Wartburg-Stretch (Signale 43-64)

Hier läßt sich langsam erahnen, was letztlich entstehen soll

Eisenacher Wartburg-Fans erfüllen sich ihren Traum vom gestreckten Wartburg

 Mittlerweile war es März 2007 und wir hatten alles gut vorbereitet. Doch eins fehlte. Wo bekommt man Stangen an Rahmenmaterial her? Ich wusste, dass früher der Eisenacher gerne seine Pfosten für den Gartenzaun mit diesem Material gebaut hat. Also, so nach dem Motto: „Die Flex in der Tasche und ab auf die Suche“.

Doch ganz so schwer sollte es nicht werden. Erst ein paar Anrufe bei Bekannten, aber ohne Erfolg. Dann der Schicksalstag. Auf der Runde mit dem Hund durch die Nachbarschaft sah ich von weitem eine ca. 6 m lange Stange liegen. Direkt an einem Zaun. Und die Schweißnaht kam mir sehr bekannt vor. Also näher und siehe da... RAHMENMATERIAL. Allerdings stark angerostet. Sofort nahm ich mein Handy und rief einen Kumpel an, von dem ich wusste, dass er den Besitzer kennt. Es dauerte keine 2 Tage, da hatte ich einen Termin bei dem Besagten. Wir unterhielten uns und ich sprach ohne ins Detail zu gehen von dem Material, was da lag. Er sagte sofort, das könnte ich haben. Noch ein paar Minuten später auf einmal “Warte mal“ er ging in die Garage. Kam wieder heraus und hatte eine neue unberührte Stange Rahmenmaterial in der Hand. Er fragte, wie lang es sein muss?

 

Wir maßen nach und es waren genau 1,40 m. Die Länge, die wir auch verlängern wollten. Was für ein Zufall! Kaum hatte ich das Grinsen im Gesicht verschwand er schon wieder. Kam zurück und hatte 8 Stangen in der Hand. „Hier“ sagte er und schenkte mir das ganze Material. „Ich hatte es mal als Zaunpfosten geplant“, ich lachte nur und war happy.

 

Als ich im Club das erzählte, waren alle Feuer und Flamme. Zufälle bestimmen halt oftmals das Leben. Ursprünglich wollten wir aus allen Rahmen die geraden Stücke herausschneiden und neu zusammenschweißen. Dies hätte aber nie funktioniert und wäre auch nie stabil geworden.

Als Nächstes haben wir den Rahmen vom Grünen komplett entkeimt, geschliffen und neu grundiert (mit Rostumwandler in der ersten Schicht).

Dann ging es an die Arbeit. Am 7. April 2007 war es dann soweit. Getreu unserem Motto: „Die Arbeit zeigt den Weg“ machten wir uns mit fachkräftigem Rat von Charly Braun, dem ehemaligen Werksmitarbeiter, der die verlängerten Wartburgtransporter mitgebaut hat, an die Schweißarbeiten. Dazu kamen Alex und Stefan, die ausgebildeten Fachschweißer (oder die Könige des Britze Bratze), 2 Flex, 2 Schweißgeräte, 1 Kiste Bier und das Material.

Dann ging es an das perfekte Zuschneiden.

Kaum geschnitten wurde auch schon verlängert

Erst elektrisch angeheftet und dann MAG durchgeschweißt. Alex und Stefan teilten sich die Arbeit.

Wenige Stunden später konnten wir erste Belastungstests fahren.

Zum Schluss fügten wir noch Metallwinkel an den Schweißnähten an, so wie es für die Stabilität beim Rallye-Sport gemacht wurde, und eine Querstrebe zur Sicherheit unter Berücksichtigung der späteren Fußmulden in der Karosse.

