Stretch Wartburg (Signale 46-67)

Der Wartburg Stretch ist fast fertig

Eisenacher Wartburg-Fans erfüllen sich ihren Traum vom gestreckten Wartburg

 

Freitag, 31. Juli 2009

Der weitere Verlauf der Montage sollte allerdings in absolutem Stress enden. Da der Termindruck ja nun auf uns lastete, zählte jede Schraube, die am Blech landete.

Lieber 3 Tage früher fertig, als auf den letzten Drücker. Gerade jetzt ging es um die Details und die möglichst perfekte Endverarbeitung.

Am 3. Juli ist Abnahmetermin bei der Dekra. Bis dahin muss einfach alles fertig sein.

Wir kämpften uns mühselig voran. Scheibengummis rein, Scheiben rein, Türen dran, Kurbelautomaten, Schlösser, Griffe, Kofferklappe, Motorhaube und so weiter. All dies sind Dinge, die man nicht einfach nur mal anschraubt, nein die müssen sitzen.

Mittlerweile hatte ich es mir mit Stefan zur Abendgestaltung gemacht zu schrauben, was das Zeug hält. Tatkräftige Unterstützung bekamen wir dann von Kristin, Michel, Jens, Werner und Franzi. Die alle waren bei bestimmten Abschnitten vonnöten. Unsere Franzi zeigte sich äußerst talentiert beim Einziehen der Profilgummis am Fensterrahmen. Jens, der bei Opel arbeitet, hat eh den nötigen Durchblick, und Kristin wurde mal kurzerhand als neuer Azubi missbraucht. Sie lernte sehr schnell und baute mit Stefan Stoßstangen und andere Teile an.

Dann verbrauchte ich ca. 3 Liter Profilkleber, um die ganzen Lederdetails an die Säulen und Sichtteile zu verkleben.

Der Himmel war zu diesem Zeitpunkt schon drin. Das wird aber ein Extrathema.

Als es um die Scheiben ging, tauchte auf einmal Werner auf und holte aus irgendeiner Ecke eine Frontscheibe mit Scheibenantenne. Das war ja der Hammer. Somit lösten wir das Problem mit der Antenne ganz einfach.

Dann kam noch ein großer Einsatz.

Es hieß für uns: Spaltmaße der Blechteile ausrichten. Dafür war kein Team besser geeignet als Alex und Stefan. Die Jungs mit dem Finger fürs Feine.

18 Arbeitsstunden später waren sie mit dem Ergebnis recht zufrieden. Die Türen waren ständig ab und dran und ab und dran. Alex sprang auf den Kotflügeln rum, dass es mir den Magen bei diesem Anblick umdrehte. Stefan musste ja irgendwie die Schrauben in die Löcher bekommen. Es war zwar schonmal alles ausgerichtet, aber durch einen zwischenzeitlichen Tausch eines Kotflügels passte der nicht so millimetergenau wie geplant. Ich dachte nur immer „DER ARME LACK“, aber die Jungs „sind es halt“, alles blieb heil und sah zum Schluss richtig gut aus.

Das erste Mal betrachteten wir den Wagen komplett in der Sonne und ohne Schutzfolien.

Dann kamen noch der Kantenschutz, Schalter, Spiegel, Sonnenblenden, Kennzeichenhalter und so weiter an das Auto.

In einer letzten großen Tagesaktion machte ich mich mit Stefan an das Fahrgestell. Es hieß nach und nach alle Schrauben, Muttern usw. nachziehen, prüfen und versplinten. Da, wo ich dachte, ich hätte es festgezogen, da hat Stefan noch drei Umdrehungen nachgelegt. Aber dafür war ja dieser Einsatz auch gut. Das einzigste Problem, das wir dabei feststellten, sollte auch unsere erste Reparatur werden, bevor wir jemals richtig auf der Straße waren.

