Caprigrün - das klingt (Signale 43-64)

Vor und nach der Restaurierung

Da bekommt man Fernweh, sieht exotische Landschaften vor sich, einen malerischen Sonnenuntergang, träumt vom Urlaub. Das mag der Wartburg Besitzer wohl gedacht haben, als er denn herausbekam, dass sein mittelmäßig hellgrüner Wagen diese exotische Farbbezeichnung hatte.

Wer mag der Schelm wohl gewesen sein, der diesen Farbton ins nicht allzu bunte Lack-Programm des DDR-Fahrzeugbaus aufnahm? Man konnte sich ja kaum aussuchen, was man bekam und die Alternativen mit Ahorngelb, Biberbraun, Samtocker, Kokonbeige, Goldoliv, Atlasweiß Velourrot, Neptunblau und Delfingrau waren so aufregend nicht.

Beim Kauf meines Wartburg-Transporters aus dem Hause Ihling war es gerade diese hellgrüne Lackierung, die mir am wenigsten von allen Details an dem Auto gefiel. Nur Ahorngelb wäre schlimmer gewesen. Der Lackzustand war aber nicht so wichtig im ersten Moment, denn die Technik verlangte nach einiger Zuwendung. Doch auf Grund etlicher Blessuren und Roststellen war der Lack jetzt endlich mal dran. Vor allem die Ausbesserung von Schäden durch Rost und Farbabplatzer beschäftigte mich etliche Stunden. Mit einer kleinen Drahtbürste und Bohrmaschine wurden alle Schadstellen blank geschliffen. Besonders ärgerlich war, dass ich zwei mal an meiner engen Garagenausfahrt mit der Pritsche am Torpfosten entlang geschrammt war. Dadurch war auch die handgemalte Beschriftung des Autos arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Heckklappe hatte ich beim Rückwärtsfahren schon einige Zeit zuvor verbeult. Also ließ ich mir von einem erfahrenen Lackierer die benötigten Farbtöne anmischen, um alles wieder so original wie möglich nach zu malen. Eine interessante Nebenerfahrung war, dass man in einer modernen VW-Lackiererei mit jungen Fachkräften nicht in der Lage war, die Farben mittels Farblehre zu ermitteln und zu mischen. Ohne Computergestützten Mischcode konnte der Farbmischautomat nichts zusammen rühren. Man hätte nicht die Technik, die optoelektronisch die alte Farbe analysieren könne. Aha! Der Altgeselle einer anderen Lackiererei konnte das mit dem Auge und hat es in allen vier Fällen gut getroffen. Nach Abschluss meiner Malkünste ist kein Unterschied im Farbton an den Ausbesserungsstellen zu erkennen. Ich habe die zu bearbeitenden Stellen nicht gezählt, doch es hat immer einige Stunden gedauert, alle Fehlstellen mit kleinem weichen Pinsel exakt auszumalen. Als Grundierung für die Lackfarbe verwendete ich graue Rostschutzfarbe, die sich sehr gut deckend vom Autolack übermalen ließ. Die fehlenden Teile der Beschriftung malte ich erst den Umrissen entsprechend mit einem Filzstift vor, um sie dann mit den entsprechenden Farben auszumalen. Nach dieser Arbeit muss ich sagen: Alle Achtung vor dem Künstler, der per Hand die Schrift im Original aufgetragen hat. Ich kenne in unserer Stadt Jemanden, der mit einem Pinsel freihändig früher die Firmenschilder gemalt hat, da ich ihm zufällig einmal zusehen konnte. Es sieht kinderleicht aus. Im Selbstversuch habe ich dann bemerken müssen, dass man nicht so ohne weiteres eine gerade Linie hin bekommt. Die Linien geraten meistens zittrig-wellig. Schade, dass ich erst im Verlauf der Malerei gelernt habe, dass die Dick-, bzw. Dünnflüssigkeit der Farbe neben dem Pinsel erheblichen Einfluss auf das Ergebnis hat. Ich hätte die Farbe etwas verdünnen müssen. Doch mit der Fernwirkung meiner Künste bin ich recht zufrieden.

Nun war deutlich zu erkennen, wie stumpf und schäbig der Altlack war. Ich hatte mal Autopolitur geschenkt bekommen und die war auch tatsächlich noch brauchbar. Das Ergebnis ist glänzend. Die Mühe hat sich gelohnt. Ich habe mich mit dem hellgrün angefreundet. Seit dem ich in Jürgen Lisses Fahrzeuglexikon "Wartburg" nachgeschlagen habe, weiß ich nun die exakte Farbbezeichnung: Caprigrün.

Nun fahre ich mit Freude zu einigen anstehenden Treffen. Trotzdem man die ausgebesserten Lackstellen natürlich sehen kann, macht das Auto einen guten Gesamteindruck. Es muss also nicht gleich immer die Neulackierung sein, wenn es mal kleine Schäden gab. Sorgfältige Ausbesserung tut es auch. Für die Erhaltung der Originalsubstanz gibt es ohnehin keine andere Alternative.

So wünsche ich Euch viele schöne Sommertouren. Mit leise vor sich hin schnurrender Technik, blitzblanken Karossen, und dem Glanz der Zufriedenheit und des Fernwehs in den Augen.

                                               

Euer Martin Völz