Schwalbe Reloaded (Signale 49-70)

Kommt die Schwalbe gar als "Saubermann" zurück?

Historische Fahrzeuge boomen. Kaum ein Stadtfest kommt heute noch ohne sie aus. Die Kalender sind alljährlich prall gefüllt mit Treffen, Rund– , Aus– und Sternfahrten, Oldtimermessen boomen und immer mehr Menschen erfüllen sich ihren Traum vom historischen Blech in der eigenen Garage.

Doch wer nicht den Platz für ein extra-Auto für Sonnenscheinfahrten  hat oder wem der Aufwand zur Pflege historischer Technik zu kompliziert ist oder wer einfach nur die Vorteile heutiger Technik mit dem Chic vergangener Tage kombiniert sehen möchte, der interessiert sich für ein Fahrzeug im so genannten Retro-Look. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Angebote in diesem Bereich fast sprungartig an. Der Chrysler PT-Cruiser nahm noch ganz allgmein Anleihen am Auto-Design der 30er und 40er Jahre. Der VW New Beetle versuchte schon ganz konkret eine historische Verbindung mit dem berühmten VW Käfer herzustellen und Herpa baute auf eine große Fangemeinde des DDR-Volkswagens Trabant als sie den Trabant NT 2009 auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt präsentierten.

Ganz bewusst werden im Retro-Design deutlich sichtbare optische Anleihen von Vorbildern übernommen. Ein Wiedererkennungseffekt ist absolut erwünscht.

So geht es auch mit der eSchwalbe, die ab März 2012 auf unseren Straßen rollen soll.

Ähnlich wie beim Trabant NT will man hier aber jeden Anklang an die „anrüchigen“ Zweitaktzeiten vermeiden und präsentiert die ehemals als Stinker geschmähten Zweitakter im hochmodernen Elektro-Fahrzeug-Stil.

Tatsächlich läßt sich im Design der eSchwalbe sofort die optische Verbindung zum historischen Vorbild erkennen. Das macht für den in Suhl ansässigen Entwickler und Hersteller ja auch durchaus einen Sinn. Zumal auch die große Roller-Konkurrenz aus Bella Italia seit Jahren immer wieder die eigene Formensprache zitiert und heute Fahrzeuge ausliefert, die ihren Vorfahren verblüffend ähnlich sehen.

Also vom Design her wenig neues.

Das Markenzeichen der Schwalbe und ihr großes Plus gegenüber fast allen anderen Rollern der Vergangenheit und Gegenwart blieb erhalten: Die großen Räder.

Einst aus Gründen des Fahrkomforts auf DDR-Straßen und mit Rücksicht auf den Simson-Baukasten in den Rollerbau eingeführt, sprechen auch heute noch die Fahreigenschaften und der Komfort für die 16“-Räder der eSchwalbe.

Statt aggressivem Zweitakt-Geknatter ertönt aus den Eingeweiden des neuen Suhler Fahrzeugs jedoch nur das Summen eines Elektromotors.

Das ambitionierte Projekt eSchwalbe führte zu drei Ausstattungsvarianten:

25 km/h, 45 km/h und 81 km/h.

Besonders letztere Variante sollte stark an die Leistungsfähigkeit der Namenspatin erinnern. Die Leistung der 45 km/h-Variante liegt bei 5,4 PS, genau wie beim Vorbild. Die 81 km/h-Variante hat dann schon satte 11 PS

Die neue Schwalbe soll zu Priesen ab 4699,-€ in den Handel rollen. Für die „große“ eSchwalbe sollte der Interessent schon 1100,-€ mehr investieren können.

Die Reichweite der kleinen Stromer kann mit Zusatzakkus erweitert werden. Sie beträgt 60km und ist auf bis zu 180km erweiterbar.

Wer nun jedoch nicht an allen Mopedparkplätzen seiner Umgebung einen Ladesteckdose vermutet, kann sich über eine pfiffige Idee der eSchwalbe-Erfinder freuen: Den tragbaren Akku. Mit zwei Handgriffen ist der Akku aus dem Roller gezugen und kann wie ein kleines Köfferchen mitgenommen werden. So kommt der Strom eben nicht zum Roller, sondern der Akku zum Strom.

Interessant für Jene, die mit dem Roller zur Arbeit fahren, den Akku dort aufladen und wieder mit dem Roller zurückfahren wollen.

Da die Ladezeit nur rund 5 Stunden beträgt, würde das sogar bei einem Teilzeit-Arbeitsverhältnis passen.

Kenner der historischen Schwalbe werden sich noch an zwei wesentliche Schwächen des, ansonsten doch sehr beliebten Zweirads, erinnern: Das ewige Lenkerruckeln ab 45 km/h und die wirklich miesen Trommelbremsen.

Bei aller Liebe zum Vorbild sind die Ingenieure zum Glück nicht so weit gegangen, dies Probleme auch in die neue Schwalbe zu übernehmen.

Ganz deutlich fallen schon vor der Fahrt die zeitgemäßen Scheibenbremsen an beiden Rädern auf.

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat die eSchwalbe auch auf der Straße getestet und kein Ruckeln erwähnt.

Währen der Trabant NT nun immer noch auf der Suche nach ernsthaften und potenten Geldgebern ist, will die eSchwalbe nun tatsächlich Durchstarten. Bestellungen werden bereits entgegen genommen.

Vielleicht sehen wir sie ja bald einmal auf unseren Straßen.

 

n Stephan Uske