Die Idee (Signale 42-63)

Kaum zu glauben, aber es versteckt sich tatsächlich ein Wartburg unter diesem Tuch...

Im Sommer des Jahres 2006 hatten ein paar Verrückte eine passende Idee...

Am 12.08.2006, genau eine Woche nach dem Heimweh 2006, fuhren wir mit unseren Wartburgs Richtung Dresden. Dort hatten die Dresdner zum Wartburgtreffen geladen.

So kam es, dass ich mit Angelina und Kristin zusammen im Wartburg saß und wir irgendwann an einem umgebauten Trabant vorbeifuhren. Irgendwie schoss mir eine alte Idee in den Kopf. Wartburg als Strech???  Ich hatte das mal vor Jahren so rumgesponnen, aber nie zu Ende gedacht. Ich denke auch, dass ich da nie der einzige war.

Schnell wurde die Idee von den Mädels bis ins Detail zerpflückt. Ihr versteht schon .... „ne fahrende Proseccobar“, aber wir Männer verstehen da eher was anderes: „Ne Hasenschaukel“.

Dann saßen wir abends zusammen und haben gegrillt. Mitten beim Reden kamen wir natürlich wieder auf das Thema. Auf einmal sagten Stefan und Alex, die in einem anderen Wartburg nach Dresden fuhren: „Genau dasselbe haben wir auch vorhin auf der Fahrt gesponnen“.

Die Idee war geboren. Und wenn wir gemeinsam so eine Idee haben, hat uns das Schicksal noch nie enttäuscht.

 

Einfaches Ziel:

- Wir bauen eine Wartburg-Strech-Limousine

- Die darf möglichst nix kosten

- Wir bauen sie alle zusammen, um endlich mal gemeinsam zu schrauben

- Wir haben einen guten Werbeaufhänger für unser Heimweh Treffen

-Wir können unsere Clubhochzeiten würdevoll gestalten

-WIR HABEN GENUG ZU TUN PACKEN WIR ES AN…

 

Kaum war die Idee geboren, setzte ich mich an den Computer und bastelte die ersten optischen Entwürfe.

Nachdem man erstmal ein Bild hatte, ging es an die Planung.

Die erste Frage war? Gibt es überhaupt schon so ein Auto?

Alle Recherchen stießen auf nein. Das Einzige, was mir bekannt war, dass ein Karosseriebauer aus dem Berliner Raum schon mal was mit einer 1.3er Karosse angefangen, aber nie beendet hatte.

Jetzt war der Reiz noch größer die Ersten zu sein. Mehrere Tage lang war ich nur damit beschäftigt die Umsetzung in den Kopf zu bekommen und Ideen auszubrüten, wie wir das überhaupt sinnvoll hinbekommen.

Mein nächster Gedanke war gleich: „Gibt es überhaupt die Möglichkeit, so ein Auto für die Straße zuzulassen?“ Also fragte ich mal vorsichtig bei der Dekra an.

Eigentlich steht so etwas nichts im Wege, aber es gibt in Deutschland viele strenge Auflagen. Solange man die einhält, kann man eine Straßenzulassung bekommen.

Somit war klar, dass es auch einen Sinn hat das Auto zu bauen. Denn ohne Zulassung wäre der Aufwand nicht tragbar. Und außerdem gibt es so viele Ami-Schlitten, die hier auch fahren dürfen.

Das Einzige, was wichtig war, war der Umbau eines Fahrzeugs und nicht der Neubau. Denn dann müssen erst einige Prototypen vor die Wand und eine Zulassung wäre nach deutschem Recht alleine schon aus technischer Sicht niemals machbar gewesen.

Diese Probleme hatte Melkus auch, als sie begannen den RS1000 noch einmal aufzulegen.

 

Es war bereits Januar 2007. In unserer ersten Clubsitzung des Jahres berichteten wir nun allen anderen, was wir vorhaben.

Ziel: spätestens 2009 zu unserem 10-Jährigen unsere Gemeinschaftsarbeit zu präsentieren.