Eine Achsmanschette war gerissen und ehe wir da das Gummi wechseln, tauschten wir einfach den ganzen Antrieb. Zusätzlich baute Stefan nochmal die Lenksäule mit Schaltgestänge aus, da irgendwas viel zu schwergängig war.

Einen Tag später war der Micha gefragt. Er bekam einen Pinsel und durfte die Radkästen mit Elaskon Unterbodenschutz schwarz streichen. (Eigentlich schade, weil es in Weiß so gut aussah, aber es hilft nix Steinschläge machen Rost und Rost ist nicht gut.)

Unbewusst machten wir sogar noch einmal einen Verwindungstest, beim Anheben mit dem Wagenheber, hob sich echt die gesamte Seite des Wagens, so dass man mit einem Wagenheber hinten und vorne gleichzeitig auf einer Seite die Räder wechseln kann.

Es knackte nix und die Verwindung sah sehr gut aus. Bis auf die Türrahmen konnte man gar nichts weiter sehen.

Die Scheiben haben wir vor dem Einbau schon mit schwarzer Sonnenschutzfolie von Matthias Wagner von der Firma W&S Design bekleben lassen. Die sind absolute Spezialisten, wenn es um Beschriftungen und Folien geht.

Die Montage war beendet und der Innenausbau konnte beginnen.

 

Die Innenausstattung eines Autos ist genauso wichtig wie die Außenansicht durch den Lack.

Dafür holten wir uns Unterstützung bei einem Bekannten, der gerade erst seine Raumausstatter-Meisterprüfung absolviert hatte.

Daniel Gradewald, selber Besitzer eines Oldtimers BMW hatte schon einiges an Erfahrung mit Autositzen am eigenen Wagen und Sofas und Sessel anderer Wohnstuben gemacht.

Ein junger dynamischer, nennen wir es mal Neuling in der Szene, der sofort Feuer und Flamme war, als wir ihn um Mithilfe für unser Projekt baten.

Seine Aufgaben sollten werden:

Türpappen, Himmel, Sitzbänke, Sitze, und die Möbel in Leder zu hüllen.

Daniel war also bestellt und kam zur Arbeitsbesprechung vorbei. Dies geschah 3 Tage ,nachdem wir die Karosse vom Lack wiederhatten. Sprich ca. ein viertel Jahr Zeit bis zur Abnahme.

Das Strahlen in seinen Augen, als er das Gerippe sah, war unübertroffen. Schon da merkte man, dass wir wieder jemanden gefunden hatten, der mit Leidenschaft dabei ist.

Schnell war klar, dass wir auf Kunstleder aufbauen, da für Echtleder einfach die Menge, der Verschnitt und der Preis viel zu hoch sind. Ursprünglich dachten wir über eine helle sandfarbene Ausstattung nach. Ich räumte aber Daniel Freiraum ein, da er der Fachmann für den farblichen Innenausbau ist.

Daniel nahm alle Teile mit und wollte 14 Tage später einen maßangefertigten Himmel liefern.

Der alte Fuchs forschte bei allen Bekannten umher, bis er jemanden fand, der noch Original-Meter-Ware an Himmelstoff liegen hatte. Zwar wollte ihn der Vorbesitzer mit aller Macht davon überzeugen, dass man keine 6 m Material für einen Wartburg braucht, aber Daniel schaltete schnell und sagte, dass es für 2 Autos sei. Geheimhaltung ist halt alles.

Pünktlich auf den Tag genau stand Daniel in der Scheune. Er wolle mal probieren, ob der Himmel passt. Kaum hing der drin, lief er zum Auto, fragt was ich heute noch vorhabe und begann die Endmontage. Ich dachte, wo bin ich denn jetzt. 3 Stunden später war der Himmel fest verklebt und so etwas von professionell, wie wir es uns immer gewünscht hatten.

Kaum war er fertig, sagte er doch nicht, dass dies sein erster Himmel war, den er je für einen Wartbug gemacht habe. (Ich konnte es nicht fassen!) Natürlich ist ein Wartburghimmel kein Hexenwerk. Aber die Nähte sauber und ordentlich an die richtigen Stellen zu bekommen und das beim ersten Mal ist schon eine echte Glanzleistung.

