Stretch-Wartburg (Signale 45-66)

Die Wartburg Stretch-Limo

Eisenacher Wartburg-Fans erfüllen sich ihren Traum vom gestreckten Wartburg

 

Kaum hatten wir die Karosse in Neuenhof an unserer Scheune geparkt, ratschten auch schon die Schraubenschlüssel und das Transportfahrgestell wurde entfernt. Auf zwei von Stefan geborgten Böcken mit Karosseriebreite wurde das Teil dann abgestellt.

Immer nach dem Motto „Fett dran“ schraubten wir die neuen Karosserieauflagen an die Schweller, immer so, wie Stefan den Takt vorgab.

Danach eine Pinselschicht Elaskon drüber und fertig war die Karosse zur Hochzeit.

1 Stunde lang warteten wir auf Angelina, die in der Zwischenzeit nach Hause gefahren war, um unser Mittag vorzubereiten.

Kaum war sie wieder da, legten wir mit Manneskraft los.

Zur Unterstützung kamen zu mir, Stefan und Michel, Werner und Jens.

Ein Ruck und ... absetzen. Wir merkten, dass das gesamte Teil durch Lack, Spachtel und Antidrön doch etwas schwerer war wie vermutet.

Also holten wir das Fahrgestell kurzerhand einfach mitten auf die Straße und fingen von vorne an.

Mit geballten Kräften hoben wir bei 3 an und waren binnen 2 Minuten in der richtigen Position zum Absetzen.

Zack und drauf saß die Karosse sofort perfekt in den Auflagen und musste nur noch verschraubt werden.

Es dauerte nicht lange, da machte es „Flop“ und die erste Sektflasche ging durch die Reihe. Endlich wurde einem alle, greifbar klar vor den Augen und wir wussten, dass es nur noch vorwärtsgeht.

Danach machten wir noch entspannt Mittag auf dem Hänger und sonnten uns in den Strahlen der Mittagssonne.

Später am Tagesende waren die Kotflügel vorne dran, das Frontmittelteil und das Heck mit Elaskon gestrichen.

Hätten wir dem Stefan nicht das Werkzeug weggenommen, dann hätte der auch noch die Elektrik verklemmt. Stefan war kurz vor Feierabend schon so weit, dass der Kabelbaum komplett in der Karosse lag.

Ein wirklich schöner Tag ging dann zu Ende.

 

 Die Montage des Autos gestaltete sich als wenig spektakulär. Da es sich im Prinzip um den Zusammenbau eines Wartburg 353 handelte, waren viele Arbeitsschritte gleich.

Nach dem Wochenende mit der Hochzeit arbeiteten wir 2 Wochen lang fast täglich an dem Wagen.

So konnten wir aus unserem Fundus fast komplett Neuteile für alle Baugruppen verwenden und was wir nicht hatten, wurde durch Stefan und Peter dazugelegt.

Stefan feilte knapp 3 Abende am Kabelbaum und ich montierte in der Zwischenzeit an anderen Stellen.

Bei der Elektrik verbauten wir einen fabrikneuen Kabelbaum, jedoch ohne Innenbeleuchtung.

Die schmutzigste Aufgabe sollte dann aber noch die Hohlraumversiegelung werden.

Jeder, der das mal gemacht hat, weis wie man danach aussieht.

Wieder einmal stiftete die Firma Elaskon das nötige Material dazu. Schnell noch einen Kompressor besorgt  und dann ging es schon mit Sonden in die Hohlräume. 4 Flaschen haben wir verbraucht und das nicht sparsam, da wir ja Ruhe vor Rost haben wollen.

Das hält jetzt auf jeden Fall für Jahre. Als schönen Tipp am Rande: Die Firma Elaskon hat einen Lackreiniger auf Wachsbasis, der den Lack nicht angreift, gleichzeitig sich aber wunderbar zum Entfernen von Elaskonspritzern eignet. Zusätzlich versiegelt er gleich die Flächen und lässt sich bequem sprühen.

Hier kam auch wieder unser Micha zum Einsatz, der bei Stefan eine harte Lehre zu durchlaufen hatte.

