Die Geduldsprobe (Signale 41-62)

Wartburg 311 auf dem Wartburg 1.3-Rallye-Trans des Museumsvereins (Dirk Flach)

Nachdem mein Urlaub vom Chef genehmigt worden war, wusste ich: dieses Jahr sind wir beim EDWFC Jahrestreffen in Bad Salzungen und den geplanten Abstechern in die  Wartburg-Geburtsstadt Eisenach dabei. Da ich in der Woche vor dem Treffen schon Urlaub hatte planten Miriam und ich dass wir ja auch früher fahren könnten um Verwandte besuchen zu können.

 

Der abgetrehte Antriebswellenstumpf (Dirk Flach)Gesagt getan: Verwandte informiert alles klar wir fahren Donnerstag schon. Je nach Wetterlage entscheiden wir uns für eine Autovariante und die dazugehörige Fahrtstrecke. Fünf Monate später ist es endlich soweit. Die Wetteraussichten sind herrlich. Also fahren wir standesgemäß mit der Oma zum Jahrestreffen. Am Mittwoch dann noch schnell Oma gewaschen und bei der Fahrt zurück nach Hause: „Hm was war das? Der Motor zieht nicht richtig? Das muss getestet werden!“ Also noch eine Strecke gefahren ...alles wie immer.

 

Was auch immer das wohl gewesen sein mag. Aber was soll es, alte Autos haben so ihre Macken. Bei herrlichem Sonnschein ging es am Donnerstagmorgen los.

Schön durch landschaftliche herrliche Gegenden, ganz ohne Autobahn. Nach gut zwei Stunden die erste Pause und die aufkommende Erkenntnis, dass ein Frühstück in geraumer Zeit nicht schlecht wäre. So haben wir es beschlossen und steuerten ein Cafe in einem der nächsten Orte an. Gestärkt und frohen Mutes ging es weiter. Während der weiteren Fahrt, so rund 40 km vor Alsfeld,  ließ sich die Kupplung plötzlich relativ leicht drücken.  „Wird da eine Panne im Anmarsch sein? Egal! Wir müssen sehen, wie weit wir kommen. Schließlich sind es  nur noch  130 km bis zum Ziel.“ Mitten in Alsfeld sah man gegen 11:45 Uhr einen schönen Wartburg als erstes Auto an der Ampel stehen. Der Wagen fährt an. Der Fahrer wird bleich. Warum? Weil der Gang unmittelbar nach dem Anrollen heraus springt und nicht mehr reingeht. Also auf dem breiteren Fußweg ausrollen.

 

Dann die bittere Erkenntnis: das war die Kupplung! Und nun? Okay: ‚Brechstange ADAC‘ möglich aber was sonst noch? Während diesen Überlegungen hält ein Simson S51-Fahrer an und ist einfach begeistert von der Oma. Er hilft nach Lösungen suchen. Etwa 10 Minuten später fährt er weiter um seiner Idee nachzugehen. Die im wesentlichen in der Erkenntnis bestand, dass nicht weit von hier ein ehemaliger Wartburg 312-Fahrer wohnt, der eventuell eine Hilfe-Möglichkeit bieten könnte. Als er zurück kam, war das Ergebnis leider wenig überraschend: wie befürchtet, ergab sich hier keine Alternative. Er gab mir noch den Tipp den Wartburg doch rollen zu lassen bis zur nächsten Werkstatt die direkt ein Stück bergab ist. Naja rollen lassen? Erst mal sehen wo die Werkstatt ist. Nach rund 5 Ampel und 1,5 km erreichte ich die Werkstatt. Also nur mal rollen lassen? Nee iss klar! Was für ein Optimismus die Leute doch haben. Vorher noch an einem KFZ Teilhandel vorbeigekommen und gefragt nach einer 311 Kupplung. Es hätte ja sein können. Ja hätte, aber es gab wenn nur überhaupt noch 353 Kupplungen auf Bestellung. Anschließend habe ich an der Tankstelle neben der Werkstatt gefragt, wer eventuell noch helfen könnte. Antwort: „Schauen sie mal ein Stück weiter runter.“

 

Die OMA vor der ehemaligen Ostkantine (Dirk Flach)Einen Kilometer später stand ich an einem Opel Autohaus mit ADAC Servicepunkt. Gut,  Brechstangenhilfe also direkt um die Ecke. Aber das kann es doch nicht sein.

 

Also Handy gezückt und mal die Nummern durch gescrollt ...Risch, Stephan und Tanja, Splittgerber, Stück .......Stück  - na warum eigentlich nicht vielleicht hat ja Michael eine Idee. Michael  Stück hatte und gab mir die Nummer von Harald Creuzburg, der für den Museumsverein die Autos flott macht. Dieser sagte mir, er müsse mal gucken und ich solle in einer Stunde noch mal anrufen. Nun ja, das war zumindest ein kleiner Erfolg.