Jetzt da der Himmel drin war, bekam ich langsam eine Vorstellung über die Innenansicht. Daniel machte einen Supervorschlag. Warum setzen wir nicht bis zur Hälfte in Himmelfarbe ab, gehen dann ins Schwarz über. Legen schwarzen Teppich rein und beziehen die Sitze in englischem Rot mit schwarzen Kederen?

Volltreffer sag ich nur. Ich traf die Entscheidung erstmal alleine, erntete aber sofort volles Verständnis von allen anderen. Alex sein erster und einzigster Spruch zu dieser Idee war (100-prozentig) Und wenn der kleine Detailverliebte das sagt, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Daniel hatte freie Hand über die Musterung der Türpappen und der Sitze. Nur das Leder wählten wir gemeinsam aus.

 

Ich begann jetzt in der Zwischenzeit die Lederkonturen an den Säulen und Sichtbereichen zu kleben. Natürlich fast überall mit Schaumstoff unterfüttert, da sich das besser anfühlt. Tagelang klebte ich nun zwischendurch die Lederdetails.

Dann kam Daniel auf einmal und brachte eine Türpappe als Muster vorbei.

Zum zweiten Mal traf mich der Schlag. So etwas Edles kannte ich nur aus irgendwelchen Tuningshows. Der Junge hat echt Geschmack.

Schnell war klar, so muss er weitermachen.

Kaum mit den Lederdetails fertig, kam Wolfram Böhnhardt vorbei. Er ist selbständiger Tischler und nebenbei Voritzender des Museumsvereins. Er sollte die großen Türen verkleiden und Schränke für den obligatorischen Sekt einbauen. Eine Rückwandverkleidung mit Ablage bauen und das alles so stabil wie möglich. In nur einer Woche war alles fertig und Wolfram leistetet echt genauso eine Hammer Arbeit. Er hatte sich so dermaßen Gedanken gemacht, das, das Resultat voll unsere Vorstellungen übertraf.

Dann war es Samstag, der 6. Juni 09 und Wolfram wollte liefern kommen. Es hupte vor der Scheune und auf einmal stand da einer, den ich sehr gut aus dem Fernsehen kannte. Kein geringerer als „Maddin Schneider“ (Schillerstraße, 7 Zwerge usw.) stand vor mir und sagte „Hallo isch binn där Maddin“. Ich war doch leicht überwältigt den ersten Stargast an der Limo zu sehen. Maddin ist ein guter Freund von Wolfram und war gerade bei ihm übers Wochenende zu Besuch. Wir quatschten eine halbe Stunde und Martin ist echt ein ganz entspannter Typ, ohne Starallüren, ein Mensch wie du und ich. Natürlich bin ich auch nicht der Typ der gleich auf solche Leute abgeht und die mit Autogrammwünschen und sonst was für einem Geschrei umlagert. Er war schließlich ganz privat da und so sollte es auch sein. Das Einzigste, was er als Beweis über sich ergehen lassen musste, war ein Foto am Auto. Da willigte er sofort ein mit dem Satz „Da wüll isch abär auch eins von haaaben“. Ja Maddin ist wie im Fernsehen. Er spricht zwar etwas schneller, aber der Dialekt lässt sich nicht verbergen.

Das hat natürlich motiviert und ich habe ihn privat zum Treffen eingeladen. Ohne Tamtam. Wenn er da ist, ist er da. Ob das so wird, kann ich heute noch nicht sagen da ich ja nicht in der Lage bin in die Zukunft zu sehen und es heute noch 52 Tage bis zum Treffen sind.