So gibt es ein lustiges Beispiel, was ich mal erwähnen muss. Stefan liegt auf dem Rücken eingeklemmt zwischen Spritzwand und Lenksäule und sagt zu Micha: „Such schon mal einen Blinkgeber“. Kaum ausgesprochen kommt Micha auch schon freudestrahlend angerannt und drückt Stefan einen Blinkhebel in die Hand. Stefan brüllt und fragt, was das sein soll. Darauf Micha: „Der macht doch, dass es blinkt“. Die Mischung von Stefans Reaktion war ein Gefühl von „ich schmeiß mich weg, bis ich rast gleich aus, und Kann so nicht arbeiten“.

Klar ist, dass wir dadurch nur zu lachen hatten und alles viel Spaß gemacht hat.

Der letzte Großeinsatz war dann am 28. März 2009. Alex, Micha, Stefan und ich arbeiteten an der Komplettierung der Elektrik, des Motorinnenraums und der Hi-Fi-Anlage.

Natürlich sollte es am Nachmittag die ersten Geräusche vom Wagen geben. Kurzerhand, die Anlage war das Erste, was ich zum Rumsen gebracht habe. Ein eigener Kabelbau soll dafür sorgen, das gesamte System einzeln abzusichern. Ein Bombenklang ohne Türen und Dämmung war das Ergebnis.

Alex, der kleine Bastler, kümmerte sich fast ausschließlich um die Montage des Motor-innenraums und konnte sich mit Vergasern, Zündspulen und Schläuchen austoben. Das kann er wirklich blind.

Kurz darauf klemmte auch Stefan schon seine Elektrik an die Batterie und wiedermal kann ich eins heute sagen. Es ist Wahnsinn, dass ein Farbenblinder einen kompletten Kabelbaum verlegt und nur 3 Kabel umklemmen muss, dass auf Anhieb alles funktioniert.

Nacheinander fing das Auto an zu leben. Licht für Licht und Relais für Relais fingen an zu funktionieren.

Dieses Erfolgsgefühl ließ es in uns überschwappen und ein Sprüher WD40 und ein Schluck Super im Vergaser machten es zum Anlass nach 3 Jahren das erste Mal das „Rängdedängdedäng“ zu hören. Unser Motörchen sprang beim ersten Zündversuch an, ohne dass wir irgendwas nachstellen mussten. Das war ein Gefühl von Freude und Befriedigung.

An diesem Tag hörten wir dieses Geräusch weitere 3-mal. Nicht weil wirs mussten, sondern weil es einfach nur Klasse ist einem Zweitakter zu lauschen.

 

 Es war der 31. März 2009.

 

Wir wollten die restlichen Kleinteile noch anbauen, die im Motorraum fehlten, das Pedalbodenblech einschrauben und erste Feineinstellungen machen.

Eigentlich war das unser Tagesziel.

Während Michel und Stefan abwechselnd unter dem Auto lagen und irgendwelche Schrauben anzogen, Bowdenzüge einhingen und Schlauchschellen verbanden, kümmerte ich mich um das Ranschaffen verschiedenster Materialien. Angelina saß in der Ecke und sortierte unsere Schraubenwühlkiste grob nach Muttern, Ringen, Schrauben und Sonstigem. Dadurch wollen wir gerade jetzt in der letzten Phase schneller alles finden, was wir suchen und nicht Stunden mit dem Umherkramen in 10.000 Kleinteilen verplempern.

Als alles angeschlossen war, brachte ich das Wasser für unser Kühlsystem. Nachdem alles eingefüllt war, hieß es noch entlüften. Dabei durfte ich den Druck in den Kühler blasen und Stefan zum Feiern bringen, als mir die ganze Soße durch die Ablassschrauben ins Gesicht spritzte. Aber sowas gehört dazu und ist einfach nur Klasse.

Dann füllte ich Sprit und Öl in den Tank und wir kamen auf die Idee: „Heute fahren wir `ne Runde“

Kristin war in der Zwischenzeit auch gekommen und hat der Angelina noch ein wenig mit unter die Arme gegriffen. Dann war es soweit. Die verchromte Benzinleitung war noch leer. Der entscheidende Augenblick sollte sein, ob die Benzinpumpe auch den Sprit befördert. Also, Batterieklemme dran und Start. Nach 2 Sekunden war das Benzin schon vorne im Filter. Den haben wir dazwischengebaut, um zu sehen, dass wirklich aller Schmutz aus dem Tank raus ist.