Am Ende eines Tages, genau nach 10 Stunden, war der Rahmen fertig geschweißt und die Nähte gereinigt. Wir hatten das ganze Wochenende geplant und konnten nun einen ruhigen Sonntag verleben. Wenige Tage später war der Rahmen bereits wie neu. Wieder einmal durch Zufall sah ich in der Werbung, dass es bei Metzen Qualitätsspraylacke  zum Preis von 2 Euro gab, mit denen wir uns gleich eindeckten. Damit wurde grundiert und lackiert. (Na gut, ein Fachmann würde sagen „gespritzt und gekleckert“)

Zum Schluss 2 komplette Schichten Elaskon Unterbodenschutz drauf, die wir von der Firma Elaskon als Unterstützung zur Verfügung gestellt bekamen. Ohne Schleichwerbung sage ich offen und ehrlich, das Zeug lässt sich wunderbar verarbeiten ob gespritzt oder gestrichen. Und es trocknet vor allem innerhalb von 24 h grifffest aus. Nach 2 Wochen ist es komplett hart bzw. schwer zäh. (wenn ich das so sagen darf)

 

Der Rahmen war geschafft.

 

Im Juli 2007 ging es dann an die Karosse. In nur 7 Stunden flogen im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen. Ausgerüstet mit Flex und elektrischen Sägen, zerteilten wir die Karossen.

Nachdem wir ausgewählt hatten, welcher Teil wohin kommen soll, ging es ans Sägen.

Jeder der wollte, durfte mal einen Schnitt machen, auch wenn es sehr weh getan hat, wenn man bedenkt, was man da zersägt. Aber ist ja für einen guten Zweck.

Nachdem die neue Karosse das Vorderteil verloren hatte, tranken wir erstmal einen drauf.

Das erste Mal sahen wir jetzt, wie das Auto später auf dem Rahmen wohl wirken würde.

Es war schon phänomenal.

Kaum mit der 2ten Karosse fertig, setzten wir beide Teile das erste Mal zusammen.

Der richtig große Augenblick bis zu diesem Zeitpunkt!

Jetzt sahen wir, was wir uns innerlich lange vorbereitet hatten. Wie verläuft das Dach?

Was wir vorher wussten, war, dass es total rund ist, und das in alle Richtungen.

Nachdem der Überblick da war, fing Alex sofort mit den Feinschnitten an.

Stundenlang kämpften wir uns Millimeter für Millimeter an die Passgenauigkeit.

Zum Schluss merkten wir dann, dass es so erstmal nicht weitergeht, da trotz der Feinschnitte die Dächer zu stark gewölbt waren, dass mindestens 10 kg Spachtel hätten aufgetragen werden müssen. Und an den Übergang gar nicht zu denken.

Nach kurzer Bedenkpause war es klar. Wir brauchen ein gerades Stück Dach. So etwas gibt es bei der Limousine nicht. Dafür hatten wir ja noch die Karosse des Tourist. Genau bei der Dachform gibt es ein ca. 1 m langes Stück, das fast gerade verläuft. Also Säge her.

Nachdem das Dach ab war, gab es erstmal eine ordentliche Pause. Angi hatte bereits den Grill an und alles vorbereitet. Außerdem brauchen kreative Köpfe auch mal eine Auszeit.

Nach der Pause fingen Stefan und Alex an, die Feinschnitte für das Dach in Angriff zu nehmen. Etwas außergewöhnlich aber effektiv.

Danach war der Tag erstmal beendet und die Form des Wagens wurde immer deutlicher.

In den folgenden Wochen ging es an die Feinarbeiten. Das Dach bestand nun aus 3 Teilen und wurde zusammengeschweißt. Am Ende waren aber die Höhenunterschiede auf Grund der Wölbung des Wartburgdachs immer noch zu groß. Also beschlossen Stefan und Alex noch eine Blechverplankung draufzusetzen. Dadurch entstand ein Höhenunterschied, den man mit Zinn ausgleichen konnte. Neben der Oberseite des Daches wurden auch unten die nötigen Dachstreben eingezogen und das Bodenblech angepasst und verschweißt.

Unzählige Schnitte und feine Schweißnähte später, fingen wir dann an den Wartburg anzuziehen. Bei den Standardblechteilen war das kein Problem. Diese wurden nur leicht angepasst und saßen somit fast auf Anhieb.

Jetzt begannen wir zu begreifen, welch wuchtiges Ding das wird. Denn erst mit der Außenhaut konnte man sehen, wie groß die Ausmaße später wirken werden.

Der große Mittelteil wurde durch 2 zusammengesetzte Türen geschlossen. Eigentlich eine große Tür, aber später soll sie auch fest verschlossen sein.