Das war ein schöner Spaß und weiter ging es an die Arbeit. Daniel kam 10 Minuten später und wollte nicht glauben, wer gerade da war. Aber er überraschte mich schon wieder und ich durfte zum erstenmal eine fertige Sitzbank sehen. Was wollte ich anders erwarten, als das, was ich bisher sah?  Nicht nur Leder, nein auch noch komplett neu gepolstert. Der Junge hats drauf. Michel und Kristin waren auch gerade da und genau derselben Überzeugung wie ich. Michel sagte nur: „Du bist der Daniel??? Du bist so geil!!“ So drückt sich Michel aus, wenn er jemanden sofort mag und das, was derjenige macht, gut findet.

Daniel bekam die restlichen Teile zum Satteln und verschwand wieder in der Werkstatt.

In der Zwischenzeit machte ich mich an den Teppich. Oftmals wollte ich bei bestimmten Arbeiten einfach nur alleine sein, da man auch mal seine Ruhe braucht. 3 Tage lang klebte, schnitt und passte ich Stück für Stück den Teppich an. Um möglichst lange etwas davon zu haben, entschieden wir uns für den guten von Vorwerk. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Kompliziert war nur die Fußmulde im hinteren Bereich. Alles andere war reine Feinarbeit.

Früher wurden die Teppiche gepresst und passten somit sofort, doch hier war Geduld gefragt.

Nach 3 Tagen war der Teppich drin. Ich drängelte bei Daniel und bekam wenige Tage später die gesamten Türpappen fertig bezogen.

Nachdem diese eingepasst waren, sah man immer mehr, wie der Innenraum wohl wirken sollte.

Dann kam eine kurze Baupause, da die Tochter meines Chefs heiratete. Dazu war ich im Organisationsstamm gefragt und ein Wochenende lang außer Gefecht gesetzt. Doch jetzt begann der Zeitdruck noch einmal kurz. Am Freitag vor der Hochzeit bekam ich wider Erwartent die roten Nummernschilder schon 1 Woche früher als geplant. Jetzt kribbelte es so dermaßen, endlich eine richtige Probefahrt! Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie da das Herz rast. Aber, keine Sitze, keine Probefahrt. Und was uns während einer längern Tour noch erwartet, wissen wir vorher nicht.

Also Telefon und Daniel angerufen. Wie weit bist du? Naja.. noch nicht ganz, aber fast.. Er tat mir leid, denn ich wusste, was er alles an der Arbeit zu tun hat und wie er trotzdem jede freie Minute für uns verwendete. Also ruhig Brauner, wir gedulden uns noch 3 Tage. Doch dann der erlösende Anruf. Komm morgen rum, da kannst du wieder was holen.

Am nächsten Tag nach der Arbeit sofort zu ihm. Ich fasste es kaum. Alles bis auf die vorderen Sitze war fertig. Ich strahlte über beide Ohren. Alles ab ins Auto und die Angi holen. Dann wurde losgelegt. Sitzbänke rein, Teppichkanten fertig, das Trennbrett rein und die Schränkchen für den Sekt dazu.

Jetzt war der hintere Innenraum fertig. Wir glaubten unseren Augen nicht, wie harmonisch dieses Zusammenspiel sein sollte. Jede Naht lag perfekt auf der anderen. Die Materialien waren absolut und liebevoll verarbeitet und nicht eine Kleinigkeit störte uns nur irgendwo.

Das Ende der Arbeiten war jetzt abzusehen. Gleich am selben Abend kribbelte es so schlimm, dass Micha, Angi, Daniel und ich die erste längere Probefahrt machten. Raus und Richtung Hessen. Doch dazu komme ich beim Thema „Die technischen Probefahrten und Feineinstellungen.

Daniel hat mit seiner Arbeit mehr überzeugt als je erwartet. Er konnte auf unsere Vorstellungen voll einen draufsezten und das Zeug von echter Handwerkskunst und Fingerfertigkeit.

 

DANKE DANIEL !

 

 

Enrico Martin

 

Alle Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung durch den Allgemeinen Wartburgfahrerclub Eisenach und Enrico Martin.

www.wartburgtreffen.de