Legenden automobiler Leidenschaft (Signale 42-63)

Ostfahrzeuge im Stadtbild selten – aber oho ...

Die Leipziger Volkszeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 12.11.2009 über Ost-Fahrzeuge im aktuellen Strassenbild. Der Bericht war gleichermaßen wohlwollen wie augenzwinkernd geschrieben und soll hier deshalb auf keinen Fall fehlen.

Leipzig.       Echte Liebhaber lassen sich durch nichts und niemanden abschrecken. Das gilt gemeinhin auch für passionierte Freunde alter Fahrzeuge – für die von Ostvehikeln erst recht. Weder Fiskus noch Abwrackprämie können solche Bande trennen.

Knapp 20 Jahre nach der Einstellung der DDR-Automobilproduktion rollen nur noch knapp 30000 Trabant und 8000 Wartburg über Sachsens Straßen. Laut Kraftfahrtbundesamt sind in Deutschland noch rund 700000 Autos und knapp 8000 Ost-Motorräder registriert. Waren zur Wendezeit noch eine Million Trabis zugelassen, ist die Zahl der „Plastebomber“ mittlerweile auf unter 100000 gesunken. Etwa 2000 Barkas tuckern derzeit noch mit der Kraft der zwei Kerzen. Zu Legenden und mittlerweile die rund 400 Wolga und 94 Saporoshez aus der ehemaligen Sowjetunion geworden.

Via Internet tauschen inbrünstige Schrauber „Organspenden“, Werkstatt- und Pflegetipps für ihre rostigen Lieblinge aus. „Zweitakt-Geschwader“ und „Simsonisten“ verbreiten automobile Leidenschaft. Die stolzen Kutscher der lieb gewordenen Stinker finden sich zu Treffen und gemeinsamen Ausfahrten ein. Prämien gibt es für bestehende Originalität ebenso wie für originelle Umbauten.

 

Inzwischen sind rollende Konsumgüter aus dem IFA-Kombinat wieder gefragt. Für einen schicken Trabant Tramp oder einen gepflegten Wolga lassen Sammler locker 15000 Euro rüberwachsen. Zu denen, die sich nie und nimmer von ihren Ostautos und Zweirädern trennen würden, zählen die 40 Mitglieder des Vereins zum Erhalt alter Fahrzeuge Halle-Leipzig. Warum sie eher auf blauen Dunst als auf grüne Plaketten stehen, erklärt Sprecher Paul Krause aus Glesien so: „Diese Fahrzeuge gehören ganz einfach zu uns. Wir sind mit Jawa und Simson Suhl aufgewachsen, waren glücklich mit Trabi und Moskwitsch.“ In der Hege und Pflege der Gefährte sieht der 41-jährige Gemeindepädagoge „eine wichtige kulturhistorische Aufgabe“.

 

Autor: Winfried Mahr

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 12.11.2009

gefunden und eingesandt von Jörg Siebert