Alleine der Werbegag die Leute vorher heiß zu machen, um dann zu unserem Treffen zu kommen, war der Hauptantrieb in uns.

Damals konnte ja keiner ahnen, dass wir den Durchbruch hinsichtlich der Teilnehmerzahl bereits 2007 und 2008 haben sollten.

Aber wenn man heute so darüber nachdenkt, haben wir dann wieder ein Highlight, das die Leute so schnell nicht vergessen werden.

Die neuen Ziele waren jetzt:

- Fahrzeuge ranschaffen

-einen Platz zum Bauen suchen (das Schwierigste an dem Thema)

-Fachleute finden, die uns wertvolle Tipps geben können

-Teile beschaffen

-und Kosten im Rahmen halten

Dann kam das Schönste und so begann alles Formen anzunehmen.

Bereits einen Tag später besichtigten wir das erste Auto für den Bau. Dies sollte auch der Grundstein sein. Gleich nach der Besichtigung überlegten wir, nach einem geeigneten Bauplatz Ausschau zu halten. Abends saß ich bei meinem Sandkastenfreund Micha beim Grillen. Natürlich wurde das Thema trotz großer Geheimhaltung gleich mal angesprochen. (Ich sage gleich dazu, dass man immer Leute im Boot braucht, da es sonst nie was wird.)

Keine 2 Stunden später hatten wir seine Moni abgefüllt und auch von ihr das o.k. für unsere verrückten Pläne bekommen.

Tatsächlich stellten uns Micha und Moni ihre Scheune am Wohnhaus zur Verfügung. Man muss dazu sagen, dass es hier schließlich nicht mal um 2 Tage gehen sollte, sondern

um 2 - 3 Jahre.

Einzigste Auflage: Ordnung und keine Fremden im Garten. Das ist ja wohl kein Problem und Micha hatte wenigstens während dieser Zeit keine Möglichkeit seine Scheune mit Krempel voll zu müllen.  (Grins) Trotzdem hatten wir ihm immer ein Eckchen freigehalten für seine Habseeligkeiten. Und der Strom muss bezahlt werden. Aber dies war ja wohl selbstverständlich.

Ich finde es heute immer noch so etwas von Klasse. Nur gut, dass es noch solche Freunde gibt!

 

DANKE MICHA !!! von uns allen !!!

 

(Du kannst sagen, die erste Wartburglimo wurde bei Dir gebaut, vielleicht wird's ja mal ein Wallfahrtsort, wo Du mit Gastronomie reich wirst.)

 

Jetzt stand nix mehr im Weg.

Lasst die Arbeit beginnen.

 Die Beschaffung der Fahrzeuge gestaltete sich als gar nicht so kompliziert, und wie es der Zufall so wollte, kam immer alles zur richtigen Zeit.

Wartburg 353 Tourist - das Grundfahrzeug für den Umbau, übergeben von unserem Clubmitglied Michael Lorenz (DANKE MICHA!)

Wartburg 353 Limousine - Fahrzeug 2 ein Auto aus dem Fundus des Automobilbau Museums Verein Eisenach (Ostkantine), das einfach zu viel war und nicht im Restaurationsplan stand. (DANKE AME!)

 

Wartburg 353 Limousine - Rohkarosse fabrikneu, die wir in Stahnsdorf bei Berlin abgeholt haben. Dazu gab es noch ein wundervolles Badeerlebnis am See mit Stefan, Angi und mir, sowie ein tolles Essen beim Asiaten.

Wartburg 353 Limousine aus einem Garagenkauf zum Ausschlachten, was man auch gut bei der Demontage sieht

Nach jeder Beschaffung wurde sofort zerlegt. Was übrig war, wurde sortiert nach brauchbar und Kernschrott. Das Schönste daran, mittlerweile hatten wir die zweite Scheune bei Micha in Beschlag genommen. Ja, wir machten uns so breit, wie nie zuvor gedacht.

Zu den Karossen kamen noch einige Rahmen und Mengen an Blechteilen.

 

Enrico Martin

Alle Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung durch den Allgemeinen Wartburgfahrerclub Eisenach und Enrico Martin.