Typ Wartburg (Signale 47-68)

Gesamtansicht des neuen PKW  „Typ Wartburg“ aus dem VEB Automobilwerk Eisenach

1956 wurde der bereits im Vorjahr als EMW 311 getestete Pkw unter dem neuen Namen „Wartburg“ offiziell vorgestellt.

IFA-Kurier & Wartburg-Signale gratuliert dem Wartburg zum 55. Geburtstag mit dem Nachdruck eines Artikels aus der Zeitschrift Kraftfahrzeug Technik vom Februar 1956.

 

Seit Jahresbeginn taucht mehr und mehr ein neuer PKW-Typ im Straßenbild der Deutschen Demokratischen Republik auf, der allgemeines Interesse erregt und allein schon nach seiner äußeren Formgebung und Ausstattung überall anerkennend beurteilt wird. Es handelt sich hierbei um einen neuen Personenkraftwagen (Bild 1) aus dem VEB Automobilwerk Eisenach, der auf den Namen „Wartburg" getauft wurde. Unter Anlehnung an das bewährte Fahrgestell und Triebwerk des bekannten PKW F9 wurde mit dem neuen Baumuster unserer volkseigenen Kraftfahrzeugindustrie mit zahlreichen wesentlichen Verbesserungen und Verfeinerungen der Kon­struktion ein Fahrzeug geschaffen, das in seiner Klasse konstruktiv und leistungsmäßig ein Spitzenerzeugnis darstellt.

Karosserie

Die nach strömungstechnischen Erkenntnissen entwickelte neue Pontonkarosserie bietet Vollsicht und Geräumigkeit. Die Ausstattung des Wageninneren und die weich gepolsterten Sitze erlauben es, auch große Strecken ohne Ermüdung zurückzulegen. Bequemer Ein- und Ausstieg durch vier nach hinten öffnende Türen, bei denen die flachen Türgriffe (Bild 2) an der Karosserie anliegen, ist gewährleistet. Beim Öffnen einer der beiden vorderen Türen schaltet sich die Innenbeleuchtung selbsttätig ein (Bild 3), die unabhängig davon auch von innen durch einen Schalter an der Deckenleuchte betätigt werden kann.

Ein elegantes Zweispeichenlenkrad (Bild 4) mit handlich angebrachtem Signalring gestattet dem Fahrer eine gute Be­obachtung der am Instrumentenbrett untergebrachten Meß- ­und Kontrollinstrumente. Um bei Nachtfahrten die un­angenehme Erscheinung der Spiegelung vom Tachometer und Mehrzweckmeßgerät zu vermeiden, wurden die Instrumente mit Abschirmringen versehen. Raum für den nachträglichen Einbau eines Autosupers wurde vorgesehen. Ohne jegliche Nacharbeit läßt sich der Drucktasten-Autosuper vom RFT­Funkwerk, Halle/Saale, einbauen.

Zur Erhöhung des Fahrkomforts bei kalter Witterung ist eine leistungsfähige Frischluftheizung mit Entfroster-Anlage eingebaut. Für zugfreie Entlüftung des Fahrgastraumes sorgen die beiden Ausstellfenster im Wagenfond.

Die moderne Pontonform ergibt auch eine neue Hecklinie (Bild 5), wodurch der von außen zugängliche Gepäckraum (Bild 6) äußerst geräumig ist. Seine Beleuchtung schaltet sich ebenfalls selbsttätig beim Öffnen der Kofferraumklappe ein. Das Ersatzrad sowie das Werkzeug liegen gut zugänglich unter einem Zwischenboden. Eine besondere Raste (Bild 7) verhindert ein unbeabsichtigtes Zuschlagen der Kofferraumklappe.

Die vergrößerte Einfüllöffnung des Kraftstoffbehälters (Bild 8) liegt diebstahlsicher unter einem Deckel auf der rechten Heckseite des Wagens. Das Öffnen des Deckels kann nur durch einen Druckknopf vom Inneren des Kofferraumes aus erfolgen.

Eine elegante Note gibt dem Wagen das formschöne, gleichzeitig als Haubenauflage dienende Ziergitter (Bild 9). Es ist mit wenigen Handgriffen zu entfernen, so daß dann der Motor für eventuelle Reparaturarbeiten freiliegt und bequem zugänglich ist. Auch der Motorraum wird beim Öffnen der von Innen gesicherten Haube automatisch beleuchtet (Bild 10).

Der Kotflügelform gut angepaßte Scheinwerfer mit senkrecht stehenden Streuscheiben gewährleisten ein gutes Fernlicht und fast blendungsfreies Abblendlicht. Ferner sind in den Kotflügeln die Blinkleuchten untergebracht. Ihre Betätigung erfolgt durch einen Hebel links unter dem Lenkrad. Die hinteren Blinker befinden sich in einer Kombinationsleuchte zusammen mit Schlußlicht und Bremslicht sowie Rückfahr­scheinwerfer. Letzterer schaltet sich automatisch beim Be­tätigen des Rückwärtsganges ein.

Triebwerk

Diesen formschönen Wagen treibt ein Dreizylinder-Zwei­taktmotor mit 0,9-l-Hubvolumen (Bild 11), wie er in seiner Grundkonzeption auch im F 9 verwendet wurde. Seine konstruktive Weiterentwicklung gegenüber dem F 9-Motor ist gekennzeichnet durch verbesserte Spülung, erhöhtes Drehmoment mit günstigerem Verlauf und auf 37 PS gesteigerte Nennleistung (Bild 12). Hierdurch wurde der Motor noch elastischer bei gesteigertem Beschleunigungsvermögen. Entsprechend den hohen Anforderungen des in seiner Drehzahl erhöhten Zweitaktmotors an die Zündanlage wird nunmehr auch eine Drei- Spulen-Zündanlage mit Drei-Hebel-Unterbrecher verwendet, die bei allen Drehzahlen eine einwandfreie Zündung gewährleistet. Mit diesen wesentlichen Verbesserungen bietet der robuste und einfache Motor ein Maximum an Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit, die nicht zuletzt dem Fahrzeughalter zugute kommt.

Das verstärkte Viergang-Wechselgetriebe ist mit dem be­währten Freilauf ausgestattet und im 3. und 4. Gang mit schrägverzahnten Stirnrädern ausgerüstet, die diese beiden meistbenötigten Fahrgänge geräuscharm machen. Das Ge­triebe wird durch eine leichtgängige und betriebssichere Lenkradschaltung betätigt.

Fahrgestell

Ein verwindungsfreier, geschweißter Kastenprofilrahmen gewährleistet größte Stabilität des Fahrzeugs bei allen Be­anspruchungen und entspricht den neuesten Anforderungen an die „innere Sicherheit" der Fahrgäste. Die bewährte Rad­aufhängung vom F 9 (vorn: Querlenker mit oben querliegender Blattfeder; hinten: Schwebeachse) wurde in ihrer Abstimmung und durch Verwendung von Teleskopstoßdämpfern wesentlich verfeinert, so daß der Typ Wartburg mit dem gegenüber dem F 9 verlängerten Radstand eine Straßenlage hat, die auch auf schlechter und kurvenreicher Straße hohe Durchschnitte zuläßt.

Dieses neue Baumuster unserer volkseigenen Kraftfahr­zeugindustrie wird sich als Spitzenerzeugnis seiner Klasse viele Freunde erwerben und auch ein begehrter Exportartikel sein, der dazu beiträgt, den Handel der Deutschen Demokratischen Republik mit den Staaten aller Erdteile zu erweitern.

(Werksbeitrag)