Es funktionierte auf Anhieb.

Doch bevor wir jetzt einen Gang einlegten, wollte ich es unbedingt auf Video festhalten, wenn der Wagen das erste Mal in seinem Leben, aus eigener Kraft die Scheune verlässt. Nach 3 Telefonaten mit unterschiedlichen Leuten kam mein Chef, der Peter, sofort mit seiner EOS5D gefahren und wollte auch unbedingt dabei sein. Peter hatte eine Stunde vorher gerade erst seinen Familienzuwachs begrüßen dürfen, Henry ein 8 Wochen alter Baby Retriever. Aber er ließ es sich nicht nehmen, das zu erleben. Während wir warteten und schon den gesamten Boden   vom Werkzeug befreit, einen Sitz eingebaut und das Lenkrad verschraubt hatten, nahm ich das erste Mal Platz. Wie ein kleines Kind startete ich den Motor bestimmt 3 Mal.

Stefan, Michel, Angi und Kristin standen in der Einfahrt und verfolgten das Schauspiel. Dann sah mich Stefan an und sagte: „Los, mach mal nen Gang rein!“ Gesagt, getan, Kupplung, Gang, Gas... 2 Meter vor und 2 Meter zurück. Immer wieder wie ein Kleinkind freute ich mich, dass alles schon soweit zu funktionieren schien.

Eine besondere ProbefahrtDann kam Peter. Ich schnappte mir die Kamera und sagte zu Stefan: „Los, das ist dein Turn“ Der guckte zwar erst etwas verdattert, scheinbar dachte er, dass ich erst fahren will. Aber nee... Stefan hat mit mir die Kältehölle der letzten Wochen durchlebt und ständig mitgeschraubt und Teile beschafft, als Farbenblinder die Elektrik verlegt und vom ersten Tag an mindestens genausoviel Herzblut vergossen. Er soll derjenige sein, der als Erster überhaupt eine Runde mit so einem Wagen drehen sollte.

Ich ging in Position und er startete das Triebwerk. Vorsichtig fuhr er aus der Scheune und dann Gas, Vollgas und ab.......... Am Ende der Straße: Bremstest... Hatten wir doch die ganze Zeit schon gesponnen, dass wir erstmal ein paar Bremsspuren auf die Straße brennen.

Eine Runde um die Siedlung kam er auch unten schon wieder um die Kurve.

Das Grinsen in seinem Gesicht war wie festgewachsen. Mit einem lauten: „Da geht dir einer ab“, stieg er aus und ich ein.  Dasselbe Spiel nochmal.

Danach konnte ich seine Euphorie sofort nachvollziehen, da erstens alles funktionierte und nichts klapperte und zweitens das Gefühl um die Kurve zu fahren und erst gefühlte Minuten später das Heck nachkam war schon unbeschreiblich.

Vielleicht sollte man das Fahrgefühl wie mit einem Mercedes Sprinter vergleichen. Etwas mehr ausholen, aber ansonsten ganz normal.

Dann sah ich die Gesichter der anderen, die auch nur am Grinsen waren und sagte, „los alles einsteigen, wir machen Belastungstest“. Also nahmen die 4 hinten Platz und auf gings zur luftigen Platzrunde. Mittlerweile hatte schon die gesamte Nachbarschaft Stellung genommen und begrüßte uns zum Teil mit La-Ola-Wellen.

Als Letztes wollte ich nochmal das Gefühl haben auf der neuen Seite entgegengesetzt zur Fahrtrichtung zu sitzen, was Stefan wiedermals als affengeil beschrieben hat. Also Stefan rein

und letzte Runde.

Dann war Schluss. Denn es war ja noch kein Nummernschild dran und übertreiben darf man es nicht. Hätten wir da Ärger bekommen, hätte ich das gern auf mich genommen, aber die allgemeine Begeisterung aller anderen war Sicherheit genug für uns, Verständnis zu haben. Außerdem waren die Straßen nur Seitenstraßen, die selten befahren sind.

Stefan parkte den Wagen standesgemäß rückwärts ein und unsere Probefahrt war ein voller Erfolg. Alles passte, alles funktionierte und wir waren einfach nur glücklich.

 

 

Enrico Martin

 

Alle Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung durch den Allgemeinen Wartburgfahrerclub Eisenach und Enrico Martin.