Wartburg-Stretch (Signale 48-69)

Wartburg 353 "PAX" aus Eisenach

Eisenacher Wartburg-Fans erfüllen sich ihren Traum vom gestreckten Wartburg

Wir lernten Herrn Schubert kennen. Er sollte die Abnahme, das Gutachten und alles, was dazu gehörte machen. Er sollte entscheiden über ja oder nein. Und so schnell, wir das Auto

abgestellt hatten, so schnell waren wir auch schon wieder auf der Heimfahrt.

14 Tage sollte er dort bleiben. „OH, wie sollen wir das aushalten“

Was da genau im Hintergrund alles geschah? „Keine Ahnung, und man will das auch nicht sehen, denn hier mussten Fremde unser Baby bewegen, und die sind doch bestimmt nicht zimperlich, ihn auch mal zu quälen.

14 Tage später, genau am 16. Juli 2009, sollte der Tag kommen, an dem wir wieder nach Gotha sollten. Das Kribbeln im Bauch war unbeschreiblich. Früh um 6:00 Uhr aufgestanden, die ganze Nacht kaum geschlafen, fuhr ich nach Gotha. 6 Zigaretten auf 40 km, das war schon ne Glanzleistung. Pünktlich um 8:00 Uhr empfing mich Herr Schubert. Auf seinem Tisch lag ein typischer Briefbogen der Dekra, wo ich von weiten, schon „positiv“ entdeckte.

(Na gut, da hätte ja noch „nicht“ davor stehen können, aber das übersieht man gekonnt.)

Wir unterhielten uns und er sagte, dass das Auto die Abnahme positiv bestanden hat und die Prüfer selber erstaunt waren, wie gut sich der Wagen bewegen lässt. Es gab noch ein paar Tipps für die Zukunft und nachdem wir dann Kasse gemacht hatten, hielt ich es endlich in den Händen. (Ich hätte heulen können vor Freude!)

Eines konnte ich ihm noch entlocken, wenn man denkt, dass die Sachverständigen der Dekra den ganzen Tag nur steif und akribisch nach technischer Korrektheit suchen, der hat sich geschnitten, denn den Fahrspaß mit so einem Auto auf dem betriebseigenen Hof, ließen sie sich zwischendurch fast alle nicht entgehen. Das gehört auch mal dazu und ist völlig in Ordnung.

Danach fuhr ich im Eiltempo jenseits der Schallmauer wieder nach Eisenach, um den Wagen zuzulassen. Dazu hatte ich extra einen Termin bei der Leitung der Eisenacher Zulassungsstelle gemacht. Für so einen Wagen braucht man ein geeignetes Nummernschild.

Leider sind in Deutschland die Bedingungen für Sonderwünsche sehr hart. Wir wollten nichts Amerikanisches machen und auch keine Minischilder, ich wollte einfach nur die würdevolle Nummer: „EA-WB-1“.

So etwas bekommt man nicht einfach so, da dies Kennzeichen für bauartbedingte Fahrzeuge sind. Aber nach langen Gesprächen und mit dem Zweck im Auge, dass dieser Wagen die Stadt Eisenach um ein weiteres Highlight bereichern würde, bekamen wir die Sondergenehmigung.

(Tut mir bitte einen Gefallen und rennt jetzt nicht auf die Zulassungsstellen und sagt, die haben das auch. Es gibt Regeln in Deutschland, an die müssen auch wir uns halten, und so eine Sondergenehmigung ist wirklich ein Ausnahmefall, bei dem es auch bleiben sollte.)

Dann ließ ich die Nummernschilder pressen und musste bis 13:30 warten, um endlich die Papiere in Empfang zu nehmen.

Dies war dann der größte Augenblick nach diesen 4 Jahren Arbeit. Als ich die Papiere in der Hand hielt, donnerten alle erdenklichen Feiertage durch meinen Kopf.

ES WAR GESCHAFFT. Geheimakte EA-WB-1 konnte geschlossen werden.

Nur noch 14 Tage bis zum Treffen, sozusagen pünktlich auf die Minute genau.

Dann ging es mit Micha und Werner nach Gotha, das Auto nach Hause holen.

Ihr glaubt gar nicht, wie schnell man Nummernschilder an ein Auto bauen kann. Ich sollte mich mal bei der Formel 1 bewerben.

Werner stieg das erste Mal in das fertige Auto ein, ich nahm auf dem Fahrersitz Platz und wir fuhren das erste Mal mit echter Straßenzulassung unter ohrenbetäubend lauter Hottentotten Musik nach Eisenach.

WAR DAS EIN GEFÜHL !!!

 

Zum Schluss bleibt nur eins zu sagen. Ohne das Engagement der Dekra, speziell Herrn Bockris und Herrn Schubert, hätten wir schrauben und schweißen können so viel wir wollen. Wir hätten mit Sicherheit ein Haufen Fehler gemacht, die diesen Wagen nie auf die Straße gebracht hätten. Und dann hätten auch diese Prüfer sagen müssen „Durchgefallen“.

 

DANKE FÜR DIE TOLLE ZUSAMMENARBEIT!

 

Es war der 18. Juli 2009.

Heute sollte endgültig der letzte Tag der Baumaßnahmen stattfinden.

Mit Staubsauger, Glasreiniger, Lederpflege, Politur, Hartwachs, Spezialreinigern, Gummipflege, Elsterglanz und über 100 verschiedenen Tüchern machten sich Micha, Michel und ich an den Feinschliff.

Hochglanzpolieren war angesagt.

Erst wurde gewaschen und dann gewienert, was das Zeug hält.

Das muss ich niemandem erklären. Denn das kennen die meisten doch selber.

Ganz am Ende holten wir ihn zum letzten Mal vor der großen Präsentation raus und machten ein paar Werbeaufnahmen.

Endlich war es wirklich geschafft und Geheimprojekt „WB1“ war komplett fertig gestellt.

Insgesamt waren wir 101 Mal in Neuenhof. Haben 561,95 Verpflegung in diesen Jahren gebraucht und zusammen als Club 1093,7 Arbeitsstunden in dieses Projekt gesteckt.

17 Mitglieder und Freunde unseres Vereins waren aktiv.

Dazu kommen noch die Stunden der Lackierer, des Sattlers und der Dekra.

Zusammengerechnet kommen wir auf rund 1500 Arbeitsstunden, die in diesem Auto stecken.

Es war bisher unser größtes Projekt, was wir je gemeinsam gestemmt haben. So viel Hilfe und Zuspruch, wie wir erhalten haben, hatten wir nicht erwartet.

Dies ist für uns das Zeichen, das, es 20 Jahre nach der Wende besser funktioniert denn je, wenn man Kontakte hat und jemanden kennt, der wieder jemanden kennt.

Wir sind echt stolz auf das, was hier entstanden ist!

 

 

Enrico Martin

 

Alle Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung durch den Allgemeinen Wartburgfahrerclub Eisenach und Enrico Martin.

www.wartburgtreffen.de