue Autos für die Messe.

Deshalb startete Dirk Flach im Internet einen Aufruf. Überraschend schnell wurde er fündig. Olav Siegert aus Chemnitz bot seinen Wartburg 312 Camping an. Dieses Auto sieht toll aus und passt auch noch perfekt ins Thema. Bei den frühen Wartburg gab es ebenfalls eine Diskrepanz zwischen Motor und Karosse. Nur, im Vergleich mit dem Wartburg 1.3, mit umgekehrten Vorzeichen. Hier werkelte ein ungeliebter kleiner Dreckspatz aus Sachsen in einer fraglos attraktiven Verpackung aus Thüringen herum.

Damit waren das Thema und die Autos geklärt. Aber was sollte sonst noch so passieren in der Wüste? Eine Ausgrabungsszenerie war die Lösung. Die Erfahrung der letzten 15 Jahre hat uns gelehrt: Je mehr Zeugs auf dem Stand verteilt wird, umso höher liegt die Präsentation in der Gunst des Publikums und oft auch der Juroren.

Der fährt wohl schon etwas länger...Deshalb rief Dirk Olaf Heineken in Großhartmannsdorf an. Olaf war von der Idee begeistert und zog, ausgerüstet mit einem Fotoapparat, durch das Gelände seines Betriebes. In den vergangenen Jahren hat er dort ein beachtliches Sammelsurium von Teilen aller Art angehäuft. Die Fotos wurden an Dirk geschickt und wir konnten uns aussuchen, was uns nützlich

erschien.

Gleichzeitig streckte Jörg seine Fühler aus und suchte nach Accessoires für den Stand. Auch er hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als

Phantasievoller Detailgestalter unserer Clubpräsentationen gemacht. So kramte er aus manchem alten Stall das eine oder andere nützliche und interessante Material zusammen.

Außerdem organisierte er die Nachbildung eines menschlichen Gerippes, das als besonderer Hingucker zum „Fahrer“ unseres angedeuteten Wartburg 313 Ausgrabungsschatzes avancierte.

Zwischenzeitlich habe ich mich um die mögliche Anordnung der verabredeten Ausstellungsstücke gekümmert. Außerdem musste die Fußboden– und  Rückwandgestaltung und vor allem die Koordination aller Beteiligten organisiert werden. Das war ebenfalls meine Aufgabe.

Nach Bekanntgabe des neuen Standes durch den Veranstalter und der Erkenntnis, dass die Planungen der letzten zehn Monate durch diese Änderung nur noch bedingt umsetzbar waren, wurde ein Modell des Standes aus Styropor im Maßstab 1:43 gebaut. Darauf ließen sich die Größenverhältnisse der einzelnen Details und ihre Wirkung zueinander schon einmal vorab testen.

Irgendwann war alles vorbereitet und wir waren auf dem weg nach Essen. Keiner von uns kannte den Stand. Niemand wusste, wie die Bedingungen vor Ort sein würden. Wie die Besucher am Stand vorbeikämen etc. Deshalb blieb, wie bisher in jedem Jahr, immer noch viel Spielraum für spontane Entscheidungen.

Jörg und seine Verlobte Christine begannen sofort mit dem Tapezieren der Wände. Olav, Christian Tänzer und ich suchten Fundstücke auf der Messe und begannen mit dem Bau einer „Kombüse“ für unseren Stand.

So hatten wir von Samstagmittag, bis Samstagabend wirklich jede Menge zu tun.

Am Sonntag wurden die Tapezierarbeiten fortgesetzt. Zwischenzeitlich begannen Olav und ich mit dem Verarbeiten der Ägypten-Bordüre´. Später fing Jörg dann an und räumte die ersten Teile aus seinem Anhänger. Daraus bauten er und Olav den Stolleneingang und das Sonnensegel für die Ausgrabungsstelle.

Am Sonntagabend gingen wir müde, aber sehr froh gemeinsam essen. Die ersten Pläne für die TC 2013 wurden gesponnen…

Der Mühe Lohn - ein Pokal der Clubstandjury. Danke sehr dafür!Der Montagmorgen begann mit meiner etwas vollmundigen Ankündigung: „Heute Abend sind wir fertig!“. Olav zog nur ungläubig die Augenbrauen hoch. Aus seiner Sich stand noch nichts von unserer Präsentation. Trotzdem legten wir los und hatten tatsächlich am Abend unseren Stand im Großen und Ganzen fertig. Die Rückwand war komplett. Der Fußboden mit Pannesamt ausgelegt und die Autos platziert. Fast alle Gestaltungsdetails, die Jörg sich ausgedacht hatte, waren bereits umgesetzt und nur noch ein paar Details fehlten.

Diese Detailarbeiten wurden direkt am Dienstagmorgen erledigt und da stand er nun, unser Messestand „Mumie mit Goldzahn“.

Der Zuspruch der Besucher war enorm und auch die Vertreter der anderen Clubstände würdigten unsere Präsentation mit vielen Punkten. Dadurch verwandelte sich der Alu-Goldzahn von Folkes Wartburg 1.3 schließlich sogar noch in einen echten „Gold(medaillen)zahn. Das ist fast schon märchenhaft…

 

Danke an alle Helfer - Es hat riesig Spaß gemacht mit Euch!

 

/ Stephan Uske