Das Problem mit der Tür war, wir mussten genau überlegen, wie wir später die Scheibe reinbekommen sollen und auch irgendwann mal wieder wechseln können. Da wir den Schnitt der Karosserie wie beim Serienmodell nicht verändern wollten und die Linie so bleiben sollte, wie sie in Echt auch ist, entschieden wir uns das Teil prinzipiell als Tür zu lassen und später mit Winkeln fest mit der Karosse zu verschrauben, um sie einfach in 10 Jahren auch noch mal aufzubekommen. Es wurden Fensterrahmen angepasst und alles millimetergenau platziert.

Kaum damit fertig, machte ich die ersten Erfahrungen meines Lebens mit dem Verzinnen. Die anderen hatten geschweißt und ich war jetzt auch mal wieder an der Reihe. Es dauerte doch einige Tage, bis ich in der Lage war, durch Tipps von Karosseriebauern etwas zu verzinnen.

Cm für cm kämpfte ich mich jetzt 3 Wochen lang über das Dach und alle anderen Stellen.

Zum Schluss sah alles gar nicht mal so schlecht aus und wir waren alle mit unserer Arbeit zufrieden. Dann wurde geschliffen, was das Zeug hält.

Nach all diesen Arbeiten machten wir uns jetzt Gedanken wegen der Sitzaufteilung.

 

Wir entschlossen uns die Rückbänke entgegengesetzt anzubringen und nicht wie in Stretchlimousinen üblich auf der Seite. Dies ist erstens einfacher bei der Abnahme und 2tens sieht es besser aus, als wenn bei einem Wartburg alle auf einer Seite sitzen. Oder habt ihr noch nie einen einseitig beladenen Wartburg gesehen? Der geht ganz schön in die Knie.

 

Dabei war das Wichtigste die Haltepunkte für den Gurt. Diese sind geprüft und dürfen nicht nach Belieben in einer Karosse angeschweißt werden. Also musste alles so angeordnet werden, dass wir die Originalhaltepunkte mit einbeziehen.

Dann kam der Michel ins Spiel. Denn wenn wir glaubten, dass nur Alex und Stefan gute Schweißer sind, da hatten wir die Rechnung noch ohne Michel gemacht. Wie ein Schönheitschirurg brutzelte der Michel mit einer Gelassenheit die ganzen Feinarbeiten an dem Auto, dass man sich nur so wundern konnte. Es sind halt doch alles kleine Eisenbiber.

So war das Gestell für die 2te Sitzbank dann drin und sämtliche Löcher, Übergänge und Eckchen verschweißt.

Im September 2008 kam der Wagen das erste Mal an das Tageslicht. Eigentlich nur um die Werkstatt aufzuräumen und Platz für den nächsten großen Akt zu schaffen. Die Vorbereitungen für den Lackierer. (Man darf nicht vergessen, dass wir jetzt schon 2 Heimweh Treffen in der Zeit des Karossenbaus hatten.)

Kaum hatten wir die Karosse vom Fahrgestell getrennt, sahen wir, dass es untenrum auch noch einiges zu tun gab. So war zum Beispiel der Schweller vorne auf einer Seite leicht lädiert und musste fachmännisch ausgebessert werden. Doch das waren wieder die schönen Aufgaben für Alex und Michel. Zack lag die Karosse auf der Seite und die Feinarbeiten untenrum konnten beginnen.

Als das durch war stand, ich schon mit dem Pinsel und Elaskon Unterbodenschutz bereit. Nach 2 Anstrichen war alles wie gewünscht geschützt.

Jetzt noch schnell ein Transportfahrgestell für den Lackierer zusammengeschweißt und schon konnte es losgehen zum Lackierer. Genau pünktlich vor der Winterpause.

Nach 26 Monaten seit der Grundidee stand jetzt eine fertige Karosse vor uns, die nur noch Farbe brauchte. Eine wahre Puzzlearbeit, die uns im wahrsten Sinne noch näher zusammengeschweißt hatte.

Enrico Martin

Alle Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung durch den Allgemeinen Wartburgfahrerclub Eisenach und Enrico Martin.