 

Erstmal die 2,5 km zu Miriam und der Oma zurückgewandert. Hier angekommen erzählte Miriam, das die Leute gucken und zum Teil Fragen nach dem Wartburg stellen würden. Es war Mittag - also Mittag essen. Aber wo und was? Miriam machte darauf aufmerksam, sie hätte auf dem Weg ein Schild gesehen: „McDonald‘s in 2 Minuten“. Allerdings galt dieses Schild ganz offenbar Autofahrern, denn das bekannte Schnellrestaurant war dann doch 4 km weiter weg an der Autobahn.  Aber zum Glück fand sie eine Metzgerei, die auch warme Speisen und Salat anboten. Dazu gab es obendrauf noch 2 Wiener Würstchen - gratis. Punkt 14 Uhr rief ich Herrn Creuzburg wieder an. Dieser sagte zu mir: „Wir haben eine Lösung! Wir schicken jemanden, der Sie mit dem museumseigenen Transporter einsammelt.“

 

Das war die gute Nachricht. Die schlechte: im Transporter ist nur Platz für Fahrer und einen Beifahrer. Also waren wir einer zu viel.

 

Aber das Problem lösten wir ganz schnell in dem wir bei der Verwandtschaft anriefen, die ja schon sehnsüchtig wartete. Gegen 15.30 Uhr erschien Miriams Onkel und wir verluden noch das Nötigste, was Miriam für eine Nacht brauchte. Miriams Onkel brachte noch frischen Rosinenstuten mit, damit wir wenigstens etwas zu Essen hatten.

 

Ich packte den Stuten und die zwei übrig gebliebenen Wiener Würstchen ein. Dann verabschiedeten wir uns. Rund 20 Minuten später klingelte mein Handy und Miriam sagte das der Transporter auf dem Weg sei und wieder 20 Minuten später war er da. Wir luden die Oma auf und nun ging es über die Autobahn ins 100 km entfernte Eisenach. Am Museum angekommen stellten wir den Transporter samt Oma in die Küche der ehemaligen Ostkantine. Die Eisenacher gaben mir das Versprechen, direkt am nächsten Morgen nach der Kupplung zu schauen.

 

Die Oma hat ein „Rad ab“. (Dirk Flach)Auch Harald Creuzburg kam noch mal vorbei. Er war es dann auch, der mir eine Unterkunft besorgte und mich dorthin fuhr. Mittlerweile war es kurz vor 20 Uhr und eigentlich Abendessenszeit. Aber hier in der Pension gab es nichts und die nächste richtige Verpflegungsstation war 30min Fußmarsch entfernt.

 

Da ich den ganzen Tag lang schon Wandertag hatte, besorgte ich mir noch eine große Flasche Wasser und bestritt das Abendessen mit Wiener Würstchen, Rosinenbrot und als Nachttisch ein Twix.

 

Gegen 23 Uhr endete mein Tag, der alles andere als ein relaxter  Urlaubstag gewesen war. Aber es konnte ja nur besser werden -  oder?

 

Nach dem Frühstück habe ich ausgecheckt und ein Taxi gerufen. Ins Taxi eingestiegen und zum Fahrer gesagt: "Fahren sie mich zur Ostkantine." Ein verdutzter Blick dann die Aufhellung im Gesicht des Fahrers . "Ähm dann fahren sie mich doch bitte zum AWE Museum." Seine Antwort: „Mensch den Begriff Ostkantine habe ich ja lange nicht mehr gehört!“ und weiter: „Ich hab früher auch im AWE gearbeitet.“

 

Kurz nach 9 Uhr betrat ich die Werkstatt. Harald und seine Kollegen machten hier sich schon an der Oma zu schaffen. Alle Anbauteile vom Motor ab und dann den Motor rausheben. Das war die Devise um an die Kupplung zu kommen. Wie zu erwarten war, bröselte die Kupplung auseinander. Ein Gang in den Keller und dann wurde eine gute neue Kupplung verbaut und alle Teile die auffällig erschienen gleich mit. Um halb zwei war die Oma fertig. Noch nach dem Weg nach Bad Salzungen gefragt und auf ging es von Eisenach zum Hotel ‚Salzunger Hof‘, dass ich in der Vorbereitungsphase für alle Teilnehmer des EDWFC gebucht hatte. Zum Ort des Jahrestreffens war es eine herrliche Fahrt mit Sonnschein.

