Rendite (Signale 44-65)

Die Einen empfehlen Oldtimer als erstklassige Spekulationsobjekte - Andere sehen einen leichten Preisrückgang

Die Einen empfehlen Oldtimer als erstklassige Spekulationsobjekte - Andere sehen einen leichten Preisrückgang

US-Talkshow-Legende Jay Leno hat es vorgemacht. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Wert seines McLaren F1 von 800.000 US$ auf 4.300.000 US$ verfünffacht. Das berichtete die Tageszeitung „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 31.08.2010. Mr. Leno steht damit nicht allein.

Besitzer von Hispano Suiza J12 Cabriolets können sich ebenso freuen, wie die Eigner eines Bugatti Type 57SC Atlante Coupé von 1935.

Letzterer schlägt durchaus mit ungefähr 30.000.000 US$ zu Buche.

Ungefähr zeitgleich veröffentlichte indes der Verband der Automobilindustrie (VDA) seine aktuelle Einschätzung der zu Folge es leichte Preisrückgänge  bei den Oldtimerverkäufen im ersten Halbjahr 2010 gab.

Beide Meldungen scheinen sich zu widersprechen. In Wirklichkeit zeigen Sie jedoch ein recht klares Bild von den Preisentwicklungen auf dem Markt für klassische Automobile.

Wer es sich leisten kann in wirklich seltene und sehr teure Fahrzeuge zu investieren, für den kann sich das durchaus lohnen.

Wer jedoch eher durchschnittliche Allerweltsautos vergangener Tage besitzt, sollte vor übertriebenen Erwartungen an mögliche Wertzuwächse deutlich gewarnt sein.

Nun sind Wartburg und Co durchaus attraktive Klassiker, aber in der Liga von Ferraris oder Bugattis spielen sie nun einmal nicht mit.

Das ist für jeden von uns, der nun nicht unbedingt ein Talkshow-Star oder ähnliches ist, eine durchaus positive Nachricht.

Wie der VDA berichtet sind jedoch auch bei den normalen Oldtimer in den vergangenen 10 Jahren stetige Preisanstiege von 5,7% pro Jahr zu verzeichnen gewesen.

In diesem Jahr nun sank der Preisindex um 1,9 Punkte.

Zeitgleich ist der Deutsche Aktienindex mit einem Plus von 0,15% nahezu unverändert geblieben.

Es scheint, dass sich die weltweite Wirtschaftskrise und die damit einhergehende Kaufzurückhaltung nun auf den Oldtimerpreisen niederschlägt.

Interessanterweise zeigen gerade wirkliche kleine Fahrzeuge, wie der Fiat 500 oder der Citroen 2CV große Steigerungen, während der Mercedes-Benz 300 SL eine Preisberuhigung erfahren hat.

Der VDA berechnet seinen Oldtimer-Preisindex seit 1999. Seither werden immer gleiche Kriterien zur Berechnung zugrunde gelegt. Dabei dienen Wertgutachten von 88 unterschiedlichen Fahrzeugtypen aus sieben Herstellerländern als Basis. Zur Vermeidung von Unschärfen werden Vorkriegsfahrzeuge nicht berücksichtigt. Diese haben sowieso eine sehr eigene Preisdynamik und sind überwiegend in nur kleinen oder kleinsten Mengen am Markt zu handeln.

Immerhin erwarten deutsche Profi-Händler für den Rest des Jahres ansteigende Nachfrage und damit einhergehende Preissteigerungen.

Die spannendste Frage aus unserer Sicht ist jedoch, wie haben sich die Preise unserer Fahrzeuge entwickelt?

Lohnt sich die Anschaffung eines Wartburg als Wertanlage oder fährt man lieber damit und hat einfach Spaß?

Diese Frage lässt sich bei entsprechender Kenntnis der Bedeutung des Vereinsnamens EDWFC sehr leicht beantworten: EDWFC steht für Erster Deutscher Wartburg Fahrer Club. Und damit haben wir durchaus recht.

Selbst das Wartburg 311 Coupé, der Wartburg mit dem höchsten Wertzuwachs innerhalb der letzten 12 Jahre, bietet in Zustand 1 eine Wertsteigerung von 8.600 €.

Das klingt gar nicht so schlecht. Immerhin haben sich die Preise für das Coupé mehr als verdreifacht.

Allerdings werden Oldtimer dieser Kategorie fast immer für Fahrten genutzt und stehen eben nicht in einer vollklimatisierten Supergarage herum.  Kalkuliert man deshalb die Kosten für Steuer und Versicherung mit jährlich ca, 350€ mit ein und rechnet man auch Kosten für die Unterbringung des Fahrzeugs hinzu, so sieht die Gesamtbilanz mit einem Plus von 1500€ doch eher bescheiden aus.

Wer hingegen eine normale Wartburg 311 Limousine sein Eigen nennt, sollte auf den Traum von der Rendite lieber gleich ganz verzichten und gar nicht erst weiterlesen: Legt man nämlich hier die gleiche Kalkulation an, hat der Besitzer innerhalb von 12 Jahren insgesamt 8000€ verloren.

In dieser Rechnung sind jedoch noch keine Kosten für Pflege, Werterhaltung und Service enthalten.

In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Autor dieses Textes seit 16 Jahren eine Wartburg-Limousine in seiner Garage stehen hat. Das Fahrzeug wurde zwischenzeitlich zwei Mal restauriert…

Da verbietet sich jede weitere Kalkulation von selbst.

Aber das ist für echte Liebhaber eben kein Problem. In diesem Sinne Gute Fahrt wünscht...

Stephan Uske