10 Fragen (Signale 47-68)

Wartburgfahrer Dirk Flach bei einer Panne

an Wartburgfahrer Dirk Flach

 

Dirk Flach fährt seit 1995 einen Wartburg 311. Aus gegebenem Anlass haben wir ihn gebeten sich den Fragen von IFA-Kurier & Wartburg-Signale zu stellen.

 

IK&WS: Was für einen Wartburg 311 fährst Du?

Dirk Flach: Einen Wartburg 311-108 von 1963. Also die zweifarbige Luxuslimousine mit dem großen Stoffschiebedach.

IK&WS: Warum hast Du Dich gerade für dieses Fahrzeug entschieden?

Dirk Flach: Das war doch eher Zufall oder so etwas ähnliches wie Vorsehung… Wenn ich mich recht erinnere waren wir beide doch auf der Suche nach einem Oldtimer. Am liebsten ein Audi 60. Auch den legendären VW Käfer haben wir diskutiert. Damals standen Verkaufsanzeigen für Oldtimer noch in speziellen Zeitungen – so ganz ohne Internet…

Wir hatten wieder so eine Zeitung vor uns und waren auf dem Weg, um ein interessantes Auto zu besichtigen. Ein kurzer Kontrollanruf sollte sicherstellen, dass der Anbieter auch zu Hause war. War er zwar, aber das Auto nicht mehr. Also erneut die Zeitung durchgeblättert und festgestellt, dass wir uns beide – unabhängig voneinander – die gleiche Anzeige Markiert hatten. Darin ging es um eine enzianblaue Wartburg-Limousine mit Schiebedach. Anrufen, hinfahren, sich in das Auto verlieben, nicht mehr richtig schlafen können, es am nächsten Tag kaufen und am übernächsten Tag abzuholen war fast eins. So war das anno 1995 und die Oma „zog“ bei uns ein.

IK&WS: Was sind, Deiner Meinung nach, die Stärken der Baureihe?

Dirk Flach: Die Stärke des Wartburg 311 ist die optische Form. Die Schönheit des Wagens. Einfach genial! Bei schönem Wetter mit offenem Schiebedach durch die Gegend cruisen. Außerdem ist der Wartburg 311 immerhin ein (halbwegs) typischer Vertreter Eisenacher Automobilbaukunst. Immerhin hat er praktischerweise vier Türen und einen Kofferraum. Nur der Motor passte damals nicht so recht ins Bild. Doch heute ist so ein gepflegter Zweitakter durchaus ein interessantes Stück Technikgeschichte und macht einen guten Teil des Reizes vom Wartburg aus. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass der Wartburg damals durchaus modern und zeitgemäß war. Sowohl in Form und Komfort, als auch in den Fahrleistungen.

IK&WS: Was sind die Schwächen?

Dirk Flach: Die Schwächen? Das sind der immer tropfende Vergaser und die dauernden Wärmeprobleme… Ich erinnere mich an manche Zitterpartie. Vor allem auf der Linzer Rheinfähre auf dem Weg zum Stammtisch: Wird die Oma starten? Meistens hat sie, manchmal aber auch nicht.

IK&WS: Treffen diese Stärken und Schwächen auch auf Deinen Wartburg 311 zu?

Dirk Flach: Absolut. Wir haben schon einiges in dieser Richtung mit unserer „Oma“ erlebt. Doch im Großen und Ganzen bleibt der Wartburg ja doch nur dann liegen, wenn er kein Benzin mehr hat!

IK&WS: Wie schätzt Du die Alltagstauglichkeit des Wartburg 311 in der heutigen Zeit ein?

Dirk Flach: Da kennt sich Ansgar Glahse deutlich besser aus. Immerhin hat er seinen „Erich Stinker“ jahrelang im Alltagseinsatz betrieben. Etwas verrückt sollte man schon sein, wenn man ein 50 Jahre altes Auto jeden Tag nutzen möchte. Und vor allem leidensfähig. Es hat ja doch schon die eine oder andere Verbesserung in den letzten Jahren gegeben. Auf manches kann und will ich gar nicht mehr verzichten. Daher wird die Oma im Alltag eben nicht bewegt und nur zu besonderen Anlässen aus der Garage geholt. Dann wird sie aber gefordert, wie es sich für ein Auto gehört. Immerhin muss sie im heutigen Verkehr mithalten können. Soviel jedoch kann man mit Fug und Recht sagen: das kann auch ein Wartburg 311 immer noch. Er ist selbst auf der Autobahn kein Verkehrshindernis.

IK&WS: Wenn Du Dir heute Deinen Traum-Wartburg-311 kaufen könntest, welches Modell müsste es sein und warum?

Dirk Flach: Zusammen mit Stephan habe ich mir 1995 mit der legendären Oma meinen Traumwagen, eben den Wartburg 311 „Oma“ gekauft. Also mein Traumwagen steht bereits in meiner Garage.

Das Wartburg Coupé war eine Zeit lang ein wirklich heißer Favorit. Aber die Oma war ist und bleibt die Oma.

Ich  möchte mir heute keinen weiteren anschaffen.

IK&WS: Was ist Dein schönstes Erlebnis mit dem Wartburg 311?

Dirk Flach: Es gab viele schöne Erlebnisse mit der Oma aber was mir noch besonders gut in Erinnerung geblieben ist war ein tosender Applaus der umstehenden Menschen,  als ich mit Miriam von Dornburg kommend auf einem Autobahn-Rasthof einfuhr.

IK&WS: Auf welche Erinnerung (im Zusammenhang mit Deinem Auto) würdest Du gern verzichten?

Dirk Flach: Da denke ich sofort an das Jahrestreffen des Ersten Deutschen Wartburg Fahrer Club 2009 in Bad Salzungen. Auf der Tour sind mir gleich hintereinander Antriebswelle und Kupplung kaputt gegangen. Das Treffen hätte ohne diese Pannenserie deutlich schöner sein können.

IK&WS: Was kann Dein Wartburg 311 heute noch besser als manches modernes Auto?

Dirk Flach: Ganz klar: Aufsehen und Anerkennung erregen im heutigen Straßenverkehr. Neben einem Wartburg 311 mit geöffneter Motorhaube sieht jeder hochmoderne Alltagsflitzer nur blass aus.

IK&WS: Dirk, vielen Dank für dieses Gespräch.