 

Ich war das erste Mitglied des EDWFC, welches eincheckte. Ich wollte gerade losfahren um Miriam abzuholen da parkten Stephan, Tanja und Oliver neben mir. Ich begrüßte sie rasch und teilte ihnen mit, dass ich nur schnell Miriam abholen fahren wollte. Gesagt - getan und los fuhr ich.

 

Während der Fahrt kamen mir noch Ansgar, Ellen und Charlotte entgegen. Kurz vor Großentafft auf gerader Strecke bei rund 60 km/h sprang der Gang raus. Naja kann passieren dachte ich Gang wieder eingelegt aber ich rollte nur noch aus - egal wie viel Gas ich gab. „Nicht schon wieder!“ dachte ich. Als nächstes habe ich Stephan, Ansgar und wieder Harald Creuzburg angerufen. Ich vermutete bereits, dass es die Antriebswelle war, was Ansgar bei seinem Eintreffen an der Unglücksstelle auch direkt bestätigte.

 

Wieder einmal hieß es warten auf den Museumstransporter. Ich bin echt froh das die Jungs mir so super geholfen haben.

An dieser Stelle einen riesigen super Dank!

 

Stephan und Ansgar fuhren zwischenzeitlich die restlichen  6 km weiter und sammelten Miriam ein. Mit ihr fuhren sie zurück ins Hotel.  Kurze Zeit später kam auch der Transporter.

Nun hieß es also wieder einmal Oma aufladen. Das hatten wir ja schon lange nicht mehr...

 

Wie schon am Vorabend stellten wir das Gespann in die Werkstatt. Aber diesmal rief ich bei Stephan an damit mich jemand abholt in Eisenach. Das hatten wir so am Nachmittag besprochen. Der Abend klang mit einem schönen kühlen Bier aus. Das hatte ich mir redlich verdient.

Am nächsten Morgen fuhr ich wieder nach Eisenach zur Museumsvereinwerkstatt in der ehemaligen Ostkantine, um nach der Oma zusehen.

 

Charlotte Glahse und Oliver Uske zeigen Ihren Eltern das Dilemma (Dirk Flach)Es stellte sich heraus, dass ich eine doppelte Portion Glück hatte. Zum einen, dass wir den Wagen noch aufgeladen bekommen hatten. Zum anderen, was wesentlich wichtiger war, dass ich mit der Oma einen Mega-Abflug hätte machen können, der dann nicht so glimpflich ausgegangen wäre.  Die Antriebswelle der Beifahrerseite war so gebrochen, dass beim Abladen die Oma absackte und nicht mehr zu bewegen war. Das Rad war ab! Also mussten Harald und sein Kollege die Oma auf dem Transporter stehend reparieren.

Gegen 13 Uhr war diese Aktion beendet und Oma endlich wieder beweglich und fertig zum Abladen.

 

Kurz bevor ich mich zum Heimweh-Treffen aufmachen wollte, klingelte mein Handy. Martin Völz war dran. Er wollte wissen, ob sie auch die Schaltung an seinem Wartburg reparieren könnten.  Ich reichte das Telefon an Harald weiter und sie verabredeten sich für Sonntagmorgen.

Ich rollte mit der Oma gegen 14 Uhr auf den, hauptsächlich mit Wartburg-Pkw gefüllten Platz. Schnell traf ich einige Freunde aus der großen Wartburgfamilie. Nun begann für mich das Treffen. Zwei Tage verspätet und mit Hindernissen „á la carte“.

Ich traf auch Martin auf dem Platz und wir schlenderten gemeinsam weiter und machten Fotos. 

 

Der restliche Tag verlief ohne weitere Vorkommnisse.

Nach dem Sonntagsfrühstück hieß es für Miriam und mich Abschied nehmen  von der EDWFC-Familie. Wir fuhren nicht noch mit ins Museum nach Eisenach, sondern direkt heimwärts. Diesmal allerdings über die Autobahn.

 

Wir hatten Eisenach gut hinter uns gelassen, da überholte uns ein holländischer Barkas, der auch auf dem Treffen war. Dieser begleitete uns bis kurz hinter Gießen. Nach 4 Stunden  incl. 30 Minuten Pause erreichten wir die Heimat. Oma fuhr wunderbar. So könnte ich wie einst Norbert Reimann  sagen: “Man läuft ums Auto und tritt mal dagegen. Aber man hat es doch lieb“.

 

Trotz der Nerven, die dieses Wochenende gekostet hat, waren wir gerne mit der Oma beim Jahrestreffen dabei. Denn wenn es auch mal nicht so rund läuft, darf man denn Mut und das Vertrauen in den Wagen nicht verlieren.